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Ausflüge in NRW: Ratingen per Online-Schnitzeljagd entdecken

| Lesedauer: 5 Minuten
Setzt Ratingen ins rechte Licht: Norbert Opfermann erzählt in seiner digitalen Stadtführung auf der Plattform „lialo“ von folternden Löwen und eingeklemmten Daumen.

Setzt Ratingen ins rechte Licht: Norbert Opfermann erzählt in seiner digitalen Stadtführung auf der Plattform „lialo“ von folternden Löwen und eingeklemmten Daumen.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Ratingen.  Die Online-Plattform „lialo“ bietet verschiedene Stadtführungen in NRW. Eine der Touren führt durch Ratingen – das dunkle Geheimnisse hütet.

Wissen Sie, was ein bergischer Pillekuchen ist? Oder ein Dumeklemmer? Oder wie Schweine dabei halfen, die Märch wiederzufinden? Wenn die Antworten auf diese Fragen „nein“ und Sie ein wenig verwirrt sind, sei Ihnen die Stadttour „Durchs mittelalterliche Ratingen“ ans Herz gelegt. In der Dumeklemmer-Stadt – dazu später mehr – und mit besagter Stadttour finden sich nämlich Antworten auf all diese Fragen, mit freundlicher Unterstützung von Norbert Opfermann.

Der hat die Tour entworfen und in die App „lialo“ (Like a local, „wie ein Einheimischer“) eingespeist, gemeinsam mit drei anderen Touren. Wer das mittelalterliche Ratingen erkunden möchte, kann das für zehn Euro jederzeit und in seinem eigenen Tempo tun – der Fremdenführer sitzt ja im Smartphone.

Virtuelle Schnitzeljagd führt durch Ratingen

Als gebürtiger Düsseldorfer kommt Opfermann quasi von nebenan, und war als Kind sowieso oft in Ratingen. „Da hat es Sinn ergeben, diese Tour anzubieten“, sagt er, zückt sein Handy und startet die Tour. Die startet an der Straßenbahnhaltestelle, nach ein paar Metern durch die schnuckelige Altstadt Ratingens steht die erste Frage an.

Das Konzept Schnitzeljagd ist nämlich fest in der lialo-Idee verankert, damit die kleine Stadtwanderung nicht zur drögen Zeitverschwendung wird. So lernen die Tourlinge beispielsweise, dass die erste Straßenbahn zwischen Düsseldorf und Ratingen 1897 verkehrte, und dass der Löwe da oben auf dem Brunnen am Marktplatz kein Steuerrad in der Hand hält – sondern ein dunkles Geheimnis.

„Das ist ein Folterwerkzeug“, schmunzelt Norbert Opfermann, „auf dem Marktplatz wurde früher nämlich nicht bloß das Gericht abgehalten, sondern auch direkt gehenkt.“ Was wie Folter für die Zunge klingt, ist tatsächlich eine Ratinger Delikatesse: der bergische Pillekuchen.

Ratingen entdecken – mit vielen Restaurants zum Einkehren

Das ist ein Kartoffelpuffer, in seiner ganzen Pracht auch auf Bildern in Norbert Opfermanns Tour zu bestaunen – oder direkt auf dem Teller im Schlüssel am Markt“. „Das ist das Schöne hier in Ratingen“, erklärt der Tourschöpfer, „es gibt viele Möglichkeiten, die Führung zu unterbrechen und einzukehren“. Gleich hinter dem sadistischen Löwen ragt die Kirche St. Peter und Paul in den Himmel, mit der Märch als Highlight im Glockenturm. Der was? Der Marienglocke, der größten der sieben Glocken im Turm, in Ratinger Mündern eben „Märch“ genannt – Marie.

Die hatten mittelalterliche Ratinger aus Angst vor Plünderungen mal vergraben, dabei aber leider vergessen wo. In einer schweinischen Fügung, so erzählt man sich, trieb dann aber der städtische Schweinehirte seine Herde vor die Stadt, eine seiner Säue buddelte – und fördert die vermisste Marie wieder zutage.

Ratingen als Dumeklemmer-Stadt

Das und mehr erfährt der geneigte Stadtwanderer in Norbert Opfermanns Tour. Auch warum Ratingen als Dumeklemmer-Stadt bekannt ist. Anstatt sich vom Heiligen Suitbert nämlich ganz brav zum Katholizismus bekehren zu lassen, klemmten die Stadtbewohner des Geistlichen Daumen im Stadttor ein – zur Strafe, so heißt es auf einer Plastik, die die Stadttour thematisiert, werden seitdem alle Ratinger mit platten Daumen geboren.

Zum Glück hat der Ratinger außer platten Fingern auch Humor und sich die Sage über die Stadt zunutze gemacht. „Ratinger Däumlinge“ sind nämlich keineswegs Handschuhe – „sondern Mettwürste, die bloß so lang wie ein Daumen sind“, erklärt Opfermann, der auf einem Foto die Wurst neben seinen eigenen Daumen als Ansichtsexemplar legt – der sieht übrigens ganz normal aus, aber Norbert Opfermann ist ja auch gebürtiger Düsseldorfer.

Vorbei am „Verkeshirdenturm“, gewidmet dem Hirten der Glockenspürschweine, geht es entlang der Stadtmauer zum „dicken Turm“, ehemals wichtigster Verteidigungspunkt der Dumeklemmer-Stadt. Auch Esel „Friedel“ kommt in der Tour vor, er verspricht vor allem Kindern offene Ohren für ihre Geheimnisse, genauso wie versiegelte Lippen.

Gleich nebenan liegt die Grütstraße, Heimat der wohl kniffeligsten Frage auf Norbert Opfermanns Stadtführung. Warum die Straße ihren Namen trägt, wird an dieser Stelle nicht verraten, nur so viel: Des Deutschen liebstes Getränk spielt eine bedeutende Rolle.

Wann die Tour wohl am schönsten ist, überlegt deren Schöpfer, und kommt schließlich auf die Markttage dienstags, donnerstags und samstags. „Die Stadtführung funktioniert natürlich immer“, sagt Opfermann, „sogar vom Sofa aus. Aber an einem Markttag durch das mittelalterliche Ratingen zu wandern und den Platz vor der Kirche in seiner ursprünglichsten Funktion zu sehen, das ist schon ein echtes Highlight.“

Alle Infos zur lialo-Tour durch Ratingen

Die lialo-Touren können unter www.lialo.com gebucht und benutzt werden – oder direkt in der lialo-App für das Smartphone. (Ungewöhnliche) Städtetouren bietet die Plattform für ganz Deutschland an.

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