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Sowohl Miete als auch Kaufpreise: Wohnen wird immer teurer

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Angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt

Angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt

Bezahlbare Wohnungen zu finden, wird immer schwerer. Die steigende Inflation, der Fachkräftemangel und die zugewanderten Flüchtigen stellen Wohnungssuchende vor große Herausforderungen.

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Berlin.  Der Traum vom Wohnen in den eigenen vier Wänden platzt in diesen Tagen für viele. Doch die Alternative ist alles andere als verlockend.

Inmitten explodierender Energiepreise und hoher Inflation erzielen derzeit viele Haushalte in Deutschland einen Vermögenszuwachs – allerdings zumeist nur auf dem Papier. Denn die Immobilienpreise steigen.

Dabei ist der Wohnungsmarkt ins Chaos geraten. Die Bauzinsen haben sich verdreifacht, die Energiekrise lässt die Kosten für Materialien weiter explodieren, die Reallöhne sinken in vielen Fällen und ziehen die Nachfrage mit nach unten. Trotzdem ziehen die Preise an. Für diejenigen, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden erst noch erfüllen wollen, wird das Vorhaben zunehmend unrealistischer.

Der Immobilienverband Deutschland (IVD) verfolgt die Entwicklung von Kaufpreisen und Mieten genau und listet sie in seinem jährlichen Wohn-Preisspiegel auf. Die noch unveröffentlichte Ausgabe für das laufende Jahr liegt unserer Redaktion exklusiv vor. Sie zeigen: Wohnen in Deutschland wird immer teurer.

Wohnen: Rekorde bei den Kaufpreisen purzeln

450 Städte in ganz Deutschland hat der IVD unter die Lupe genommen und sich die Entwicklung von Kaufpreisen und Neuvermietungen angesehen. Die Ergebnisse überraschen selbst den Verbandspräsidenten Jürgen Michael Schick. „Der Immobilienmarkt hatte bereits die Corona-Pandemie gut überstanden. Dass es ein Jahr später aber erneut zu solchen Preissteigerungen kommt, hat viele Marktbeobachter erstaunt“, sagte Schick unserer Redaktion.

Im Betrachtungszeitraum vom ersten Halbjahr 2021 bis zum ersten Halbjahr 2022 purzeln demnach die Rekorde. So sind die Preise für Einfamilienhäuser im Durchschnitt so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Betrachtungsreihe im Jahr 2000. 9,7 Prozent kosteten sie in durchschnittlichen Wohngebieten mehr als im Vorjahr. Eine halbe Million Euro muss für ein Einfamilienhaus mittlerweile durchschnittlich auf den Tisch gelegt werden.

Befindet sich das Haus in einer guten Wohnlage, also in reinen Wohngebieten ohne Lärmbelästigung, werden im Schnitt 675.000 Euro fällig – 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit dem Jahr 2010 haben sich die Preise damit mehr als verdoppelt. Und selbst wenn man die Inflation berücksichtigt, liegen die Preissprünge immer noch bei rund 70 Prozent. „Wer also seit der Finanzkrise Eigentum erworben hat, hat eine Investition mit Inflationsschutz getätigt“, heißt es in dem Report.

2,2 Millionen Euro kostet ein Haus im Schnitt in München

Erschwinglich ist der Einfamilienhauskauf für viele Haushalte mittlerweile ohnehin nur noch in kleinen oder mittleren Städten. In Kleinstädten werden laut IVD im Schnitt zwischen 240.000 und 310.000 Euro fällig. Zum Vergleich: In den Metropolen liegen die Preise mit im Schnitt 740.000 bis 1,1 Millionen Euro für das durchschnittliche Einfamilienhaus rund dreimal so hoch. Auch das ist wohlgemerkt nur ein Durchschnitt. In München kostet ein Einfamilienhaus mit mittlerem Wohnwert im Schnitt mittlerweile 1,45 Millionen Euro, mit gutem Wohnwert sogar 2,2 Millionen Euro.

Wer den Traum von den eigenen vier Wänden noch nicht beerdigen möchte, muss Abstriche hinnehmen. Reihenhäuser kosten laut IVD im Schnitt beispielsweise 70 bis 80 Prozent dessen, was ein vergleichbares Einfamilienhaus kosten würde. Selbst in den angespannten Wohnungsmärkten Berlin und Hamburg sind Reihenhäuser mit mittlerem Wohnwert noch für knapp unter einer halben Million Euro zu erwerben.

