Gelsenkirchen

Darum bleiben BP und Uniper im Streit um die Ölpellets hart

Uniper-Kraftwerksleiter Lars Wiese verteidigt die Verbrennung der Ölpellets im Kraftwerk Scholven.

Uniper-Kraftwerksleiter Lars Wiese verteidigt die Verbrennung der Ölpellets im Kraftwerk Scholven.

Foto: Matthias Graben

Gelsenkirchen.  Die umstrittenen Ruß-Ölpellets aus der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen werden weiter im Uniper-Kraftwerk verbrannt. Umweltschützer planen Protest.

BP und Uniper verbindet in Gelsenkirchen-Scholven eine lange Geschichte. Die Werke beider Unternehmen an diesem Standort stammen vom Revierkonzern Veba. Noch heute stehen gemeinsame Firmenschilder vor dem Verwaltungsgebäude in Nähe des Industriestandorts Scholven. Die BP-Raffinerie und das Uniper-Kohlekraftwerk liegen nicht zufällig nah beieinander. Auch die Wege für die umstrittenen Ruß-Ölpellets sind kurz. Tag für Tag bringt ein Traktor mit Anhänger das Material von BP zum Uniper-Gelände.

An dieser Praxis soll sich nach dem Willen der Unternehmen vorerst nichts ändern – trotz eines Appells des Gelsenkirchener Stadtrats. Lars Wiese, der für Uniper den Kraftwerksstandort leitet, lässt keinen Zweifel daran, dass er von dem seit Jahren eingeübten Vorgehen überzeugt ist. „Das Kraftwerk hat eine funktionierende Rauchgasreinigung“, sagt Wiese, der auch Ende November mit einem kurzärmligen Shirt in den Farben seines Arbeitgebers über das Gelände läuft. „Ob wir Ölpellets oder Kohle verbrennen, lässt sich bei den Messwerten am Kamin kaum feststellen.“

Sorgen um die Gesundheit

Zwar enthalten die Pellets die krebserregenden Schwermetalle Nickel und Vanadium, doch nach Angaben von Uniper werden alle Grenzwerte bei der Verbrennung eingehalten. Zu Sorgen von Anwohnern, die eine Gesundheitsgefährdung befürchten, sagt Wiese: „Wir halten einen Anstieg der Krebsraten durch den Pellet-Einsatz für wissenschaftlich nicht seriös belegbar.“ Uniper wirbt um Vertrauen. Künftig sollen die Emissionen des Kraftwerks nicht mehr nur einmal jährlich, sondern alle zwei Monate gemessen werden – zumindest zunächst für ein Jahr.

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) zeigt sich enttäuscht darüber, dass der Appell des Stadtrates nicht erhört wird. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Unternehmen der Forderung des Rates nachkommen“, sagt Baranowski.

Umweltschützer vor dem BP-Werksgelände

Er lobt zwar, dass Uniper für mehr Transparenz sorgen will, macht aber weiter Druck: „Hier sind Unsicherheiten entstanden und ich erwarte, dass die beteiligten Unternehmen, das Land und die Bezirksregierung die angekündigte und vom Rat der Stadt geforderte Überprüfung, ob von der streitigen Produktion Gefahren für die Menschen ausgehen, rasch klären.“

Dass der Streit um die Ölpellets weitergeht, ist absehbar. Schon an diesem Wochenende wollen sich Umweltschützer vom BUND und Grünen-Lokalpolitiker vor dem BP-Werksgelände bemerkbar machen – mit einem Info-Stand zum Thema: „Stopp der Ölpellets-Verbrennungen“.

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