Kohlekraftwerk

Ölpellet-Grenzwert überschritten – Uniper und BP unter Druck

Im Uniper-Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen-Scholven werden nach wie vor die umstrittenen Ruß-Ölpellets aus der BP-Raffinerie verbrannt.

Im Uniper-Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen-Scholven werden nach wie vor die umstrittenen Ruß-Ölpellets aus der BP-Raffinerie verbrannt.

Foto: Hans Blossey

Gelsenkirchen/Düsseldorf.   BP und Uniper in der Kritik: Bei den Ölpellets aus der BP-Fabrik in Gelsenkirchen wurden in der Vergangenheit Vanadium-Grenzwerte überschritten.

Bei den umstrittenen Ruß-Ölpellets aus der BP-Raffinerie in Gelsenkirchen, die nach wie vor im benachbarten Uniper-Kohlekraftwerk Scholven verbrannt werden, hat es in der Vergangenheit Überschreitungen der zulässigen Werte für das krebserregende Schwermetall Vanadium gegeben. Das geht aus einer Antwort der NRW-Landesregierung auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Michael Hübner hervor.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) teilte mit, nach Auskunft der Bezirksregierung Münster seien in den Jahren 2011 und 2014 zu hohe Vanadium-Werte festgestellt worden. Im jüngeren Fall habe sich der Kraftwerksbetreiber „unverzüglich“ bei der Bezirksregierung gemeldet und die Annahme der Ölpellets unterbrochen, erklärte Heinen-Esser. Danach habe es Veränderungen in der Raffinerie gegeben, um die Vanadium-Grenzwerte einzuhalten.

Uniper verweist auf stärkere Kontrollen

Bereits 2011 gab es Auffälligkeiten am Standort Scholven. Als Konsequenz sei eine „verstärkte Eigenüberwachung“ durch den Kraftwerksbetreiber vereinbart worden. Wie häufig die Pellets – ein Gemisch aus Ruß und Schweröl – in den betroffenen Jahren überprüft worden sind, geht aus dem Schreiben der NRW-Landesregierung nicht hervor. Zwischen Januar 2017 und Oktober 2018 hat es nach Angaben der Ministerin eine Überprüfung „aller täglichen Einsatzmengen“ gegeben – ohne Überschreitungen bei den Schwermetallen Vanadium oder Nickel. Uniper betonte: „Die nun etablierten umfangreichen Kontrollen sprechen dafür, dass sich diese Abweichungen nicht wiederholen.“

Die Schwermetall-Werte der Ölpellets aus den Jahren 2011 und 2014 sind brisant. In einem Bericht über BP und Uniper hatte der WDR unlängst darauf hingewiesen, dass die Stadt Gelsenkirchen seit Jahren an der Spitze der Krebsstatistik des Landes NRW liegt. Zitiert wurde auch der Kieler Umwelttoxikologe Hermann Kruse, der warnte, durch die Verbrennung der Ölpellets werde das Krebsrisiko in der Region erhöht.

„Nach wie vor machen sich viele Bürger große Sorgen“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Hübner unserer Redaktion. „Auch ich werde von Menschen aus der Region angesprochen, die sich bei Krebserkrankungen die Frage stellen, ob die Nähe zum Industriestandort eine Rolle spielen könnte. Meiner Meinung nach tun BP und Uniper zu wenig, um die Zweifel zu zerstreuen.“

Diskussion über Anstieg der Krebsraten

Trotz eines Appells des Stadtrats von Gelsenkirchen hatten BP und die einstige Eon-Tochter Uniper Ende 2018 entschieden, die umstrittenen Ölpellets weiterhin herzustellen und im Kohlekraftwerk einzusetzen. Uniper-Kraftwerksleiter Lars Wiese verteidigte das Vorgehen. „Ob wir Ölpellets oder Kohle verbrennen, lässt sich bei den Messwerten am Kamin kaum feststellen“, sagte er. „Wir halten einen Anstieg der Krebsraten durch den Pellet-Einsatz für wissenschaftlich nicht seriös belegbar.“

Nach Einschätzung von Hübner gibt es zu Recht Zweifel an den Ölpellets. Dass in den vergangenen Jahren der Grenzwert für das krebserregende Schwermetall Vanadium überschritten worden sei, „lässt aufhorchen“, sagte der Gladbecker SPD-Abgeordnete.

Ölpellets aus Gelsenkirchen, die nicht im Kraftwerk verbrannt wurden, sind zwischen 2010 und 2013 illegal in einer Tongrube bei Schermbeck und Hünxe entsorgt worden. In Dokumenten des NRW-Umweltministeriums ist von rund 30.000 Tonnen die Rede.

„BP ist in der Verantwortung“

„Für die illegale Entsorgung der Ölpellets aus der Raffinerie in Scholven ist BP in der Verantwortung“, sagte Hübner. „Insofern muss der Konzern das auch wieder in Ordnung bringen. Wenn nötig, sollte BP auch auf eigene Kosten dafür sorgen, das giftige Material aus der Raffinerie wieder aus der alten Tongrube zu entfernen.“ In einem Mitte vergangenen Jahres veröffentlichten Bericht der Bundesregierung heißt es, nach Schätzungen der zuständigen Umweltbehörde betragen die Kosten für eine sogenannte Auskofferung etwa 540 Millionen Euro.

BP betonte, von der Deponierung der Ölpellets durch beauftragte Betriebe habe der Konzern keine Kenntnis gehabt. „Es kann doch nicht ausreichen, zum Teil giftiges Material aus der Raffinerie einfach an einen Dritten zu geben, ohne groß nachzufragen“, kritisierte SPD-Fraktionsvize Hübner. „So einfach darf es sich ein Weltkonzern nicht machen.“

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