Studie

Viele frühere Bergleute stärker mit Umweltgift PCB belastet

Bei der Untersuchung von Blutproben ist die verstärkte PCB-Belastung der Bergleute nachgewiesen worden.

Bei der Untersuchung von Blutproben ist die verstärkte PCB-Belastung der Bergleute nachgewiesen worden.

Foto: Thomas Gödde

Essen.   Viele Bergleute sind einer Studie zufolge besonders stark mit dem Umweltgift PCB belastet. Die RAG will sich nun um die Betroffenen kümmern.

Wissenschaftler der RWTH Aachen haben bei Blutuntersuchungen eine erhöhte Belastung von ehemaligen Bergleuten mit dem als krebserregend geltenden PCB festgestellt. Die Ergebnisse der Studie lassen „auf eine länger zurückliegende erhöhte Belastung“ der untersuchten Bergleute mit PCB schließen“, sagte Professor Thomas Kraus, der Leiter des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uniklinik der RWTH Aachen (IASU).

„Eine akute Gesundheitsgefährdung gemessen an heute gültigen Richtwerten liegt nicht vor“, betonte Kraus in einer Pressekonferenz in der RAG-Zentrale auf dem Essener Zollverein-Gelände. Die Belastung zeige sich unabhängig davon, auf welchem Bergwerk die untersuchten Bergleute tätig waren. Der ehemalige Zechenbetreiber RAG hatte die Pilotstudie zu PCB-Belastungen von Bergleuten initiiert. Ausgangspunkt war die Frage, ob eine lange zurückliegende Belastung im Blut – resultierend aus dem Einsatz von PCB-haltigen Flüssigkeiten im Bergbau bis in die 1980er Jahre – ermittelt werden kann.

Bei 96 der 210 Bergleute erhöhte Werte

An der Pilotstudie nahmen nach Angaben der RAG 210 Bergleute der Jahrgänge 1947 bis 1968 teil. Sie hatten als Elektrosteiger, Maschinenhauer oder Maschinensteiger unter Tage gearbeitet und in ihrer früheren Tätigkeit Kontakt zu PCB-haltigen Flüssigkeiten. Bei 96 der 210 Bergleute lasse sich bei Blutproben eine im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung erhöhte Belastung mit PCB nachweisen, berichtete Thomas Kraus.

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend. Ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten PCB-Belastung und eventuellen Folgeerkrankungen lasse sich aus der Studie nicht ableiten, sagte der Wissenschaftler.

RAG-Chef sieht „hohe Belastungen“ in Vergangenheit

Nach Einschätzung von RAG-Chef Peter Schrimpf zeigen die Studienergebnisse, „dass die Belastungen früher hoch waren und dass weitere Aufklärungsarbeit notwendig ist“. Im Steinkohlenbergbau in NRW wurden PCB-haltige Stoffe von den 60er Jahren bis Mitte der 80er aus brandschutztechnischen Gründen unter Tage eingesetzt. Damals habe es noch keine Hinweise auf ihr Gefährdungspotenzial gegeben, betonte die RAG.

Barbara Schlüter, Vorsitzende des RAG-Gesamtbetriebsrats, sagte, dass die Studienteilnehmer mit Unterstützung des Unternehmens rechnen können, „um mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit auf ein Mindestmaß zu reduzieren“.

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