Gaspreise

Preisschock: Eon nimmt vorerst keine neuen Gaskunden mehr

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Turbulenzen auf dem Gasmarkt

Turbulenzen auf dem Gasmarkt

Steigende Preise haben dafür gesorgt, dass Eon und EnBW ihre Werbung von Neukunden ausgesetzt haben. Was Verbraucher jetzt wissen müssen.

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Essen.  Explodierende Preise: Eon und EnBW setzen Werbung von Neukunden aus. Laufzeiten und Preisgarantien kürzer. Grüne wittern Erpressung aus Russland.

Deutschlands größter Energieversorger Eon hat sein Gasgeschäft für Neukunden vorläufig ausgesetzt. Zu diesem drastischen Schritt entschloss sich der Essener Dax-Konzern aufgrund der aktuellen Marktturbulenzen mit und dadurch in Schwierigkeiten geratenden Billigkonkurrenten.

So stellte vor drei Wochen die und kündigte sämtliche Verträge. Diese muss dann jeweils der Grundversorger übernehmen, das sind meist die Stadtwerke, vor allem in NRW, Niedersachsen und Bayern übernimmt vielerorts aber auch Eon die Grundversorgung.

Eon: Für Bestandskunden ändert sich nichts

Ein Eon-Sprecher betonte, für die Bestandskunden ändere sich nichts, ihre Belieferung sei gesichert. „Lediglich unsere Neukundenprodukte überarbeiten wir aktuell, da wir die stark gestiegenen Beschaffungskosten in unserer Preisstellung berücksichtigen müssen.“ Die bisherigen Neukunden-Angebote rechnen sich offenkundig nicht mehr, Eon kündigte an, neue Produkte erstellen zu wollen, mit denen der Konzern möglichst bald wieder an den Markt gehen will.

Auch EnBW, die deutsche Nummer zwei unter den Energieversorgern, wirbt derzeit nicht mehr aktiv um Neukunden, sondern bat die großen Vergleichsportale, keine EnBW-Gasverträge mehr zu vermitteln. Ganz eingestellt hat der baden-württembergische Versorger sein Neukundengeschäft aber nicht.

Preise an den Spotmärkten haben sich verdreifacht

Alle Anbieter haben derzeit Probleme, Gas zu zivilen Preisen einzukaufen. Leere Speicher und steigende Nachfrage haben in der vergangen Monaten die Tagespreise an den Spotmärkten in etwa verdreifacht. Die Versorger sichern sich gegen solche Spitzen durch langfristige Lieferverträge über zwei Jahre und mehr ab. Eng wird es in solchen Phasen für Anbieter, die für ihre Bestands- und zu erwartenden Neukunden nicht genügend Gasmengen gesichert haben und an den Spotmärkten zukaufen müssen. Das gab auch Energiepool als Grund für den Rückzug aus dem Endkundengeschäft an.

Wer künftig einen neuen Gas-Liefervertrag abschließen muss, sollte sich daher nicht nur auf steigende Preise, sondern auch auf flexiblere Anpassungsklauseln einstellen. Neukunden lange Preisgarantien zu geben, wird angesichts der turbulenten Märkte immer schwieriger. Bisher ist dies aber ein verbreitetes Lockmittel – auch, um in den Vergleichsportalen oben zu stehen. Aktuell bieten die Versorger etwa bei Check 24 und Verivox Neukunden deutlich kürzere Vertragslaufzeiten von teils nur einem Monat an. Auch die Preisgarantien sind teils nur noch eingeschränkt oder gelten ebenfalls deutlich kürzer.

„Wir sehen eine hohe Preisdynamik, alle Anbieter kalkulieren neu, wir erhalten täglich Anpassungen“, sagte Verivox-Gasexperte Lundquist Neubauer unserer Zeitung. Und: „Einige Anbieter haben uns auch gebeten, ihre Tarife vom Portal runter zu nehmen.“ Sowohl in der Grundversorgung als auch im Neukundengeschäft beobachtet er seit Monaten steigende Verbraucherpreise, geht aber von einer Beruhigung der aktuell sehr angespannten Lage aus.

Grüne wittern russische Erpressung für Nord Stream 2

Vielleicht ja, wenn die vor kurzem fertig gebaute Ostseepipeline Nordstream 2, für die noch einige Genehmigungen fehlen, ans Netz geht. Politiker vor allem der Grünen wittern politisches Kalkül aus Russland hinter der preistreibenden Gasknappheit: Gazprom hatte zuletzt seine Lieferungen nach Westeuropa stark gedrosselt. Grünen-Energieexperte Oliver Krischer sieht darin einen Erpressungsversuch des Kreml und seines Staatskonzerns: „Es sieht so aus, dass Wladimir Putin Deutschland gerade vor eine Entscheidung stellt: Sofortige Inbetriebnahme der Erdgaspipeline Nord Stream 2 oder hohe Energiepreise kombiniert mit möglichen Versorgungsproblemen im Winter“, sagte Krischer unserer Zeitung.

Normalerweise reichten die bestehenden Erdgas-Pipelines und volle Speicher aus, um Deutschland sicher über den Winter zu bekommen. Doch vor allem die Gazprom-Speicher sind derzeit so leer wie seit vielen Jahren nicht. Von drei Pipelines liefere aktuell nur eine zu 100 Prozent aus Russland, so Krischer. Über die polnische Pipeline komme „nur noch ein Rinnsal, und über die Ukraine wird nur noch die Hälfte geliefert wie in Vorjahren“, so der Grünen-Politiker. Parteichefin Annalena Baerbock ist gegen die Inbetriebnahme der umstrittenen Gasleitung.

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