Kultfilm

"Bang Boom Bang"-Regisseur: "Ich hab da eine Marke gesetzt"

Der Ruhrgebiet-Kultfilm „Bang Boom Bang“ feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Jubiläum. Wir sprachen mit Regisseur Peter Thorwart. 

Der Ruhrgebiet-Kultfilm „Bang Boom Bang“ feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Jubiläum. Wir sprachen mit Regisseur Peter Thorwart. 

Foto: Antonia Nix

Unna.   Am 26. August 1999 war Premiere von „Bang Boom Bang“. Regisseur Peter Thorwarth verrät uns seine Lieblingsszene und ob es eine Fortsetzung gibt.

Schlucke, wie lange bist du schon bei mir?“ – „20 Jahre, Chef.“ – „20 Jahre. Und hab ich dich in diesen 20 Jahren irgendwann mal im Stich gelassen?“

20 Jahre alt ist inzwischen auch dieser Dialog zwischen Kampmann und Schlucke. Einer von so vielen, die Fans ebenfalls seit 20 Jahren Freitag für Freitag für Freitag in der UCI Kinowelt im Bochumer Ruhr Park auswendig mitsprechen – wo der Revier-Kultstreifen „Bang Boom Bang“ tatsächlich seit seiner Uraufführung 1999 ununterbrochen läuft und wo es am 23. August auch wieder eine Riesen-Geburtstagsparty mit den Hauptdarstellern gibt. Regisseur Peter Thorwarth (48) ist natürlich dabei. Wir haben mit ihm gesprochen.

20 Jahre! Was fällt einem dazu ein?

Thorwarth:Peter Thorwart: Wie die Zeit vergeht! Es komm mir vor, als hätte ich den Film gestern gedreht. Wenn ich mir allerdings Fotos von früher anschaue, merke ich schon, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist...

Warum funktioniert Bang Boom Bang heute noch?

Weil die Geschichte, bei aller Durchgeknalltheit, auf echten Figuren aufbaut. Das macht es zeitlos. Natürlich, heute gibt es Smartphones, bei uns waren es ganz normale Handys. Aber das Grundgerüst trägt heute noch: Einer ist im Knast, sein Kompagnon soll so lange auf die Kohle aufpassen und verprasst sie stattdessen.

Was würden Sie heute anders machen?

Erstaunlich wenig. Eine Szene ärgert mich aber doch immer noch. Til Schweiger würde ich nicht wieder diese Perücke aufsetzen! Die ist völlig drüber, zu albern. Das war übrigens ein großes Missverständnis. Til und ich dachten beide, das wäre dem anderen wichtig und so hat keiner was gesagt – obwohl es beide daneben fanden...

Wann haben Sie den Film denn zuletzt gesehen?

Vor zwei oder drei Jahren auf einem Filmfest in München. Ich habe wirklich nicht viel zu bereuen, weil der Film absolut ehrlich ist. So, wie ich überhaupt an alles, was ich mache, ehrlich rangehe. Wir hätten dem Film im Nachhinein auch einen cooleren Look geben können, als wir ihn für die BluRay-Fassung sowieso nochmal neu abgetastet haben. Aber der raue Charme wäre weg gewesen.

Gibt es eine Lieblingsszene?

Ach, die gesamte Tresor-Sequenz mit Willi Thomczyk, die auf jeden Fall. Oder als Ralf Richter... Nee, ich merke schon, eine Szene herauszuheben, würde den anderen nicht gerecht. Die Tresor-Szene ist aber doch die, bei der das Publikum am meisten mitgeht.

Das Publikum ist ja sowieso unglaublich. Es bleibt BBB einfach ewig treu...

Total, nicht nur in Bochum, auch in Open-Air-Kino-Vorführungen. Das hat einen richtigen Happening-Charakter, wie bei der Rocky Horror Picture Show. Ich glaube, das gibt es bei keinem anderen deutschen Film. Und Tele 5 bringt den neuerdings sogar einmal die Woche im Abendprogramm.

Ralf Richter und Martin Semmelrogge, die mit ihren Rollen Kalle Grabowski und Schlucke ja selbst Kultfiguren geschaffen haben, beklagen immer wieder gerne, dass es nie eine Fortsetzung gab...

Ich weiß gar nicht, wie das funktionieren soll: Kalle und Schlucke sind doch beide drauf gegangen!

Haha, stimmt.

Im Ernst, das ehrt mich ja, wäre aber vom Kreativen her einfach nichts Neues. Sowas wird oft peinlich und ist auch künstlerisch schwierig.

Bang Boom Bang war ihr erster Spielfilm und schlug direkt derart ein. Kommen Sie sich nicht manchmal vor wie Mario Götze, der mit seinem WM-Tor so früh bereits seinen Höhepunkt hatte?

Sehr oft sogar. Ich hab da schon eine Marke gesetzt. Andererseits waren ja „Was nicht passt“ und „Nicht mein Tag“ auch erfolgreich. Deshalb habe ich damit meinen Frieden gemacht.

Und es geht ja noch weiter mit der Filmerei. Wir haben Sie während der Mischung erreicht, also schon fortgeschritten im Prozess des nächstes Projekts...

Genau. Im November kommt „Der letzte Bulle“ ins Kino. Mein Bulle wird definitiv anders als im Fernsehen.

Aber Henning Baum ist der Gleiche. Mit dem waren Sie doch früher schon mal was am Planen dran?

Das war im Februar 1989, meine erste professionelle Arbeit, ein Serienpilot für Pro7. Ich hatte das Buch geschrieben und Henning direkt von der Schauspielschule Bochum geholt. Als ich dann die Chance hatte, Bang Boom Bang zu machen, habe ich das Projekt verworfen.

Kann man das nicht wiederbeleben?

Heute wäre es nicht mehr zeitgemäß. Leider war für Henning Baum dann keine Rolle drin in Bang Boom Bang. Aber der neue Bulle wird auch den Fans von Bang Boom Bang gefallen!

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