Müllvermeidung

Weniger Plastikmüll: Shampoo bei Aldi bald ohne Flasche?

Marilu Valente von Cyclic Design hat eine wiederbefüllbare Shampoo-Flasche entwickelt.

Marilu Valente von Cyclic Design hat eine wiederbefüllbare Shampoo-Flasche entwickelt.

Foto: Julia Tillmann / Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen/Mülheim.  Aldi will weniger Plastikmüll produzieren. Ideen holt sich der Discounter von Start-ups: Shampoo ohne Flasche und essbare Trinkhalme.

Die umstrittene Folie um die Schlangengurken haben Aldi Nord und Aldi Süd in diesem Frühjahr abgeschafft. Damit sparen die Discounter aus Essen und Mülheim nach eigenen Angaben rund 120 Tonnen Kunststoff. Doch die beiden Unternehmen haben sich wie die gesamte Lebensmittel-Branche noch ehrgeizigere Ziele gesetzt. Bis zum Jahr 2022 will Aldi ausschließlich Verpackungen einsetzen, die zu 100 Prozent recycelbar sind. Um die Quote zu erreichen, greift Aldi auf Ideen und Technologien junger Unternehmensgründer zurück.

Wenn sich die Start-up-Szene zum „Pitch“ trifft, dann muss nicht nur die Geschäftsidee passen. Um sich zu präsentieren, brauchen die jungen Unternehmen auch eine coole Umgebung. Die hat Aldi Süd zu bieten. Der Discounter öffnet am Mittwoch sein Logistikzentrum gleich an der Unternehmenszentrale in Mülheim. Zwischen Gabelstaplern und einer Wand aus Europaletten zeigen sieben Start-ups ihre Konzepte, wie Verpackungsmüll vermieden oder zumindest zu größeren Teilen wiederverwertet werden kann. Die drei besten sollen dann eine 20 Wochen dauernde Förderung durch die Start-up-Initiative Tech Founders erhalten, der Aldi Nord und Aldi Süd jüngst als Partner beigetreten sind.

Mehr als 80 Start-ups hatten sich beworben

„Wir wollen bei der Entwicklung vorangehen. Deshalb glauben wir an die Zusammenarbeit mit Start-ups“, sagt Kristina Bell, bei Aldi Süd verantwortlich für das Qualitätswesen. „Start-ups passen zu unserer DNA“, ergänzt ihr Kollege Rayk Mende von Aldi Nord im Hinblick auf die Gründung des Unternehmens durch Karl und Theo Albrecht 1946 in Essen.

Mehr als 80 Start-ups hatten sich beworben, sieben sind zum Pitch eingeladen. Für die jungen Unternehmen wäre es ein Durchbruch, wenn sie mit dem Handelsriesen aus dem Ruhrgebiet ins Geschäft kämen.

Als Baustein seiner „Verpackungsmission“ hat Aldi bereits Einweg-Plastiktüten, -Geschirr und Trinkhalme aus Kunststoff aus dem Sortiment genommen. Am Mittwoch nun stellt Philipp Silbernagel vom Start-up Wisefood seinen essbaren Trinkhalm vor, der aus Überresten der Apfelsaft-Produktion und Getreide hergestellt wird. Der Handel steht unter Druck. Denn ab 2021 gilt EU-weit ein Verbot für Plastiktrinkhalme. Es greift auch bei kleinen Trinkpäckchen, die Supermärkte und Discounter regaleweise anbieten. „Wir haben aktuell die Kapazität, eine Milliarde Trinkhalme pro Jahr zu produzieren“, sagt Mitgründer Silbernagel. Verbraucht werden zur Zeit mehrere Hundert Milliarden.

Kunststoff-Verpackungen sind auch deshalb so schwer zu recyceln, weil sie oft aus mehreren Komponenten bestehen. Bei Shampoo-Flaschen etwa besteht der Verschluss aus einem anderen Material und muss separat verwertet werden. „Bis zu 60 Prozent weniger Plastik“ verspricht Marilu Valente, wenn Shampoo im Laden nur noch in dünnen Nachfüllbeuteln verkauft wird. Ihr Team des geplanten Start-up Cyclic hat eine formschöne, biegsame Mehrweg-Flasche entwickelt, in die Kunden zu Hause das Shampoo füllen können.

Waschmittel aus „interaktiver Abfüllstation“

1,2 Millionen Tonnen Plastikabfall pro Jahr entstehen allein beim Verkauf von Waschmitteln und Weichspülern. Um den Müllberg zu vermeiden, hat die Firma Eziserv um den in Essen aufgewachsenen Gründer Michael Hoffmann eine „interaktive Abfüllstation“ entwickelt, an der sich Kunden im Laden ihr Waschmittel mixen und abfüllen können. Die Konzentrate werden in großen Tanks angeliefert. „Eine komplette Einsparung von Plastik ist möglich. Damit können auch die Logistikkosten um bis zu 80 Prozent reduziert werden“, sagt Hoffmann.

Diese drei und vier weitere Ideen haben sich die zuständigen Aldi-Manager am Mittwoch aufmerksam angeschaut und Noten vergeben. Welche drei als „Sieger“ aus dem Pitch hervorgehen und die begehrte Förderung durch die Initiative Tech Founders hervorgehen werden, erfahren die Start-ups aber erst in einigen Tagen. Gespannt ist auch Cornelius Voss, der mit seiner Firma Ogata eine Papiertüte entwickelt hat, die sich Kunden nach dem Einkauf wie einen Rucksack auf den Rücken schnallen können. „Damit wird auch die Werbung mit Ihrem Logo sichtbarer“, gibt er den Leuten von Aldi mit auf den Weg.

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