Versteigerung

Eine Gefahr für die Gesundheit? Alles zum neuen 5G-Netz

5G wird kommen: Aber was haben wir eigentlich davon?

Hinter dem künftigen Mobilfunkstandard 5G stecken viele Versprechen. Einige davon wird er erfüllen können, hinter anderen verbergen sich wiederum Risiken. Ist es das wert?

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Mainz  Die 5G-Versteigerung startet und soll dem Staat Milliarden Euro einbringen. Was bringt das neue Handy-Netz? Und: Wie gefährlich ist es?

Der deutsche Staat will mit der Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen des Standards 5G mehrere Milliarden Euro einnehmen. Doch was haben Steuerzahler und Mobilfunkkunden davon? Wird das Netz besser oder Verträge teurer? Wir klären die wichtigsten Fragen zur Versteigerung, die ab Dienstagvormittag mehrere Wochen läuft:

Wofür steht eigentlich 5G?

Die Abkürzung 5G steht für die fünfte Generation und damit für eine Weiterentwicklung bestehender Technik – in diesem Fall von 4G (auch LTE genannt). Die Weiterentwicklung von der vierten zur fünften Generation bringt bei mobilen Daten eine Übertragungsrate mit sich, die etwa 100 Mal schneller sein soll als bei 4G. Ein weiterer Vorteil: Die Übertragung bei 5G beginnt quasi sofort. Bei 4G mussten Mobilfunkkunden oft mit einer Latenz – also dem Einsetzen der Wirkung – leben. Wer sich aber im 5G-Netz befindet, soll direkt Daten streamen können und nicht auf einem verlangsamten Netzaufbau warten.

Hilft 5G nur privaten Handynutzern oder auch der Industrie?

Viele Industriesparten hoffen auf die neue Technik, aber vor allem die Automobilbranche testet schon lange die Möglichkeiten aus. 5G kann dabei helfen Daten schnell und zuverlässig von Auto zu Auto zu übermitteln. So könnte ein Unfallauto Informationen an heranfahrende Fahrzeuge melden und so Auffahrunfälle verhindern.

Doch nicht nur im Verkehr, sondern auch in der Autoproduktion soll ein schnelleres Datennetz einen Fortschritt bringen. Deutsche Automobilhersteller denken seit längerem darüber nach, auf ihren Werksgeländen eigene Mobilfunknetze mit dem neuen Standard aufzubauen und die Produktion zu vernetzen.

Auch in der Telemedizin, in Fabrikhallen oder in der Landwirtschaft – etwa mit autonomen Traktoren – soll 5G künftig eine wichtige Rolle spielen.

Was bedeutet die 5G-Auktion für Privatkunden?

Direkt nach der nun begonnenen Auktion werden Mobilfunkkunden wenig merken. Erst Anfang 2021 dürfte das Netz auch für Privatkunden bereitstehen. Zudem müssen Kunden sich erstmal ein Smartphone oder Tablet anschaffen, dass Daten über das neue Netz empfangen kann.

Erste Geräte, die den Funkstandard theoretisch unterstützen, sollen jedoch schon in der ersten Jahreshälfte auf den Markt kommen. Die allermeisten mobilen Anwendungen funktionieren allerdings schon gut mit 4G/LTE. Für den privaten Endverbraucher ist es also wichtiger, dass erstmal LTE weiter ausgebaut wird. In Zukunft kann sich das aber ändern, wenn weiterentwickelte mobile Anwendungen deutlich höhere Datenströme brauchen als heute – und daher doch 5G nötig wird.

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Birgt 5G gesundheitliche Risiken?

Die angebotenen 5G-Frequenzen liegen in einem Bereich, der schon seit Jahren für Mobilfunkanwendungen genutzt wird. Deshalb könne man im Hinblick auf mögliche gesundheitliche Risiken durch elektromagnetische Strahlung „auf die bestehenden Studien und Einschätzungen internationaler Expertengruppen zurückgreifen“, sagt Sarah Drießen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit der Uniklinik RWTH Aachen.

Hier sei die Lage recht klar: „Zusammengefasst besteht nach derzeitigem Kenntnisstand unterhalb der empfohlenen Grenzwerte kein gesundheitliches Risiko dieser hochfrequenten Felder“, so Drießen.

Ähnlich sieht es Alexander Lerchl, Professor für Biologie und Ethik in Naturwissenschaften und Technik an der Jacobs University Bremen: „Begründete Hinweise oder gar Belege für gesundheitliche Schäden oder Gefahren durch elektromagnetische Felder in den 5G-Frequenzbereichen innerhalb der geltenden Grenzwerte sind nicht vorhanden.“

Halten manche Wissenschaftler nicht schon aktuelle Mobilfunkgeräte für potenziell schädlich?

Tatsächlich steht die Strahlung von Mobiltelefonen bei einigen Forschern noch immer im Verdacht, das Risiko für Krebserkrankungen zu erhöhen. So erneuerte eine Gruppe von über 200 Ärzten und Wissenschaftlern gerade erst ihre Forderung nach einem Aufschub des 5G-Starts.

Sie verweisen auf verschiedene Studien, die die Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung belegen sollen. Die jüngste und größte dieser Studien erschien im vergangenen Jahr und sah einen klaren Zusammenhang zwischen Handystrahlung und Krebs bei Ratten. „Der Auftraggeber der Studie, die FDA und viele andere Expertengremien stufen die Ergebnisse allerdings anders ein und halten weiterhin daran fest, dass es keine gesundheitlichen Wirkungen unterhalb der Grenzwerte gibt“, sagt Sarah Drießen.

Zu demselben Ergebnis kommt auch das Bundesamt für Strahlenschutz, das methodische Schwächen der Studie kritisiert.

