Landwirtschaft

Das Sterben der Bauernhöfe: Wenn der Landwirt vom Hof geht

Die Zahl der Landwirte in Südwestfalen schrumpft.

Die Zahl der Landwirte in Südwestfalen schrumpft.

Foto: ap/dpa/picture alliance

Hagen.   Die Zahl der Bauernhöfe schrumpft. Ein Finanzexperte spricht dennoch von "gesunder mittelständischer Struktur". Wie kann das sein?

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Das Sterben der Bauernhöfe in Südwestfalen geht weiter. Das bestätigen die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 gab es in den Kreisen Soest, Olpe, Siegen-Wittgenstein, Ennepe-Ruhr, Märkischer Kreis und in Hagen 5150 landwirtschafltiche Betriebe. 2016 sind es noch 4782.

Auffällig ist, dass die Höfe, die bleiben, wachsen. Sie nutzen immer größere Flächen. Eine Entwicklung, die sich mit dem bundesweiten Strukturwandel in der Landwirtschaft deckt. Wie einschneidend die Entwicklung insgesamt in NRW ist, belegen zwei Zahlen: 1970 zählte die Statistik 168 000 Betriebe, heute sind es weniger als ein Drittel: 35 570.

„Die Ursachen dafür sind vielschichtig“, sagt Rudolf Schüller. „Landwirte bekommen gesellschaftlich viel mehr Gegenwind als früher. Das sehen Sie an der aktuellen Diskussion um Glyphosat und Gülle. Und viele kleinere Betriebe, können auf Dauer nicht mehr kostendeckend wirtschaften.“

Der 56-Jährige, gelernter Bankkaufmann, ist Mitarbeiter der Westfälisch-Lippischen Versicherungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft. Die Tochtergesellschaft des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) berät Betriebe in wirtschaftlichen Fragen.

Trend zu größeren Betrieben

Generell sieht der Finanzexperte die Landwirtschaft in Südwestfalen gut aufgestellt. „Es sind in der Regel funktionierende mittelständisch geprägte Familienbetriebe. Das ist die Grundvoraussetzung für die Erhaltung der Vielfalt.“ Natürlich gebe es Fälle, in denen die Existenzkrise des Hofes verdrängt werde „und Entscheidungen zu spät getroffen werden“.

Dass der Trend zu immer größeren Betrieben geht, verhehlt Schüller nicht. Gleichwohl biete die moderne Technik einem Familienbetrieb die Chance, sich am Markt behaupten zu können. „Heute können drei Mann 200 Milchkühe versorgen, früher wären höchstens 80 oder 100 Kühe möglich gewesen.“

Kritik übt Schüller am Handel. Sein Beispiel: die stark gestiegenen Butterpreise: „Es kommt leider nicht unten an, was oben mehr verlangt wird. Der Handel zieht doch den größten Teil des Ertrags für sich daraus.“

Wertschätzung für Produkte fehlt

Die Umstellung der Produkte auf Bio-Standards hält er für einen guten Weg, gibt jedoch zu bedenken, „dass Bio viel mehr Einsatz erfordert“. Einsatz, der auf der Abnehmerseite honoriert werden müsse. „Da klemmt es.“ Die Nachfrage werde noch steigen. „Bio ist ein begrenzter Markt, deshalb können nicht alle Landwirte auf Bio setzen.“ Nicht zuletzt wünscht er sich mehr Wertschätzung für landwirtschaftliche Erzeugnisse. „Immer nur billig, billig, geht nicht.“

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