Wuppertaler Stadtwerke

Handelsplatz für regionalen Ökostrom wächst

In Wuppertal können Stromkunden bereits seit einem Jahr ihren Ökotarif mit Strom aus Anlagen der Region mixen, statt virtuell Wasserkraft aus Norwegen zu beziehen. Foto:Daniel Reinhardt

In Wuppertal können Stromkunden bereits seit einem Jahr ihren Ökotarif mit Strom aus Anlagen der Region mixen, statt virtuell Wasserkraft aus Norwegen zu beziehen. Foto:Daniel Reinhardt

Wuppertal/Essen.   Vor einem Jahr starteten die Wuppertaler Stadtwerke mit Talmarkt ein Angebot für Ökostrom von nebenan. Jetzt soll es bundesweit angeboten werden.

Den Strom vom Windrad in der Nachbarschaft beziehen. Das ist über die Ökostromplattform „Talmarkt“ bei den Wuppertaler Stadtwerken (WSW) seit einem Jahr möglich. Rund 300 Kunden mixen sich ihren Stromtarif über den Talmarkt direkt und nach Belieben aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft und sorgen dafür, dass Anlagen aus der Region ausgelastet werden. Jetzt soll die Idee weit über die Grenzen des Wupper-Tales hinaus wachsen. „Unser Ziel ist es, das Angebot bundesweit zu platzieren“, sagt Stadtwerke-Kommunikationschef Elmar Thyen im Vorfeld der dreitägigen Fachmesse E-World, die heute in Essen startet.

Chance für alte Windräder

Ab dem 1. April dieses Jahres sollen bei „Talmarkt 2.0“ dann auch Kunden im Ennepe-Ruhr-Kreis, Hagen oder Lüdenscheid mit intelligenten Stromzählern ausgestattet werden, um den Strom vom Windrad in der Nachbarschaft buchen, in Echtzeit abrechnen und zu günstigen Zeiten Strom beziehen zu können. Vorausgesetzt, der Betreiber der Anlage von nebenan vermarktet über die Plattform seinen Strom direkt an Endverbraucher. „Das Interesse an dem Thema ist riesengroß. Wir glauben, damit einen Nerv getroffen zu haben“, sagt WSW-Vertriebsleiter Andreas Brinkmann, und meint sowohl an Ökostrom aus der Region interessierte Kunden als auch Betreiber der Anlagen. Im Raum Wuppertal sind dies zur Zeit acht, vom Bürgerwindrad bis zur Biogasanlage, mit der Strom erzeugt wird. Um das Ziel zu erreichen, die Zahl der Talmarktkunden deutlich zu erhöhen und in die Fläche zu bringen, müssen noch viele weitere Betreiber mitmachen. Mit einigen ist sich die WSW offenbar bereits einig. Wenn ab 2020 die ersten EEG-Förderungen für Windräder und Photovoltaikanlagen auslaufen, könnte es einen echten Schub geben. Allein 5000 „Windmüller“ in Deutschland müssen dann überlegen, ob sie ihre Anlagen weiterbetreiben wollen. Eine Direktvermarktung über die von den Wuppertalern initiierte Plattform könnte dann gelegen kommen.

Um das Angebot tatsächlich bundesweit auszurollen, haben sich die WSW Partner gesucht und „Blockwerk“ gegründet. Die Stadtwerke aus Bremen (swb), Halle (EVH) und Trier (SWT) beteiligen sich an dieser Handelsplattform und bieten ihren Kunden die gleichen Möglichkeiten, wie es die Wuppertaler bereits seit dem 1. Januar 2018 tun. Das Ziel: 50.000 Kunden in den kommenden drei Jahren.

In Zukunft soll auch Strom vom Bürgerwindrad auf den Bergischen Höhen von Bremer Bürgern gebucht werden können – ebenso wie in Bad Berleburg oder Bayern. WSW sei gerade mit Österreichern im Gespräch über einen Einstieg bei der Plattform.

Blockchain-Technologie

Physisch kommt natürlich nach wie vor nicht der Strom vom Windrad nebenan auch aus der Steckdose beim Kunden. Aber über die Transaktionstechnologie „Blockchain“ wird sichergestellt, dass die beim regionalen Anbieter gekaufte Kilowattstunde Strom genau einmal von ihm ins Netz eingespeist wird. Nicht mehr und nicht weniger. Damit tatsächlich gesichert ist, dass tatsächlich die Menge regionaler Ökostrom abgerechnet wird, die der Talmarkt-Kunde bestellt hat, wird wie bei Internetwährungen (zum Beispiel Bitcoin) die Blockchain-Technologie als Transaktionstechnik eingesetzt, die Manipulationen verhindert.

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