5G benötigt teils ein sehr dichtes Netz an Basisstationen. Die bisherige Technik kommt im Vergleich mit deutlich weniger Mobilfunkmasten aus. Erhöht das die Strahlenbelastung für Verbraucher?

Alexander Lerchl sieht hier keine Gefahr für den Menschen: „Die eingestrahlte Energiemenge wird sich vermutlich nur wenig ändern, da diese maßgeblich durch die Endgeräte (zum Beispiel Smartphones) verursacht wird und nicht durch die Basisstationen.“ Es sei zwar zu erwarten, dass die Anzahl der Basisstationen zunehmen werde, deren Sendeleistung werde allerdings niedriger sein als bei heutigen Anlagen. Schließlich gelte es bei diesen 5G-Netzen, „viele Geräte in der Nähe zu erreichen und nicht, über Hunderte von Metern oder einige Kilometer Verbindungen aufzubauen“, so Lerchl.

Warum fordert die Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz, Inge Paulini, trotzdem weitere Forschung zu den gesundheitlichen Folgen?

Mit ihrer Forderung bezieht sich Paulini auf „höhere Frequenzen“, als sie derzeit versteigert werden. Dabei geht es etwa um den Frequenzbereich um 26 GHz und höhere Bereiche, die mittelfristig ebenfalls für 5G genutzt werden sollen. Tatsächlich ist dieser Frequenzbereich derzeit deutlich weniger erforscht als der bisher genutzte.

Dort geltende Grenzwerte beruhten teilweise auf Hochrechnungen, sogenannten Extrapolationen, sagt Professor Achim Enders, Leiter des Instituts für Elektromagnetische Verträglichkeit an der TU Braunschweig: „Diese Extrapolationen sind wissenschaftlich aber sehr gut begründet, einen auch nur annähernd seriösen wissenschaftlichen Hinweis auf weitergehende Effekte, unabhängig ob schädlich oder harmlos, gibt es nicht.“


Wie genau läuft die Auktion ab?

Start ist am 19. März 2019 um 10 Uhr. Die angemeldeten Bieter sind die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und Drillisch. Sie haben die Möglichkeit, vor Ort in dem Mainzer Technik-Standort der Bundesnetzagentur Angebote für die 41 verschiedenen Frequenzblöcke abzugeben. Das ist eine langwierige Sache - die vergangenen Auktionen dauerten drei bis sechs Wochen. Grund: Die Gemengelage verschiebt sich ständig. Erst wenn auf keinen einzigen Block mehr ein Angebot abgegeben wird, ist Schluss. Entscheidet sich eine Firma doch noch zu einem Gebot, geht es weiter - andere Bieter könnten dann wieder auf andere Blöcke setzen.

Wie viel Geld kann der Staat durch die 5G-Auktion einnehmen?

Fachleute rechnen mit drei bis fünf Milliarden Euro. Das Geld will der Bund in den Digitalausbau stecken, etwa in eine bessere Ausstattung von Schulen. Die geradezu legendären Einnahmen aus der ersten großen Mobilfunkauktion im Jahr 2000, als rund 100 Milliarden D-Mark flossen, dürften bei Weitem nicht erreicht werden. Das ist auch gut so. Denn alle Seiten sind sich heute einig, dass die exorbitanten Staatseinnahmen damals ein Fehler waren – dadurch fehlte der Telekommunikationsbranche Geld für Investitionen und auch deshalb gab es mehr Funklöcher als gedacht.

Bei vergangenen Auktionen hat der Staat viel Geld einnehmen können.

– seit dem Jahr 2000.

Warum gibt es nicht nur Jubel bei der Telekom, Vodafone und Telefonica/O2?

Für die Telekommunikationsbranche hat die Versteigerung immense Bedeutung. „Die Frequenzauktion ist der bislang wichtigste Meilenstein auf Deutschlands Weg in das 5G-Zeitalter“, schwärmt beispielsweise der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Achim Berg. Zugleich bekommt er aber tiefe Sorgenfalten. Die Firmen würden „in ein Auflagenkorsett gezwungen, das die Wirtschaftlichkeit der geplanten Investitionen in Frage stellt“, moniert er.

Die Netzbetreiber müssen mit anderen Firmen sprechen, wenn diese ihre Antennen nutzen wollen - Verhandlungsgebot nennt sich das. Die drei bisherigen Netzbetreiber befürchten, dass sie dadurch gezwungen werden könnten, die Konkurrenz auf ihre Netze zu lassen. Das Verhandlungsgebot ist letztlich eine Abschwächung des „National Roaming“, bei dem Netzbetreiber generell zur Öffnung ihrer Netze verpflichtet sind, wenn Konkurrenten vor Ort keine eigenen Masten haben. Das ist ein rotes Tuch für die Telekom, Vodafone und Telefónica, sehen sie darin doch ihre Investitionen entwertet. Das National Roaming steht zwar nicht in den Vergaberegeln, erleichtert sind die Netzbetreiber aber trotzdem nicht - aus ihrer Sicht könnte das Verhandlungsgebot eine Art Roamingpflicht durch die Hintertür sein.

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Was genau besagen die Ausbauregeln?

In zwei Schritten sollen bis Ende 2022 beziehungsweise bis Ende 2024 alle Autobahnen, Bundesstraßen und wichtige Zugstrecken schnelles Internet bekommen. Heute erscheint das kaum vorstellbar angesichts der zahlreichen Funklöchern, die man auf Reisen durch Deutschland erlebt und erleidet. Außerdem sollen 98 Prozent der Haushalte bis Ende 2022 mit schnellem Internet versorgt werden. Der Neueinsteiger Drillisch wird weniger stark in die Pflicht genommen. (jmö/dpa/ac)

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