Kohleausstieg

Uniper beklagt Unsicherheit um Steinkohlekraftwerk Datteln

Das Uniper-Steinkohlekraftwerk Datteln könnte zu einer Investitionsruine werden.

Das Uniper-Steinkohlekraftwerk Datteln könnte zu einer Investitionsruine werden.

Foto: Hans Blossey

Düsseldorf.   Der Energiekonzern Uniper steht vor schwierigen Verhandlungen mit der Bundesregierung. Milliardenprojekt Datteln könnte Investitionsruine werden.

Die Arbeiten am Steinkohlekraftwerk Datteln laufen. Jeden Tag seien etwa 500 Menschen auf der Baustelle, damit die Anlage im Sommer nächsten Jahres ans Netz gehen kann, berichtet Uniper-Vorstandsmitglied Eckhardt Rümmler bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in Düsseldorf. 1,5 Milliarden Euro habe Uniper bislang schon in das Großprojekt gesteckt – und jeder Tag koste weiteres Geld.

Zugleich wächst die Unsicherheit. „Seit sechs Wochen bekommen wir zunehmend Anfragen von Dienstleistern, Kunden oder auch Investoren, ob wir denn bei Datteln weitermachen und ob dies überhaupt noch Sinn mache“, erzählt Rümmler. Denn die von der Bundesregierung beauftragte Kohlekommission hat empfohlen, „im Bau befindliche Kraftwerke“ gar nicht erst anzuschalten. Diese Formulierung sei offensichtlich auf Datteln gemünzt, heißt es bei Uniper. Eckhardt Rümmler dringt auf rasche Verhandlungen mit der Bundesregierung über eine mögliche Entschädigung für den Fall, dass die Anlage in Datteln zu einer Investitionsruine wird.

„Aus energie- und klimapolitischer Sicht absurd“

Bei den Beschäftigten an den Uniper-Kraftwerksstandorten, darunter Gelsenkirchen-Scholven, gebe es viele Fragen. „Die Mitarbeiter haben ein Recht darauf zu erfahren, wie lange sie ihren Arbeitsplatz dem politischen Willen nach haben werden“, sagt Rümmler. Er erwarte Gespräche mit der Bundesregierung „in den nächsten Wochen“.

Ziel von Uniper bleibe, das Kraftwerk in Datteln in Betrieb zu nehmen. Nach Ansicht von Uniper wäre es „aus energie- und klimapolitischer Sicht absurd“, mit Datteln „das modernste Kraftwerk nicht ans Netz zu bringen und dafür alte und deutlich stärker CO2-ausstoßende Kraftwerke weiter zu betreiben“.

Geplant worden ist das Kraftwerk Datteln vom Uniper-Vorgänger Eon, als vom Ende der Kohleverstromung in Deutschland noch kaum die Rede war. Eigentlich sollte die Anlage mit einer Leistung von etwa 1100 Megawatt schon im Jahr 2011 in Betrieb gehen, um die Züge der Deutschen Bahn mit Energie sowie Haushalte mit Strom und Wärme zu versorgen. Doch eine Reihe von Pannen bescherte Uniper Verzögerungen. Im Mai vergangenen Jahres musste der Konzern von Schäden an der Kesselanlage berichten. Derzeit laufen Reparaturarbeiten, die Kesselwände sollen ausgetauscht werden.

Verhandlungen mit RWE vor Gericht

Uniper hat für Datteln zwar lang laufende Verträge mit dem Essener Energiekonzern RWE und der Bahn, die den größten Teil der Produktion abnehmen sollen. RWE will aber aus dem Vertrag aussteigen und streitet mit Uniper daher vor Gericht. Die erste Runde vor dem Landgericht Essen hat Uniper gewonnen, am Donnerstag beginnt vor dem Oberlandesgericht in Hamm die Berufungsverhandlung. Auch der Bahn wird ein gesunkenes Interesse an Kohlestrom aus Datteln nachgesagt.

Uniper-Vorstandsmitglied Rümmler sagt, er sei sich nicht sicher, „ob die Bundesregierung an das Thema Datteln herangehen und damit der Empfehlung der Kommission folgen“ wolle, zugleich verwies er auf die „gewaltigen Investitionen“, die vom Staat kompensiert werden müssten.

Erneut Jahresverlust in der Konzernbilanz

Am Uniper-Standort Gelsenkirchen-Scholven laufen derweil die Vorbereitungen für den Bau eines Gaskraftwerks. Ein „fixes Datum“ für eine Stilllegung der dort bestehenden Kohleblöcke gebe es indes noch nicht, berichtet Rümmler. Unter anderem durch Verträge zur Verbrennung der in der benachbarten Raffinerie produzierten, umstrittenen Ölpellets gibt es eine enge Verbindung zum Mineralölkonzern BP.

Die ehemalige Eon-Tochter Uniper, die derzeit knapp 12.000 Mitarbeiter beschäftigt und im September 2016 an die Börse gegangen ist, verbuchte im zurückliegenden Geschäftsjahr zum dritten Mal in Folge einen Fehlbetrag in der Bilanz. Nach rund 3,2 Milliarden Euro und 538 Millionen Euro in den beiden Vorjahren lag der Verlust diesmal bei 492 Millionen Euro. Die Dividende für die Aktionäre soll indes von 74 Cent auf 90 Cent je Aktie steigen.

Verhandlungen mit Großaktionär Fortum „ohne Tabus“

Uniper-Finanzchef Christopher Delbrück und der an Krebs erkrankte Vorstandschef Klaus Schäfer hatten vor wenigen Monaten ihren Rückzug angekündigt und damit auf Unstimmigkeiten mit dem finnischen Großaktionär Fortum reagiert. „Damit möchten wir einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Fortum und Uniper den Weg ebnen“, sagt Delbrück. Für ihn ist es die letzte Jahresbilanz bei Uniper gewesen. Der finnische Energiekonzern Fortum hält fast die Hälfte der Uniper-Aktien.

Derzeit laufen Verhandlungen beider Unternehmen zum künftigen Verhältnis und einer möglichen Kooperation. „Zugegeben: Jeder von uns hat eine andere Vorstellung davon, wie die Beziehung aussehen könnte“, sagt Uniper-Manager Rümmler, der mit am Verhandlungstisch sitzt. Es solle „ohne Tabus“ diskutiert werden: „Wir starten mit einem weißen Blatt Papier.“

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