Einzelhandel

Metro könnte Real-Supermärkte verschenken oder draufzahlen

Der Real-Mutterkonzern Metro verfolgt neben einem Komplettverkauf noch einen Plan B.

Der Real-Mutterkonzern Metro verfolgt neben einem Komplettverkauf noch einen Plan B.

Foto: Oliver Berg/dpa

Düsseldorf/Duisburg.   Planspiele zum Verkauf der Supermarktkette Real: Konzernmutter Metro könnte vom Komplettverkauf abrücken. Großaktionär Haniel mit roten Zahlen.

Neue Unruhe beim Handelsriesen Metro: Konzernchef Olaf Koch erwägt angeblich einen Strategieschwenk beim geplanten Verkauf der Supermarktkette Real mit rund 34.000 Beschäftigten. Bislang hat Koch einen Komplettverkauf der Kette mit 279 Standorten angestrebt. Das „Handelsblatt“ berichtet, nun komme auch ein getrennter Verkauf des Betriebs der Supermärkte sowie der Immobilien in Betracht.

Parallel zu Gesprächen mit Investoren über einen Gesamtverkauf von Real verhandle Metro mit dem Einkaufsverbund Markant darüber, nur den Betrieb abzugeben, berichten Insider. Denkbar sei, dass der Düsseldorfer Konzern sein Supermarktgeschäft nicht nur verschenkt, sondern auch noch Geld drauflegt: Der angestrebte Kaufpreis liege zwar bei 99 Millionen Euro, Metro würde vor dem Verkauf aber 300 Millionen an Kapital einbringen, heißt es in der Branche.

Betriebsrat befürchtet Zerschlagung von Real

Angesichts des Interesses von Immobilien-Investoren an der Supermarktkette warnt Real-Gesamtbetriebsratschef Werner Klockhaus vor einer Zerschlagung. Er setze auf einen Käufer aus der Handelsbranche, betont der Arbeitnehmervertreter.

Der nun bekannt gewordene Plan von Metro-Chef Koch, der in einem ersten Schritt eine Übernahme des Supermarktgeschäfts von Real durch einen Käufer aus der Branche vorsieht, soll angeblich eine Zerschlagung verhindern. In einem zweiten Schritt könnten dann Insidern zufolge die Immobilien verkauft werden – mit Auflagen zur Mietentwicklung.

Vertragsunterzeichnung rückt näher

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters verhandelt der Metro-Chef mit dem Immobilieninvestor X+Bricks sowie einem Konsortium der Redos-Gruppe, der auf Handelsimmobilien spezialisierten ECE und Morgan Stanley Real Estate. Das Konsortium um Redos habe sich nun aber aus dem Prozess verabschiedet, berichtet die „Börsen-Zeitung“. Unlängst ist bekannt worden, dass auch eine Investorengruppe rund um den Einkaufsverbund Markant ihre Fühler nach Real ausgestreckt habe, aber weniger biete als die Immobilien-Investoren. Koch strebt eine Vertragsunterzeichnung im Mai oder Juni an.

Die schwierige Situation der Metro hat auch der Duisburger Großaktionär Haniel zu spüren bekommen. Die Beteiligungen an den Handelskonzernen Metro und Ceconomy (Media Markt, Saturn) haben Haniel tief in die Verlustzone gerissen. Nach Wertberichtigungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro verbucht das Duisburger Familienunternehmen für das vergangene Geschäftsjahr eigenen Angaben zufolge einen Verlust nach Steuern von 848 Millionen Euro.

Metro-Großaktionär Haniel tief in den roten Zahlen

„Das war ein harter, aber nötiger Schritt“, sagt der scheidende Haniel-Chef Stephan Gemkow. Die Wertentwicklung von Metro und Ceconomy sei „enttäuschend“ gewesen. Gemkow setzt nun auf den Real-Verkauf und erhofft sich dadurch auch steigende Aktienkurse und eine damit verbundene höhere Bewertung des Mutterkonzerns Metro.

Im Frühjahr hat sich Haniel entschieden, den Ausstieg bei der Metro einzuleiten. 7,3 Prozent der Metro-Anteile haben die Duisburger bereits an eine Holding des tschechischen Braunkohle-Milliardärs Daniel Kretinsky veräußert – die restlichen 15,2 Prozent kann Kretinsky über eine Option erwerben. Damit würde sich der Metro-Gründungsgesellschafter Haniel nach mehr als 50 Jahren vom traditionsreichen Handelskonzern verabschieden.

Haniel will sich breiter aufstellen

Nach sieben Jahren an der Haniel-Spitze wird Gemkow sein Amt im Sommer abgeben – im Juli folgt ihm Haniel-Vorstandsmitglied Thomas Schmidt.

Abseits der Handels-Beteiligungen Metro und Ceconomy lief es für Haniel besser. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 4,68 Milliarden Euro, der operative Ertrag (Ebita) legte um 19 Prozent auf 301 Millionen Euro zu. Zum Duisburger Unternehmen gehören unter anderem die Rohstoff-Recyclingfirma ELG, der Versandhändler Takkt, der Hygiene-Spezialist CWS-boco sowie der Verpackungsmaschinen-Hersteller Rovema. Haniel will in Zukunft die Abhängigkeit von einzelnen Branchen deutlich verringern und strebt nach dem Abschied vom Handelskonzern Metro weitere Zukäufe an.

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