Jasis Woche

Auf ein besinnliches Fest - im nächsten Jahr

Weihnachten ist ja das Fest der Einkehr. Wenn wir alle zwischen Einkaufshektik und Parkplatzstau nur Zeit hätten, uns darauf zu besinnen...

In diesen Tagen wünschen wir uns gegenseitig ein besinnliches Fest (und nein, an dieser Stelle wollen wir keinesfalls eine Diskussion darüber anstoßen, in welchem religiösen oder säkularen Sinne das gemeint sein kann) oder wir wünschen uns ganz einfach frohe Weihnachten und während wir das tun, haben wir meist ein Bild vor Augen: von Familien, die gemeinsam und sehr gemütlich an einer feierlich gedeckten Tafel beisammen sitzen. Es wird opulent aufgetischt. Im Hintergrund stapeln sich kunstvoll verpackte Geschenke. Die ganze Szenerie wirkt ein wenig entrückt.

Allerdings bin ich inzwischen davon überzeugt, dass diese ganze Familienbeseeltheit wahrscheinlich gar nicht auf die stille Freude über die Geburt Jesu zurückzuführen ist, sondern auf einen Zustand zugleich tiefster Erschöpfung und übermäßiger Erleichterung - nämlich die vergangenen Wochen der Weihnachtsvorbereitungen und Geschenk-Einkäufe IRGENDWIE überstanden zu haben und jetzt endlich einfach nur mal ganz stumpf und ohne „Jingle Bells“-Gedudel rumsitzen zu dürfen. Weil es nichts mehr zu tun gibt (außer für diejenigen, die sich ums Essen kümmern müssen). Die Geschäfte sind endlich zu, womöglich macht sogar der Online-Händler ein paar Stunden Pause.

Dabei hatten sich doch alle für dieses Jahr mal wieder vorgenommen, den Konsum ein wenig zurückzufahren. Wegen der Umwelt. Und der Besinnlichkeit. Ist aber wieder nichts draus geworden.

Womöglich standen wir gestern zusammen in der Schlange im Spielwarenladen, die sich bis in die übernächste Abteilung zurückstaute und waren genervt von den Dauermeckerern, die sich über den Andrang wunderten, den sie selbst mit verursacht hatten. Oder sind wir uns auf dem Parkplatz begegnet, bei der 28. Runde durch die Reihen - und es fuhr einfach niemand raus? Vermutlich gehörten die Langzeitparker-Autos zu denen, die im Spielwarengeschäft längst fertig waren, während man selbst noch bei Kilometer drei vor der Kasse stand. Und waren Sie auch ein wenig sauer über die Drängler beim Bäcker, die unbedingt noch vorbestellen wollten, obwohl die Frist längst abgelaufen war und die sich dann beschwerten, dass man sich mittlerweile ja schon im Sommer Gedanken machen muss, welchen Stuten man an den Feiertagen essen will, sonst kriegt man am Ende nix mehr? Wahrscheinlich sehen wir uns gleich noch im Supermarkt, am leergekauften Kühlregal - aber nur, falls auf dem Parkplatz eine Lücke frei wird.

Und dann ist Weihnachten 2018 auch fast schon wieder vorbei. Aber nächstes Jahr, da wird alles ruhig und besinnlich. Ganz bestimmt.

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