Strommix

20 Prozent weniger Kohlestrom, dafür deutlich mehr Windkraft

Windkraftanlagen, hier in Alpen, haben in diesem Jahr deutlich mehr Strom produziert als vor Jahresfrist. Das teils stürmische Wetter im Frühjahr ist der Hauptgrund dafür gewesen.

Windkraftanlagen, hier in Alpen, haben in diesem Jahr deutlich mehr Strom produziert als vor Jahresfrist. Das teils stürmische Wetter im Frühjahr ist der Hauptgrund dafür gewesen.

Foto: Arnulf Stoffel / dpa

Energiewende: Der viele Wind zu Jahresbeginn hat den Ökostrom-Anteil über 40 Prozent gehoben. Dagegen bleibt der Kohlestrom auf dem Rückzug.

Essen. Nicht nur bei den Anti-Kohle-Protesten im Rheinischen Revier geht es heiß her an diesem Wochenende, bis Mittwoch werden landesweit neue Juni-Hitzerekorde erwartet. Was noch Wetterlage und was schon Klimawandel ist, werden Fachleute einmal mehr diskutieren, wenn es kommende Woche Richtung 40 Grad geht. Fakt ist: Das tendenziell seit Jahren wärmere und windreichere Wetter sorgt von ganz allein dafür, dass mehr Ökostrom in die Netze fließt und dort Kohlestrom Stück für Stück verdrängt. So stieg laut Statistischem Bundesamt von Januar bis März der Grünstrom-Anteil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 35 auf 41 Prozent, der Anteil konventionell erzeugten Stroms sank entsprechend auf 59 Prozent. Dies bei insgesamt um 2,3 Prozent gesunkener Stromproduktion.

Zu Jahresbeginn war es vor allem der teils stürmische Wind, der die Erneuerbaren antrieb: die Stromproduktion stieg um 23 Prozent auf knapp 40 Terrawattstunden. Mit einem Anteil von 26,5 Prozent war die Windkraft zweitwichtigste Stromquelle und holte im Vergleich zur Kohle kräftig auf. Braun- und Steinkohle bleiben mit einem Marktanteil von 31,6 Prozent zwar die wichtigsten Energieträger, doch die Produktion von Kohlestrom sank um satte 20 Prozent. Im konventionellen Strommix legten Gaskraftwerke um 3,4 Prozent und Kernkraftwerke um 3,9 Prozent zu. Letzteres lag vor allem daran, dass im vergangenen Frühjahr viele Kernkraftwerke für Revisions- oder Reparaturarbeiten vorübergehend vom Netz gegangen waren, die nun wieder normal laufen. Die Kernkraftwerke fallen als Stromproduzenten aber ohnehin bald ganz weg, die letzten werden laut Atomkonsens 2022 abgeschaltet.

Erneuerbare Energien genießen Vorrang bei der Netzeinspeisung. An sonnigen und windigen Tagen muss deshalb die Erzeugung von konventionellem Strom gedrosselt werden, damit die Netze nicht überlastet werden. Umgekehrt braucht es mehr Kohlestrom, wenn Flaute herrscht und Wolken die Sonne verdecken. Zentrale Herausforderung der Energiewende sind deshalb bessere Netze und Speichermöglichkeiten für Ökostrom, die einen schnelleren Umstieg ermöglichen würden. Der Produktionsrückgang der Kohlekraftwerke lag zu Jahresbeginn aber nicht nur am Vorrang des Ökostroms, sondern auch an der Stilllegung von Kohleblöcken im Laufe der letzten Jahres.

Bis 2030 soll Ökostrom 65 Prozent ausmachen

Auch ohne steigt der Anteil Erneuerbarer Energien aber rasant und über Plan an. 2018 trugen erneuerbare Energien bereits 38 Prozent zur Stromerzeugung in Deutschland bei. In diesem Jahr dürfte die 40-Prozent-Marke geknackt werden. zumal das ja bereits in der kalten Jahreszeit geschehen ist. Ursprüngliche Zielmarke waren im Zuge der Energiewende 35 Prozent bis zum Jahr 2020. Als neues, ehrgeizigeres Ziel hat die schwarz-rote Bundesregierung einen Anteil von 65 Prozent Erneuerbarer Energien am Strommix bis 2030 ausgegeben.

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