Bergbau

Zum Abschied von der Kohle kommt der Bundespräsident

Bilder wie diese sind bald Geschichte: Hier ist Strebmeister Martin Schweiger bei seiner Arbeit in Bottrop auf der Zeche Prosper-Haniel in einer Tiefe von rund 1200 Metern zu sehen.

Bilder wie diese sind bald Geschichte: Hier ist Strebmeister Martin Schweiger bei seiner Arbeit in Bottrop auf der Zeche Prosper-Haniel in einer Tiefe von rund 1200 Metern zu sehen.

Foto: Volker Hartmann

Essen.   Zum Ende des Bergbaus 2018 gibt es schon jetzt detaillierte Planungen. Auch der Bundespräsident kommt zum historischen Abschied ins Ruhrgebiet.

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Im nächsten Jahr endet mit der Schließung der letzten Zeche das Zeitalter des Steinkohlenbergbaus in Deutschland. Schon jetzt sind die Planungen für das Abschiedsjahr weit fortgeschritten. Emotional soll es kurz vor Weihnachten werden. Für den 20. Dezember 2018 ist ein ökumenischer Gottesdienst im Essener Dom geplant. Einen Tag später soll es eine zentrale Abschiedsveranstaltung an der Schachtanlage Franz Haniel in Bottrop geben. 500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden erwartet. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zugesagt.

Am 3. November kommenden Jahres sollen in Essen, Bottrop, Dinslaken, Hamm und Ibbenbüren zeitgleich Bürgerfeste stattfinden – unter dem Motto „Danke Kumpel“. Bereits am 12. September 2018 treffen sich die Parlamente der Bergbauländer Saarland und NRW zu einer gemeinsamen Sitzung in Düsseldorf. Anschließend soll es eine Feierstunde geben.

Gründerzentrum im Gasometer

„Wir wollen dem Bergbau einen würdigen Abschied bereiten“, sagt Werner Müller, der Vorsitzende der Essener RAG-Stiftung, die federführend für das Programm „Glückauf Zukunft“ verantwortlich ist. Beteiligt sind auch der Chemiekonzern Evonik, der Zechenbetreiber RAG und die Gewerkschaft IGBCE. Erste Projekte wurden vor zwei Jahren auf den Weg gebracht. Ziel sei es, nicht nur die historischen Leistungen der Bergleute zu würdigen, sondern auch Signale des Aufbruchs auszusenden.

Insbesondere beim Thema Firmengründungen will die RAG-Stiftung Akzente setzen. So wird aller Voraussicht nach auf dem Gelände von Zeche Zollverein in Essen ein neues Gründerzentrum entstehen. Dazu soll nach Darstellung von Stiftungschef Müller der Gasometer auf Zollverein umgebaut werden, um Firmengründern Büros zu günstigen Konditionen zur Verfügung zu stellen. Mit seiner industriellen Stärke könne das Ruhrgebiet im Vergleich zu Metropolen wie Berlin oder München punkten, gibt Müller zu bedenken.

Bochumer Bergbau-Museum wird saniert

Für „Glückauf Zukunft“ stellt die RAG-Stiftung 30 Millionen Euro bereit. Das größte Einzelprojekt ist mit 15 Millionen Euro die Sanierung des Bochumer Bergbau-Museums. Für den 28. November 2018 ist die Neueröffnung geplant. „Ich kann Ihnen schon heute versprechen, dass Sie das Museum nicht wiedererkennen werden“, sagt Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung. Die neue Ausstellung soll nicht nur Technik präsentieren, sondern viel stärker als bisher auch den Bergmann in seinem Arbeits- und Familienumfeld zeigen.

Am 26. April nächsten Jahres beginnt eine Sonderausstellung von Ruhr- und Bergbau-Museum. Als Ort ist die Mischanlage der ehemaligen Kokerei auf dem Gelände von Zeche Zollverein vorgesehen. Die Ausstellung soll die Geschichte der Kohle vom 18. Jahrhundert bis heute darstellen.

„2018 ein Jahr des Ruhrgebiets“

In mehreren Ruhrgebietskinos wird schon in den kommenden Wochen der Dokumentarfilm „Der lange Abschied von der Kohle“ von Werner Kubny und Petra Neukirchen zu sehen sein. Die Premiere war gestern Abend in der Essener Lichtburg. Voraussichtlich Anfang 2018 wird der Film auch im WDR-Fernsehen gesendet.

„Ich bin mir sicher, dass 2018 ein Jahr des Ruhrgebiets werden wird“, sagt Fritz Pleitgen, der Vorsitzender des Beirats von „Glückauf Zukunft“ ist. Wenn es um die Zukunft des Reviers geht, hat Pleitgen noch eine Idee. Der Sitz einer europäischen Institution – etwa für Ökologie, Gesundheit oder Migration – gehöre zwingend ins Ruhrgebiet, findet er. Dieser Gedanke sei auch schon an die neue NRW-Landesregierung herangetragen worden. Pleitgen sagt: „Ich könnte mir keinen besseren Platz vorstellen als das Ruhrgebiet.“

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