E-Scooter im Revier

E-Scooter im Ruhrgebiet: die Anbieter, ihre Preise und Löhne

Elektroroller der Firma Lime auf dem Willy-Brandt-Platz in Essen.

Elektroroller der Firma Lime auf dem Willy-Brandt-Platz in Essen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Bisher verleihen drei Anbieter im Ruhrgebiet ihre E-Scooter. Wo sie sind, was sie kosten, wer die Roller sammelt – und was sie damit verdienen.

Sie stehen an so ziemlich jeder Ecke, oder sie liegen. Nach wenigen Wochen prägen die bunten, selbstfahrenden Roller, die E-Scooter, das Stadtbild in Herne, Essen, Bochum und Dortmund. Nach dem Start im Sommer läuft der Kampf um die Städte zwischen den bisher hier präsenten drei großen Anbietern nun richtig heiß. Fast jede Woche werden irgendwo im Ruhrgebiet neue Roller platziert, von den Berliner Start-ups Circ und Tier oder dem US-Anbieter Lime. Weil sie vor allem bei jungen Menschen extrem gut ankommen. Wer was kostet, wie er in welchen Städte präsent ist - ein erster Überblick für E-Scooter im Ruhrgebiet:

  • Die ersten E-Scooter rollten Anfang Juni durch Herne, zwei Wochen vor der bundesweiten Straßenzulassung für die elektrischen Tretroller. Trick waren Einzelzulassungen durch das Herner Straßenverkehrsamt für die ersten 50 Exemplare.
  • In Dortmund startete Circ ebenfalls als erster Anbieter. Vor wenigen Tagen kamen die weiß-grünen Roller von Lime hinzu.
  • In Bochum stellte Tier Mobility die ersten 100 E-Sccoter auf. Circ folgte mit 500 seiner schwarz-orangen Roller. Durch eine Partnerschaft mit der Verkehrsgesellschaft Bogestra können die Circ-Roller nicht nur über die Firmen-App, sondern auch über die Bogestra gebucht werden. Da inzwischen auch Lime 50 Roller aufgestellt hat, ist Bochum bisher die einzige Stadt im Ruhrgebiet, in der alle drei Verleiher gegeneinander antreten.
  • In Gelsenkirchen startet Circ im Oktober, wie das Unternehmen unserer Redaktion mitteilte.
  • In Essen ist Lime bisher einziger Partner der Stadt. Tier und Circ wollen noch folgen.

Die Preis sind ähnlich, aber nicht gleich: Circ, Lime und Tier nehmen jeweils einen Euro fürs Freischalten, das übers Handy mit Kreditkartennummer oder Paypal funktioniert. Für jede genutzte Minute werden 15 (Circ, Tier) bis 20 Cent (Lime) fällig. Macht immerhin 5,50 bis 7 Euro für eine halbe Stunde.

Wir haben alle drei Anbieter nach ihren weiteren Plänen fürs Ruhrgebiet gefragt. Die Antwort von Circ: „Natürlich ist das Ruhrgebiet allein schon wegen der rund fünf Millionen Einwohner ein interessanter Markt für uns.“ Circ startete in Herne und ist bisher im Revier am breitesten vertreten. Dabei soll es nicht bleiben: „Wir sind immer daran interessiert mit weiteren interessierten Städten zu sprechen.“ Lime betont, mit „allen bisherigen Starts im Ruhrgebiet „sehr zufrieden“ zu sein. Mit Essen, Bochum und Dortmund konzentriert sich Lime bisher auf die großen Revierstädte. Tier Mobility teilte lediglich mit, „weiter auf Expansionskurs“ zu sein.

Neu hinzu kommen könnte als erster Anbieter in Duisburg der schwedische Anbieter Voi, nach eigenen Angaben der größte Scooter-Verleiher in Europa. Er wolle bis Jahresende in bis zu 35 deutschen Städten vertreten sein, kündigte Deutschlandchef Claus Unterkircher unlängst an und ergänzte: „darunter natürlich auch Duisburg“. Wann genau, hänge von den Gesprächen mit der Stadt ab.

Wer sammelt die Roller ein und was zahlen die Anbieter?

Zum Prinzip des E-Scooter-Verleih gehört es, dass sie nicht an festen Plätzen abgestellt werden müssen. Die Apps lotsen die Kunden zum nächsten freien Scooter. Daher müssen – häufig freiberufliche – Mitarbeiter sie einsammeln und aufladen. Verdi kritisiert diese Anstellungsverhältnisse als neue „prekäre Arbeitsverhältnisse“ und spricht von einem neuen Niedriglohnsektor. Die Anbieter selbst machen sehr verschiedene Angaben.

Tier Mobility nennt seine Aufsammler „Ranger“ und gibt an, rund 25 solcher Ranger“ selbst zu beschäftigten – „vom Minijob bis zur Vollzeitstelle“. Etwa 250 weitere Ranger würden über einen Logistikpartner für Tier arbeiten, die Hermes-Tochter Liefery. „Die Ranger, die wir selbst anstellen, verdienen immer einen zweistelligen Stundensatz. Sie werden nicht pro Scooter bezahlt“, erklärt Tier. Liefery erklärte auf Anfrage, keine Freiberufler, sondern nur Angestellte mit dem Einsammeln zu betrauen, die eine Stundenvergütung erhielten.

„Juicer“, „Ranger“ oder Zeitarbeiter

Lime spricht von „Juicern“ und teilt mit, „das Laden und Aufstellen von Elektrorollern erfolgt vorrangig über unser Team und zudem über ein dezentrales Netzwerk von Juicern“, die damit „ihr Einkommen ergänzen“ könnten. Sie laden die Roller demnach zuhause. Bezahlt würden diese Freiberufler „nach der Anzahl der aufgeladenen Scooter und dem Ladezustand des jeweiligen Fahrzeugs“. Wie viel das pro Scooter etwa ist, teilte Lime nicht mit. In verschiedenen Berichten ist von vier bis 4,50 Euro je Scooter die Rede. Wartung und Reparaturen würden aber „ausschließlich vom Kernteam im Haus durchgeführt“, erklärt Lime.

Circ betont, „generell nicht mit sogenannten „Juicern“ zu arbeiten“. Das Unternehmen beschäftige nur „Fachkräfte - entweder direkt oder über Partner“, in der Regel Zeitarbeitsfirmen. Die Pflege der Roller sei „zu wichtig, um sie sogenannten Gig-Economy-Arbeitern oder Freiberuflern zu überlassen, die pro Fahrzeug bezahlt werden und Anreize für Eile haben“, heißt es bei Circ. Die Bezahlung liege sowohl bei Circ als auch bei den Zeitarbeitsfirmen „deutlich über Mindestlohn“. Kleine, lokale Teams würden in den jeweiligen Städten die E-Roller einsammeln und in ein zentrales Warenlager bringen, wo sie geladen, gewartet und neu verteilt würden.

In den Städten mehren sich die Beschwerden darüber, dass die Roller quer auf den Gehwegen stehen oder liegen. Oder dass Nutzer mit ihnen verbotenerweise auf dem Bürgersteig fahren, gern auch mal zu zweit, was ebenfalls nicht erlaubt ist. Regelmäßige Meldungen über Unfälle oder Trunkenfahrten kommen hinzu.

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