Real-Verkauf

Aus Angst bitten 34.000 Real-Beschäftigte Kanzlerin um Hilfe

Mit Streikaktionen vor dere Düsseldorfer Real-Zentrale forderten die Beschäftigten im vergangenen Jahr den Verbleib der SB-Warenhauskette im Verdi-Tarifvertrag.

Mit Streikaktionen vor dere Düsseldorfer Real-Zentrale forderten die Beschäftigten im vergangenen Jahr den Verbleib der SB-Warenhauskette im Verdi-Tarifvertrag.

Foto: Morris Willner / Funke Foto Services

Düsseldorf.  Aus Sorge um ihre Jobs bitten die 34.000 Real-Beschäftigten nun auch Bundeskanzlerin Merkel um Hilfe. Sie haben ihr einen Brandbrief geschickt.

Mitten im schleppenden Poker um den Verkauf der angeschlagenen SB-Warenhauskette Real bitten die 34.000 Mitarbeiter jetzt die Bundesregierung um Hilfe. „Wir leiden unter Zukunftsängsten und wollen endlich wissen, wie es weiter geht“, schreiben sie in einem bewegenden Brief. „Unsere Familien leiden unter dem Druck der Ungewissheit, ob wir im Jahr 2020 unsere Arbeitsplätze noch haben werden oder nicht.“ Nun fordern die Beschäftigten die Bundesregierung auf, „ein Machtwort“ zu sprechen.

Seit mehr als einem Jahr versucht Metro-Chef Olaf Koch, die 277 Real-Filialen zu verkaufen. Inzwischen hat das Bundeskartellamt der Veräußerung der Kette an den Immobilien-Investor Redos zugestimmt. Doch Metro und Redos wollen nur einige Dutzend der Real-Märkte künftig selbst betreiben. Unprofitable Standorte sollen geschlossen, die restlichen an andere Unternehmen weitergegeben werden. Bislang hat aber nur der Handelsriese Edeka sein Interesse an einem Paket von 87 Real-Filialen beim Kartellamt angemeldet. Die wettbewerbsrechtliche Prüfung dürfte Wochen dauern.

Verdi warnt vor Verlust der Mitbestimmung beim Käufer Edeka

Scharfe Kritikam Kaufinteressenten Edeka kommt auch von der Gewerkschaft Verdi. „Die Ausgliederung an selbstständige Kaufleute der Edeka bedeutet zum Beispiel, dass die vorhandenen Mitbestimmungsstrukturen zerschlagen werden“, sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger unserer Redaktion. Verdi-Tarifverträge und die Vertretung der Beschäftigten durch Betriebsräte spielten beim Real-Verkauf offenbar überhaupt keine Rolle, so Nutzenberger.

In einem Brief, der unserer Redaktion vorliegt, warb Metro-Chef Koch vor einigen Tagen bei den Real-Beschäftigten um Verständnis. „Die Verhandlungen dauern an und sie sind sehr umfassend“, schreibt Koch. „Medienberichte, nach denen Real angeblich vor dem Aus steht, sind in der Machart unseriös und in der Sache schlicht falsch. Bitte lassen Sie sich davon nicht beunruhigen“, mahnt Koch. „Wir haben mehrfach betont, dass die Real-Mitarbeiter auch im neuen Unternehmen zu gleichbleibenden Konditionen weiterbeschäftigt werden sollen.“ Aber genau diese Zusage soll Wettbewerber wie Kaufland bislang abgehalten haben, die Übernahme von Real-Filialen keim Kartellamt anzumelden.

Real-Beschäftigte erwarten „wenigstens ein Zeichen den Solidarität“

In der Belegschaft wächst deshalb die Unruhe – nicht nur wegen ihrer unsicheren Zukunft. „Stress, Arbeitsverdichtung sowie Personalmangel machen uns alle krank“, schreiben sie und appellieren an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), „wenigstens ein Zeichen der Solidarität“ zu senden. „Sind wir Ihnen egal?“, fragen die Real-Mitarbeiter im Hinblick etwa auf Bundeshilfen nach der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook.

Enttäuscht zeigen sich die Arbeitnehmer auch von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der bei einem bundesweiten Streik vor knapp einem Jahr in Düsseldorf Solidarität mit den Real-Mitarbeitern demonstriert hatte. „Bis heute ist allerdings nichts Konkretes passiert“, kritisieren sie. Auf Anfrage wollte sich das Bundesarbeitsministerium zum Real-Verkauf nicht detailliert äußern. „Die Leitung unseres Hauses ist weiterhin in Gesprächen mit Vertretern der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Gewerkschaften und Arbeitgeber“, sagte eine Sprecherin lediglich.

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