Energieeffizienz

Wie die Wand zur Heizung wird

Elektriker Karl-Friedrich Schuppert (r.) entwickelte das infrarote System im Jahr 2004. Geschäftsführer Johannes Brandl (l.) ist mit einer Heizaggregate, dem sogenannten Heizregister, zu sehen und Vertriebsleiter Wolfgang Tauchmann mit einem Speicher, der Wärme für längere Zeit speichern kann.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Elektriker Karl-Friedrich Schuppert (r.) entwickelte das infrarote System im Jahr 2004. Geschäftsführer Johannes Brandl (l.) ist mit einer Heizaggregate, dem sogenannten Heizregister, zu sehen und Vertriebsleiter Wolfgang Tauchmann mit einem Speicher, der Wärme für längere Zeit speichern kann. Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen.   Fünf Essener Gründer haben ein elektrisches Heizsystem entwickelt, das besonders energiesparsam ist. Viele Wärmequellen heizen eine ganze Wand.

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In Deutschland heizen die meisten mit Gas oder Öl, einige auch mit Fernwärme. Wer noch einen strombetriebenen Nachtspeicherofen an der Wand hängen hat, kann sich in der Regel nicht dagegen wehren. Als Relikt in Mietwohnungen gilt er als überteuert und besonders klimaschädlich. Dass ein grünes Start-up eine Stromheizung als Lösung für die Zukunft verkaufen will, klingt daher abenteuerlich. Doch genau das versuchen die Gründer der Essener Firma „Think (E) Energy“.

Sie haben ein Heizungssystem entwickelt, das deutlich weniger Energie verbrauchen soll als herkömmliche Systeme. Herzstück ist eine „Wärmewand“, die auf der ganzen Fläche elektrisch beheizt wird. Die Heizaggregate sind hinter der Wand versteckt. Eine Innendämmung sorgt dafür, dass möglichst wenig Wärme nach außen verloren geht, was Kohlendioxid (CO2) sparen soll.

Mehrere Wärmequelle für weniger Energieverbrauch

Das Start-up gehört zum Netzwerk „Greentech Ruhr“ und war jüngst beim „Green Day Ruhr“ – einem Veranstaltungstag für Unternehmen und Projekte aus der Umweltwirtschaft. Es ging um viele Themen – von Energie- und Materialeffizienz über Wasserwirtschaft bis hin zur Elektromobilität. Den „grünen Tag“ organisierte die Business Metropole Ruhr mit den Wirtschaftsförderern aus mehreren Revierstädten. Dabei präsentierten auch der Regionalverband Ruhr und die Emschergenossenschaft ihre Projekte zur „grünen Infrastruktur“.

„Think (E) Energy“-Geschäftsführer Johannes Brandl erklärt die Firmenidee am Beispiel des ältesten Heizmittels: „Früher hat man ein riesiges Lagerfeuer gemacht. Würde man es in einer Wohnung in viele kleine aufteilen, verteilt sich die Wärme gleichmäßiger und schneller. Und dadurch wird weniger Energie verbraucht.“

Die Firma baut mehrere Heizregister an Wand- oder Deckenenden ein. Mit infraroter Wärmestrahlung werden spezielle Carbonplatten beheizt, die hinter einer zusätzlichen Trockenbau-Wand montiert werden. Die Entwickler versprechen eine bessere CO2-Bilanz als bei Gasheizungen. Dazu trägt auch eine Innenwand-Dämmung bei, die vor allem bei nicht gedämmten Außenfassaden sinnvoll sei, etwa bei denkmalgeschützten Gebäuden.

Beheizte Sockelleisten sollen Schimmelbildung verhindern

Die Produktidee hatte der Elektrotechniker Karl-Friedrich Schuppert (62) im Jahr 2004. Er konnte auf diese Weise das Schimmelproblem des Ehepaars Cornelia Thies (55) und Wolfgang Tauchmann (69) lösen. Denn eine warme Wand entzieht Feuchtigkeit und damit den Nährboden für Schimmelpilze. Thies und Tauchmann erkannten darin eine Geschäftsidee und gründeten mit Schuppert sowie dem befreundeten Ehepaar Sabine (52) und Johannes (55) Brandl 2011 ihre eigene Firma. Dies mit ihrem eigenen Geld, inzwischen sichern zusätzlich ein Bankkredit und eine Investorin die Finanzen.

Die Schimmelbekämpfung wurde zur zweiten Geschäftsidee. Die Gründer entwickelten dafür beheizte Sockelleisten, die nicht nur den Raum wärmen, sondern auch der Wand die Feuchtigkeit entziehen und somit Schimmel verhindern sollen. Zuletzt statteten die Essener damit die schimmelanfälligen Klassenräume einer Schule in Mönchengladbach aus.

Ziele für die Zukunft

Ihr Heizungssystem hätten sie mittlerweile in Wohnungen, Büros und Sportanlagen in ganz Deutschland, Österreich und Holland eingebaut, berichten die Partner. Eine Expansion schließt das Team nicht aus. „Wenn wir mehr als 35 Projekte pro Woche haben, brauchen wir mehr Personal”, sagt Schuppert.

Mit Herz und Blut arbeitet das Team seit sieben Jahren zusammen und ist laut Brandl vor rund drei Jahren in die Gewinnzone gekommen. Die weiteren Ziele? Kurzfristig sollen die bestehenden Systeme verfeinert werden. Auch sollen sie günstiger werden, indem die Kunden mehr selbst montieren können. Langfristig möchten die Unternehmer Räume mit ihrer Technik nicht nur heizen, sondern auch kühlen können.

>> WEITERE INFORMATIONEN: Kosten und Verbrauch

Je nach Modellart kostet das Heizsystem 193 bis zu 379 Euro pro Quadratmeter und wird laut Anbieter je nach persönlichem Strompreis sofort oder spätestens 14 Jahre nach der Montage günstiger als eine Gasheizung.

Der Endenergieverbrauch einer Infrarot-Heizung liegt nach Angaben der Hersteller um das zweieinhalbfache unter dem einer normalen Gasheizung.

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