Automobilbranche

Zulieferer Hella sieht große Chance in der E-Mobilität

Carsten Wilks, Leiter der Abteilung Vorentwicklung bei Hella in Lippstadt, mit dem gemeinsam mit Porsche entwickelten LCD-Scheinwerfer, der nicht nur optimale Ausleuchtung der Straße garantiert, sondern auch Warnhinweise auf die Fahrbahn prjizieren kann. Spätestens 2020 soll der Scheinwerfer in Serienfahrzeugen auf dem Markt sein.

Foto: Ralf Rottmann

Carsten Wilks, Leiter der Abteilung Vorentwicklung bei Hella in Lippstadt, mit dem gemeinsam mit Porsche entwickelten LCD-Scheinwerfer, der nicht nur optimale Ausleuchtung der Straße garantiert, sondern auch Warnhinweise auf die Fahrbahn prjizieren kann. Spätestens 2020 soll der Scheinwerfer in Serienfahrzeugen auf dem Markt sein. Foto: Ralf Rottmann

Lippstadt.  Der Automobilzuliefer Hella aus Lippstadt war mit dem Umsatzwachstum nicht ganz zufrieden, erzielte aber enorme Gewinne im letzten Geschäftsjahr.

Der Hella Konzern aus Lippstadt sieht sich gut gerüstet, um beim autonomen Fahren, der Digitalisierung rund ums Auto und der Elektromobilität eine gewichtige Rolle zu spielen. Das Umsatzwachstum im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 von 6,4 auf 6,6 Milliarden Euro sieht der Vorstandsvorsitzende Rolf Breidenbach zwar als „nicht herausragend“ an, allerdings war man mit dem Profit, der deutlich gesteigert wurde, hoch zufrieden.

Noch sind Autos, die komplett ohne Fahrer am Steuer auskommen, Zukunftsmusik. „Sicher ist aber, dass autonomes Fahren kommen wird“, sagt Breidenbach – und dass Hella sich dabei im Bereich Radartechnologie und Softwareentwicklung als Technologieführer behaupten will.

LCD-Licht das Nonplusultra

Rund ums Auto von morgen sucht Hella vielfältige Kooperationen. Sowohl bei Radartechnologie als auch bei der Ursprungskompetenz Scheinwerfertechnologie. Gemeinsam mit Porsche, dem Chemiekonzern Merck – Spezialist für Flüssigkristalle –, dem Dortmunder Chiphersteller Elmos und dem Halbleiterhersteller Schweizer aus dem Schwarzwald stellte Hella kürzlich mit dem LCD-Scheinwerfer das aktuelle Nonplusultra der digitalen Lichttechnik im Auto vor. Hella rechnet damit, dass der Scheinwerfer spätestens 2020 in Serie verbaut wird – bei welchen Autobauern, sei noch offen.

Im Bereich Sensortechnologie und Kamerasysteme gingen die Lippstädter vor kurzem eine strategische Partnerschaft mit ZF Friedrichshafen und Nvidia ein. Hinter dieser Art Kooperation steckt die Erkenntnis, dass einer allein bei der enormen Geschwindigkeit der Digitalisierung des Autos Gefahr liefe, im globalen Wettbewerb auf der Strecke zu bleiben. „Die offenen Kooperationen müssen kommen, weil einfach die Entwicklungsgeschwindigkeiten höher geworden sind“, erläutert Breidenbach.

Es nicht so, dass Hella Forschung und Entwicklung vernachlässigen würde, im Gegenteil. Fast zehn Prozent des Umsatzes fließen für Innovationen.

Licht und Elektronik waren bisher die absoluten Schwerpunkte und Wachstumstreiber bei Hella. Auch in Zukunft werden sie die wesentliche Rolle spielen, aber die Themen Radartechnologie und die passende Softwareentwicklung für Kamerasysteme gewinnen für den Konzern rasant an Bedeutung. „Die Softwareentwicklung wird eine immer größere Rolle spielen“, betont Vorstandschef Breidenbach.

Über 300 Entwickler tüfteln mittlerweile am Standort Berlin bei der Hella Aglia an Software, um die Technologieführerschaft weiter auszubauen. In den kommenden Jahren sollen bis zu 500 Mitarbeiter in diesem Bereich forschen und entwickeln, sowohl in der Hauptstadt, wo es gerade leicht ist, Fachleute dafür zu gewinnen, im alten, hippen Ullsteinhaus in Berlin zu für Hella zu arbeiten. Aber auch am Hauptsitz in Lippstadt wird an neuer Software für intelligente Kamerasysteme gearbeitet. Hella setzt hier, anders als Konkurrenten, auf ein offenes System zur Lichtsteuerung, Spur- und Verkehrszeichen- oder auch Fußgängererkennung und legt sich so gar nicht erst auf einen bestimmten Kunden fest. „Wenn unsere Produkte gut sind, werden sie auch nachgefragt“, ist der Hella-Chef mit Blick in die Zukunft sicher.

Sorge um Standort Deutschland

Das gilt ebenso für die anderen Produkte. Dennoch verfolgt das Unternehmen den „dramatischen Imageverlust“ der deutschen Automobilbranche mit Besorgnis: Die Dieseldebatte sei extrem schädlich für die Autoindustrie, die Branche umgekehrt nicht nur wegen der vielen Arbeitsplätze, sondern auch wegen der Innovationskraft für den Wirtschaftsstandort Deutschland von höchster Bedeutung. „Glücklicherweise ist es für Hella nicht entscheidend, ob mehr Diesel oder Benziner verkauft werden“, so Breidenbach. Zumal Hella große Chancen im Bereich Elektromobilität sieht, ohne die die Klimaziele nicht erreicht werden könnten. Hella bietet beispielsweise elektronische Steuereinheiten für Lithium-Ionen-Batterien an. Und Scheinwerfer, Kamerasysteme etc. benötigt auch ein E-Mobil.

Aufgrund des deutlich gesteigerten Konzerngewinns, zum dem auch der Direktteileverkauf vor allem in Dänemark und Polen beitrug, schlagen Vorstandschef Breidenbach und der neue Finanzchef Bernard Schäferbarthold mit 92 Eurocent eine um 19,5 Prozent höhere Dividende vor.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik