Stahlkonzern

Fahrräder und weniger Kohle – Thyssenkrupp gibt sich grün

Forschungsministerin Anja Karliczek in einem Labor des Projekts „Carbon2Chem“ in Duisburg – begleitet von Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff.

Forschungsministerin Anja Karliczek in einem Labor des Projekts „Carbon2Chem“ in Duisburg – begleitet von Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Thyssenkrupp will Fahrräder herstellen und den Einsatz von Kohle verringern – der Stahlkonzern präsentiert sich von seiner grünen Seite.

Dass Thyssenkrupp künftig auch Fahrräder herstellen will, wirkt wie ein Symbol: Der Traditionskonzern gibt sich grün und kündigt verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel an. In Duisburg bekräftigte Vorstandschef Guido Kerkhoff im Beisein von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) das Ziel des Unternehmens, ab dem Jahr 2050 „klimaneutral wirtschaften“ zu wollen.

Insbesondere die Emissionen des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) bei der Stahlherstellung sollen massiv sinken, erklärte Kerkhoff. Thyssenkrupp verfolge dabei eine Doppelstrategie: Erstens will das Unternehmen verstärkt Wasserstoff in den Stahlwerken einsetzen, um die Kohle in den Hochöfen zu ersetzen. Zweitens strebt Thyssenkrupp an, Hüttengase aus der Stahlherstellung in chemische Grundstoffe zu verwandeln. Ein entsprechendes Verfahren erprobt Thyssenkrupp derzeit in Duisburg mit Partnern wie dem Chemiekonzern Evonik und der Fraunhofer-Gesellschaft in einem Projekt namens „Carbon2Chem“.

Kohlendioxid soll als Basis für Treibstoff oder Dünger dienen

Aus Kohlendioxid soll Methanol für die Treibstoffproduktion sowie Ammoniak als Basis für Kunstdünger entstehen. „Wir gehen davon aus, dass die Technologie noch vor 2030 großtechnisch verfügbar ist“, sagte Kerkhoff. Anlagen zur Umwandlung von CO2 seien in einer Vielzahl energieintensiver Industriebranchen einsetzbar – so etwa in der Chemieindustrie, bei der Kalkherstellung oder als Bestandteil von Müllverbrennungsanlagen. Weltweit gebe es zudem mehr als 50 Stahlwerke, auf die sich das Konzept aus Duisburg übertragen lasse. „Es besteht großes Interesse an der Technologie“, berichtete Thyssenkrupp-Manager Reinhold Achatz.

Das Bundesforschungsministerium unterstützt „Carbon2Chem“ mit mehr als 60 Millionen Euro. Nach Einschätzung von Anja Karliczek könnte sich „ein echter Exportschlager“ entwickeln. Die Stahlindustrie stehe Branchenangaben zufolge aktuell für sieben bis neun Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Das Ziel müsse sein, weltweit neue Technologien zum Klimaschutz einzusetzen, betonte die Ministerin.

Wasserstoff als Ersatz für Kohle im Hochofen

Bis zum Jahr 2030 will Thyssenkrupp die Emissionen aus eigener Produktion und eingekaufter Energie um rund 30 Prozent verringern. Derzeit fallen pro Jahr etwa 24 Millionen Tonnen Kohlendioxid an.

Momentan bereitet der Konzern den Einsatz von Wasserstoff in einem Hochofen am Standort Duisburg vor, um in späteren Jahren eine CO2-freie Stahlproduktion zu ermöglichen. „Wir starten im Herbst damit, Einblaskohle durch Wasserstoff zu ersetzen“, kündigte der neue Thyssenkrupp-Stahlchef Premal Desai an. Dabei soll der Betrieb der Anlage weitergehen. „Das ist eine Operation am offenen Herzen“, sagte Desai.

Kontakt hat Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff auch zur Klimaschutz-Bewegung Fridays For Future aufgenommen. Nachdem Fridays For Future Kritik an den Klimaschutzplänen des Konzerns geäußert und verstärkte Anstrengungen gefordert hatten, lud Kerkhoff einen Aktivisten ins Stahlwerk ein. „Wir werden uns hier treffen“, sagte Kerkhoff in Duisburg. Die Terminkoordination laufe.

Thyssenkrupp will auch Fahrräder aus Stahl herstellen

Am Rande der Veranstaltung mit Ministerin Karliczek präsentierte Thyssenkrupp auch ein Rennrad aus eigener Herstellung. Kerkhoff sprach von einem „extrem innovativen Produkt“. In aller Regel werden Fahrradrahmen derzeit aus Aluminium oder Kohlefaserlaminaten gefertigt. Thyssenkrupp wolle mit den Fahrrädern, die voraussichtlich nur in kleiner Stückzahl gefertigt werden, unter Beweis stellen, dass Stahl ein „Werkstoff der Zukunft“ sei, sagte Premal Desai. Den Verkauf will Thyssenkrupp in einigen Wochen über einen Internet-Shop starten.

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