Geld

Sparkassen planen eine Finanzplattform für alles

Seit August können Sparkassen-Kunden mit einem Android-Smartphone bezahlen. Die App wurde 372.000 Mal heruntergeladen. I Foto:Fabian Sommer/dpaI

Seit August können Sparkassen-Kunden mit einem Android-Smartphone bezahlen. Die App wurde 372.000 Mal heruntergeladen. I Foto:Fabian Sommer/dpaI

Münster.   Sparkassen wollen mit intelligenter Internetfiliale punkten. Kunden in Westfalen-Lippe bauten vergangenes Jahr 4,5 Milliarden Euro Vermögen auf.

Wer die größte Onlinebank in Deutschland ist? Klare Sache, die Diba - oder? Jedenfalls bezeichnet sie sich als „Digitalbank Nr. 1“. Mit 2,5 Millionen Online-Konten. Die Sparkassen allerdings zählen 21 Millionen Online-Konten. Weshalb Jürgen Wannhoff, Vizepräsident des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, das Potenzial sieht, eine eigene Community im Internet zu bilden und das Girokonto zu einer Finanzplattform weiterzuentwickeln, auf der Kunden auch ihre Pay-TV- und Zeitungsabos verwalten oder ihre Steuererklärungen machen können.

Dieses Ziel einer Finanzplattform für private und gewerbliche Kunden kündigte Wannhoff am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Münster an. 2020/21 soll die intelligente, persönliche Internetfiliale Wirklichkeit sein. Und schon in diesem Jahr hofft man darauf, einen Kooperationspartner zu finden, um einen Spracherkennungs-Assistenten fürs Homebanking zu entwickeln. Amazon ist da mit Alexa wenig kooperationsbereit, berichtete Sparkassenverbands-Präsidentin Prof. Liane Buchholz. Hintergrund ist offenbar, dass Amazon selbst unter die Banken gehen will.

Immobilien die beliebteste Anlageform

Im Rückblick aufs Geschäftsjahr 2018 konnte Buchholz Wachstumszahlen für die 60 Sparkassen in Westfalen-Lippe verkünden: Die Bilanzsumme stieg um 2,6 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 134,6 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen stiegen um 2,9 Prozent auf 99 Milliarden Euro. Die Menschen bildeten so viel zusätzliches Vermögen wie nie zuvor: 4,5 Milliarden Euro – 17,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Jahresergebnis liegt mit 195 Millionen leicht über dem Vorjahr - was nicht gerade überragend ist. Aber den Banken macht wie den Kunden die Zinslage zu schaffen. Ob die sich ändern wird? „Irgendwann schon“, meint Wannhoff. Aber wie in der Vergangenheit werde es nie wieder werden, weil die Wirtschaft hierzulande kaum wieder Wachstumsraten von 4, 5 oder 6 Prozent erreichen werde. Deshalb bleiben Immobilien die beliebteste Anlageform. Und das werde wohl so bleiben, weil ein Drittel der 20- bis 50-Jährigen einen Immobilienerwerb plane. Eine Blasenentwicklung zeichne sich für Westfalen-Lippe dennoch nicht ab. „Vorsichtig werden sollten Investoren aber dann“, so Wannhoff, „wenn das Verhältnis von Kaufpreis zu Jahresnettomiete den Faktor 30 überschreitet“.

12 Filialen geschlossen

12 Sparkassen-Filialen wurden 2018 in Westfalen-Lippe geschlossen; im Vorjahr waren es 70. Das deutet darauf hin, „dass der Umbau dem Ende entgegengeht“, so der Vizepräsident. „Die Mehrheit unserer Kunden wünscht sich eine Sparkasse, die digital und persönlich für sie da ist.“ Die Zahl der Beschäftigten ging um 3,6 Prozent auf 23.859 zurück. Und Fusionen bleiben auf der Tagesordnung. Im vergangenen Jahr gingen unter anderem Soest und Werl sowie Siegen und Hilchenbach zusammen, im laufenden Jahr wollen Meschede, Finnentrop und Schmallenberg zusammengehen. „Die Region kann ein stärkeres Institut gebrauchen“, urteilt Buchholz.

Im vergangenen Jahr hat der Verband die ökonomische Bildung der Bevölkerung prüfen lassen. Ergebnis: Versetzung gefährdet. Deshalb begrüßte die Präsidentin die Pläne der Landesregierung, ökonomische Themen verstärkt in den Schulunterricht zu tragen, denn: „Finanzielle Bildung ist Verbraucherschutz in Reinform“, so Liane Buchholz. Der Lehrplan Wirtschaft müsse aber lebensnah gestaltet werden: Altersvorsorge und Steuererklärung seien wichtiger als Wirtschaftspolitik und -geschichte.

Weniger erfreulich sind die 40 Millionen Euro, die der Sparkassenverband Westfalen-Lippe zur Auffanglösung für die marode NordLB beiträgt. Aber Buchholz sah keine Alternative: „Der Reputationsverlust wäre sonst zu groß.“

Weiter sehen sich die Sparkassen als Partner des Mittelstandes: 63 Prozent der 300.000 Unternehmen in Westfalen-Lippe haben eine Geschäftsbeziehung zu den Sparkassen; die Hälfte aller Unternehmen haben die Sparkasse als Haupt-Bankverbindung. „Unser Mittelstand ist bärenstark“, erklärte Wannhoff. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote dieser Unternehmen liege bei 36,8 Prozent. Aber für die Zukunft gibt es Nachholbedarf, hat 2018 der Digitalisierungsindex ergeben: Von 10 möglichen Punkten erreichen die Unternehmen gerade 4.1. da ist viel zu tun. Aber auch die Infrastruktur müsse stimmen, also ein flächendeckendes Glasfasernetz und ein zügiger 5-G-Ausbau.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben