Studie

Erhöhte PCB-Werte im Blut von früheren Bergleuten ermittelt

Bei Blutproben ist eine höhere Belastung von PCB bei früheren Bergleuten ermittelt worden.

Bei Blutproben ist eine höhere Belastung von PCB bei früheren Bergleuten ermittelt worden.

Foto: Lars Heidrich

Essen.   Heikle Ergebnisse einer Studie für die RAG: Forscher der RWTH Aachen haben eine erhöhte Belastung mit PCB im Blut früherer Bergleute ermittelt.

Der Kontakt der Beschäftigten zu den einst alltäglich unter Tage eingesetzten PCB-haltigen ­Hydraulikölen liegt schon Jahrzehnte zurück – doch die Folgen sind noch heute erkennbar: Bei Blutuntersuchungen haben Wissenschaftler der RWTH Aachen eine erhöhte Belastung der Bergleute mit PCB festgestellt.

„Eine akute Gesundheitsgefährdung gemessen an heute gültigen Richtwerten liegt nicht vor“, betont Thomas Kraus vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uniklinik der RWTH Aachen (IASU), der mit seinem Team im Auftrag des Essener Bergbaukonzerns RAG ehemalige Beschäftigte untersucht hat. Die Ergebnisse seiner Studie lassen allerdings „auf eine länger zurückliegende erhöhte Belastung“ der untersuchten Bergleute mit PCB schließen“, wie Kraus in einer Pressekonferenz in der RAG-Zentrale auf dem Zollverein-Areal erklärte.

Schwer entflammbare Hydrauliköle eingesetzt

Nach einem Grubenunglück in Belgien in den 1950er Jahren wurden die deutschen Bergbaubetriebe angewiesen, schwer entflammbare Hydrauliköle einzusetzen, die zu dieser Zeit PCB enthielten. So wurden auch in den Zechen der RAG bis 1986 aus brandschutztechnischen Gründen unter Tage PCB-haltige Stoffe eingesetzt. Damals habe es noch keine Hinweise auf ihr Gefährdungspotenzial gegeben, betont das Unternehmen. Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind nach heutiger Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend.

An der von der RAG in Auftrag gegebenen Studie nahmen 210 Bergleute der Jahrgänge 1947 bis 1968 teil. Sie hatten als Elektrosteiger, Maschinenhauer oder Maschinensteiger unter Tage gearbeitet und in ihrer früheren Tätigkeit Kontakt zu PCB-haltigen Flüssigkeiten. Bei 96 der 210 Bergleute lasse sich bei Blutproben eine im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung erhöhte Belastung mit PCB nachweisen, berichtet Thomas Kraus. Die Belastung zeige sich unabhängig davon, auf welchem Bergwerk die untersuchten Bergleute tätig waren.

Medizinische Betreuung für Teilnehmer geplant

Teilnehmern der Studie unterbreitet die RAG nun das Angebot einer medizinischen Betreuung, um mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erkennen. Dabei werden spezielle Blutwerte und Organe untersucht, die bei PCB-bedingten Erkrankungen Veränderungen aufweisen können.

Barbara Schlüter, Vorsitzende des RAG-Gesamtbetriebsrats, sagt, dass die Studienteilnehmer mit Unterstützung des Unternehmens rechnen können, „um mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit auf ein Mindestmaß zu reduzieren“.

Ethikkommission eingeschaltet

Ob ein Zusammenhang zwischen einer in der Vergangenheit entstandenen PCB-Belastung von Bergleuten und in der Folgezeit eventuell auftretenden Erkrankungen bestehe, könne nur eine groß angelegte Nachfolgestudie mit mehreren Tausend Teilnehmern aufklären, erklärt Kraus. Er war bereits an Untersuchungen nach dem Umweltskandal rund um das Dortmunder Recyclingunternehmen Envio beteiligt.

Nach Einschätzung von RAG-Chef Peter Schrimpf zeigen die Studienergebnisse, „dass die Belastungen früher hoch waren und dass weitere Aufklärungsarbeit notwendig ist“.

Vor dem Auftrag für die Studie habe die RAG abgewogen, ob ein Erkenntnisgewinn durch die Studie höher wiege als eine mögliche Verunsicherung der früheren Bergleute. Eine Ethikkommission der RWTH Aachen sei zu dem Schluss gekommen, dass die Studie erstellt werden könne, sofern es auch ein Nachsorgeangebot für die Teilnehmer gebe.

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