Warenhäuser

Gehaltsverzicht: Verdi setzt Karstadt/Kaufhof unter Druck

Der Warenhauskonzern Galeria Kaufhof steht vor neuen Auseinandersetzungen – wie zuletzt in der Tarifrunde des Einzelhandels.

Der Warenhauskonzern Galeria Kaufhof steht vor neuen Auseinandersetzungen – wie zuletzt in der Tarifrunde des Einzelhandels.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Essen.  Karstadt/Kaufhof und Verdi steuern auf eine Auseinandersetzung zu. Für einen Sanierungstarifvertrag stellt die Gewerkschaft klare Bedingungen.

Die Gewerkschaft Verdi ist bereit, über einen Sanierungstarifvertrag für die Beschäftigten der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof zu verhandeln. Sie stellt dem Essener Unternehmen aber klare Bedingungen. Allen voran die verbindliche Rückkehr in den Flächentarifvertrag, der den Mitarbeitern unter anderem eine bessere Bezahlung garantiert. „Die Beschäftigen lassen sich nicht einfach die Pistole auf die Brust setzen. Und sie wollen wissen, dass sich ihre Investitionen in das Unternehmen auch auszahlen“, sagt der Verdi-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel, Orhan Akman.

Karstadt-Spitze verärgert Verdi nach erstem Tarif-Treffen Die Stimmung im fusionierten Warenhauskonzern ist angespannt. In der Kölner Zentrale, in den Kaufhof-Filialen und bei der Logistik sollen mehrere Hundert Arbeitsplätze wegfallen. Gleichzeitig will Unternehmenschef Stephan Fanderl die Gehälter angleichen. Karstadt-Mitarbeiter hatten in den vergangenen Jahren bereits auf Einkommen verzichtet, um die Kette aus der Krise zu führen. Sie verdienen im Schnitt rund elf Prozent weniger als ihre Kollegen beim Kaufhof.

Fanderl strebt an, die Entgelte möglichst schnell auf ein gemeinsames Niveau zu senken. Vor einigen Tagen teilte der Konzern Verdi mit, „ohne einen kurzfristigen Tarifabschluss“ drohe „automatisch eine rund elfprozentige Entgeltabsenkung für alle Mitarbeiter von Kaufhof“. Arbeitsdirektor Miguel Müllenbach hatte erklärt: „Einen solchen harten Einschnitt wollen wir aber vermeiden und stattdessen eine wirtschaftlich tragbare Angleichung mit Verdi vereinbaren.“

Dazu ist die Gewerkschaft bereit, hat aber eindeutige Erwartungen. „Eine dauerhafte Absenkung nach Ablauf eines Sanierungstarifvertrags oder einen ,Warenhaus-Tarifvertrag’ lehnen wir ab“, stellt Orhan Akman klar. Er fordert „eine gemeinsame tarifliche Lösung, die die Unternehmenssparten Kaufhof und Karstadt Warenhaus sowie Karstadt Sports und Feinkost erfasst“.

Verdi fordert Investition und Standortsicherheit

Die Tarifkommissionen, die am Dienstag tagten, haben aber auch klare Vorstellungen über die Geschäftspolitik. So müsse sich der Eigentümer von Galeria Karstadt Kaufhof zu „konkreten Investitionssummen“ verpflichten. „Das Management muss Beiträge zur Sanierung leisten. Die Fremdvergabe der Verkaufsflächen wird begrenzt“, fordern die Arbeitnehmervertreter.

Der Gewerkschaft schwebt überdies ein „Tarifvertrag Gute Arbeit“ vor. Er soll personelle Mindestbesetzungsquoten in den Filialen und Abteilungen formulieren, die „nicht zur Regelbesetzung werden“. Damit solle die reduzierte Belegschaft entlastet und die Zufriedenheit der Kunden verbessert werden. Und: Geht es nach den Tarifkommissionen, erhalten die Karstadt-Mitarbeiter nach Jahren des Verzichts „sofort eine deutliche Tarifsteigerung“ mit dem Ziel, den Abstand zum Flächenniveau zügig zu verringern. Für alle vier Unternehmenssparten fordern Verdi und die Tarifkommissionen zudem eine Standort- und Beschäftigungssicherung.

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