Innovationen

Technologiescout hilft Unternehmen ohne Forschungsabteilung

Technologiescout Andreas Becker (links) und der junge Firmenchef Robin Hellwinkel (mit Waffelgussplatte), der sich von der FH Südwestfalen zur Optimierung der Betriebsabläufe beraten lässt.

Technologiescout Andreas Becker (links) und der junge Firmenchef Robin Hellwinkel (mit Waffelgussplatte), der sich von der FH Südwestfalen zur Optimierung der Betriebsabläufe beraten lässt.

Foto: Ulrich Hufnagel

Hemer.   Zwei Technologiescouts helfen seit einigen Jahren kleinen Unternehmen, indem sie Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringen. Beispiel: Neumärker

Andreas Becker war 15 Jahre lang selbstständig mit einem Unternehmen für Werkzeugbau. Heute baut der Ingenieur als Technologiescout Brücken zwischen Theorie und Praxis, Hochschulen und insbesondere kleineren Unternehmen in der Region, die sich keine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung leisten können. Um konkurrenzfähig zu bleiben, brauchen auch sie Innovation. „Es sind oft Firmen in der vierten oder fünften Generation, die einfach einen neutralen Blick von draußen benötigen“, sagt Becker.

Über 160 erfolgreiche Projekte

Zusammen mit dem Ingenieur Hans-Joachim Hagebölling bildet Becker ein Duo. Sie sind die „Technolgiescouts“ und haben in den letzten Jahren über 160 Projekte bei kleineren und mittelgroßen Unternehmen in der Region zwischen Ennepe-Ruhr-Kreis und Hellweg angestoßen – wie bei der Firma Neumärker in Hemer.

Das Familienunternehmen hat Tradition, feiert in diesem Jahr 125-jähriges Bestehen. Und es ist seit jeher innovativ bei der Entwicklung neuer Produkte. „Wir waren Anfang des 20. Jahrhunderts einer der ersten Hersteller von elektrischen Waffeleisen weltweit“, sagt Robin Hellwinkel. Der 29-Jährige ist zusammen mit seiner Mutter Inhaber des Betriebes, der vor einhundert Jahren schon einmal rund eintausend Beschäftigte an zehn Standorten in Europa zählte.

Heute gibt es nur noch den einen Betrieb in Hemer mit 40 Beschäftigten, den Robin Hellwinkel bereits seit sechs Jahren leitet. Neumärker produziert und vertreibt eine ganze Reihe verschiedener Geräte wie Hot-Dog-Maschinen, Kontaktgrills und nicht zuletzt eben Waffeleisen. Alles in schwerer Profiqualität und auch nach individuellen Anforderungen der Kunden gestaltet. Eine brandneue automatische Maschine fräst in Hochgeschwindigkeit Alugussplatten aus dem vollen Block und mit jedem beliebigen Waffelmuster, beispielsweise einem Firmenlogo oder für Waffellollis. „Entscheidend ist heute nicht mehr der Preis, sondern an erster Stelle die Lieferzeit“, sagt der junge Firmenchef. Und genau hier lag sein Problem, für das er sich Hilfe bei den Talentscouts gesucht hat.

Der Standort in Hemer, an dem früher auch eine eigene Eisengießerei untergebracht war, ist in den letzten Jahrzehnten hier und da um ein kleine Halle erweitert worden. Zwischenzeitlich wurde ein Teil des Geländes untervermietet. Es fehlte ein Betriebsablauf aus einem Guss. Die Abläufe von der Anlieferung über die Produktion bis zur Endmontage und dem Versand mussten dringend optimiert werden. „Anfangs war es für mich schwierig, Ratschläge von außen anzunehmen“, sagt Hellwinkel rückblickend.

Vertrauen ist Voraussetzung

Ein Teil des Jobs der Talentscouts ist es, Vertrauen zwischen Betrieb und dem helfenden Partner herzustellen, etwa einem Hochschulprofessor. „Das Menschliche spielt eine große Rolle“, lautet die Erfahrung des Ingenieurs Becker. Wie Hagebölling ist er eng vernetzt mit der Fachhochschule Südwestfalen und der Hochschule Hamm-Lippstadt sowie den vielen Technologieeinrichtungen in der Region.

Im Falle Neumärker fiel die Wahl auf den Lehrstuhl von Professor Paul Gronau am FH-Standort Meschede, Forschungsschwerpunkt Logistikplanspieleinsatz im Mittelstand. Seine Studierenden entwickelten ein auf Neumärker zugeschnittenes Logistik-Planspiel mit verschiedenen Varianten. „Das Unternehmen sucht sich dann die Priorität eins heraus“, erklärt Becker. Im Falle Neumärker werden mit Hilfe der Fachhochschüler die Betriebsabläufe neu geordnet, eine komplett neue Endmontage eingerichtet, um an Geschwindigkeit zu gewinnen und Lieferzeiten zu verkürzen.

„Bis heute bringt die Umstellung noch keinen finanzieller Vorteil, aber langfristig ist es eine gute Investition. Wir können den Standort erhalten und wettbewerbsfähig produzieren“, sagt Robin Hellwinkel. Für sein Unternehmen hat sich der Einsatz der Technologiescouts offenbar gelohnt. „Wir haben viele Firmen, die nach dem ersten Kontakt mit einer der Hochschulen heute bereits das dritte oder vierte Projekt machen“, sagt Becker. Die Beratung und Begleitung kostet das Unternehmen nichts.

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