Deutliche Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen

Auch Eigentumswohnungen legen kräftig im Preis zu. Auf 12,1 Prozent beziffert der IVD ihren Zuwachs im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Im Betrachtungszeitraum lag die Inflation bei 5,8 Prozent. Allerdings schränkt der IVD ein: Das Erheben der Daten fand über einen längeren Zeitraum statt, die Folgen der Energiekrise etwa seien bei der Nachfrage nur bedingt berücksichtigt. Flächendeckend sinkende Preise erwartet der Verband aber nicht .„Zwar gibt es einen Rückgang der Nachfrage. Trotzdem bedeutet das nicht, dass automatisch die Preise sinken. Solange eine kleinere Anzahl an Interessenten nach wie vor bereit sind, diese Preise zu bezahlen, bleiben die Preise stabil“, prognostiziert IVD-Chef Schick.

Während in den Kleinstädten im Schnitt für den Kauf einer Eigentumswohnung 1.500 bis 1.900 Euro fällig werden, sind es in den Großstädten 3.200 bis 4.200 Euro pro Quadratmeter. Im Neubau in München kostet der Quadratmeter mittlerweile sogar 11.700 Euro.

Neu bauen ist aber oftmals noch weniger eine Option. Denn auch die Baugrundstücke verzeichnen in den Großstädten Preissteigerungen von zehn Prozent und selbst in den Kleinstädten noch von etwas über sechs Prozent.

Miete legt in kleinen und mittleren Städten überproportional zu

Da bleibt für viele nach wie vor nur die Miete. Wer bereits in einer Mietwohnung wohnt, ist zumindest in zahlreichen deutschen Städten und Gemeinden mit der Mietpreisbremse vor exorbitanten Anstiegen geschützt. Binnen drei Jahren darf die Miete in angespannten Wohnungsmärkten nur um maximal 15 Prozent steigen, die Ampel-Koalition will diese sogenannte Kappungsgrenze auf 11 Prozent absenken. Wer dagegen einen Indexmietvertrag abgeschlossen hat, der kann Preissteigerungen in Inflationshöhe erwarten.

Und auch wer einen neuen Mietvertrag unterschreiben muss, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr zahlen müssen als für seine alte Wohnung, sofern diese in Größe, Baujahr und Lage vergleichbar ist. Um 3,3 bis 3,6 Prozent je nach Wohnwert haben die Neuvertragsmieten für Bestandswohnungen im vergangenen Jahr zugelegt, hat der IVD errechnet.

Bei Neubauwohnungen betrugen die Preissteigerungen 3,4 Prozent, allerdings auf einem höheren Niveau des Quadratmeterpreises. In kleinen und mittleren Städten stiegen die Preise mit bis zu 4,2 Prozent im Bestand und 4,0 Prozent im Neubau sogar noch stärker an, sodass nun auch in Kleinstädten der durchschnittliche Quadratmeter Neubaumiete bei über 8,50 Euro liegt.

Wohnungsbau droht einzubrechen

Damit lag die Mietpreissteigerung im Schnitt unter der Inflationsrate im Vergleichszeitraum. Eine gute Nachricht für Mieterinnen und Mieter? Nur bedingt. Denn wie der IVD feststellt, klafft die Entwicklung von Kauf- und Mietpreisen immer weiter auseinander.

Für Investoren sinkt die Renditeerwartung. Die Folge: Der Wohnungsbau ist massiv ins Stocken geraten. Im August stornierte mehr als jedes neunte Unternehmen seinen Auftrag für den Wohnungsbau, wie das Münchener ifo-Institut jüngst herausfand. Laut Statistischem Bundesamt gingen allein in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres die Aufträge im Wohnungsbau um 9 Prozent zurück. Für die Ampel-Koalition sind das denkbar schlechte Vorzeichen für ihr Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr.

„Wer aufgrund der hohen Kosten nun den Sprung in die eigenen vier Wände nicht schafft, ist weiterhin auf Mietwohnungen angewiesen. Die Mietpreissteigerungen könnten sich also wieder beschleunigen“, prognostiziert Jürgen Michael Schick. Für Mieterinnen und Mieter heißt das: Entspannung ist auf den angespannten Wohnungsmärkten nicht in Sicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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