Traditionsunternehmen

Zukunft des Traditionsunternehmens Kettler in der Schwebe

Noch hängt die Kettcar-Produktion nicht am seidenen Faden. Allerdings ziehen sich Verhandlungen mit einem Finanzinvestor über einen Einstieg bereits über Monate hin. Deutlich länger als von Kettler erwartet. Über den aktuellen Stand wurde nun die Belegschaft am Stammsitz in Ense informiert.

Noch hängt die Kettcar-Produktion nicht am seidenen Faden. Allerdings ziehen sich Verhandlungen mit einem Finanzinvestor über einen Einstieg bereits über Monate hin. Deutlich länger als von Kettler erwartet. Über den aktuellen Stand wurde nun die Belegschaft am Stammsitz in Ense informiert.

Foto: Lars Heidrich

Werl/Ense.   Das Traditionsunternehmen Kettler sucht dringend nach einem Investor. Doch die Verhandlungen mit Kandidaten gestalten sich schwierig.

Der offenkundig dringend notwendige Einstieg eines Investors beim Sportartikel- und Spielwarenhersteller Kettler aus Ense und Werl ist weiter in der Schwebe.

Am Donnerstagvormittag fand im Werk am Stammsitz in Ense-Parsit eine Betriebsversammlung statt, um die Belegschaft über aktuelle Entwicklungen zu informieren.

Kettler: Verhandlungen mit Investor laufen sein Monaten

Bereits seit Monaten verhandelt die Kettler-Geschäftsführung um Olaf Bierhoff mit einem Investor über eine Beteiligung, möglicherweise sogar die Übernahme des Traditionsherstellers (Kett-Car), der schon 2015/16 eine Insolvenz überstanden hat.

Im Herbst 2016 startete die dann neue Kettler GmbH mit Hilfe einer 30 Millionen Euro hohen Landesbürgschaft einen Neuanfang.

Kompliziert wurde die Situation, als die Kettler-Erbin, Karin Kettler im Frühjahr 2017 im Alter von 57 Jahren tragischerweise an den Folgen eines Autounfalls starb und das Vermögen, zu dem auch die Grundstücke und Gebäude der heutigen Kettler GmbH gehören, in den Besitz der Heinz Kettler Stiftung übergingen.

Ringen ums Vermächtnis der Familie

Der Stiftungsvorsitzender ist Manfred Sauer, ehemaliger Prokurist der alten Heinz Kettler GmbH. Sauer ist nicht umstritten und wird vonseiten einiger Unternehmer hart kritisiert, darunter der frühere Freund der Familie Kettler, der erfolgreiche Unternehmer Ulrich Bettermann aus Menden (OBO Bettermann).

Hinter den Kulissen wird seit langem um den Stiftungsvorsitz und damit die Kontrolle über das Kettler-Vermächtnis gerungen. Bettermann hatte in diesem Zusammenhang Sauer offen vorgeworfen, am Niedergang der Heinz Kettler GmbH entscheidend beteiligt gewesen zu sein und sich auf Kosten der Gründerfamilie sogar bereichert zu haben.

Schwarzgeld-Vorwürfe um Karin Kettler

Zudem standen Schwarzgeld-Vorwürfe im Raum. Die Stiftung räumte ein, nach dem Tod von Karin Kettler erhebliches Familienvermögen auf Schweizer Konten entdeckt und zur Nachversteuerung den Finanzbehörden angegeben zu haben.

Das Brisante an der aktuellen Situation: Die Stiftung verfügt über ein erhebliches strategisches Vermögen. Dies weiß auch der potenzielle Investor, der möglicherweise verlangt, dass bei seinem Einstieg Gebäude und Grundstücke bzw. eine Sicherheit in Millionenhöhe von der Stiftung gegeben werden.

Details zum Stand derVerhandlungen

Dass das neue Unternehmen Kettler ohne eine kräftige Finanzspritze langfristig kaum Überleben wird, hatte der kenntnisreiche Ulrich Bettermann – er war mehrere Jahre Beiratsmitglied der alten Kettler GmbH – gegenüber der Westfalenpost schon lange prophezeit. Freitag will die Geschäftsführung gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Metall Details zur aktuellen Situation mitteilen.

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