Museum

Bunkermuseum in Oberhausen – Damit es nie wieder Krieg gibt

Der Gang zu den Raumzellen: Er wirkt fast wie im Gefängnis.

Der Gang zu den Raumzellen: Er wirkt fast wie im Gefängnis.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Das Bunkermuseum in Oberhausen eignet sich nicht für einen unbeschwerten Ausflug, hinterlässt aber bleibenden Eindruck.

Man steht in diesem langen, engen Gang, in dieser Flucht, rechts und links klaffen in den Wänden mit ihren abbröckelnden Farbschichten die Eingänge zu den Raumzellen, man denkt eher an Gefängniszellen aus einem Horrorfilm. An dem beklemmenden Gefühl kann die Beleuchtung nichts ändern, hier im Bunkermuseum. Das ist so gewollt, am Luftschutzbunker im Knappenviertel gibt es nichts zu beschönigen. Anschauen kann man sich das für ein, zwei Stunden. Aber hier leben? Nein, Danke!

Trotzdem mussten Menschen hier Zuflucht suchen, während Bomben auf Nazideutschland fielen. Das Gute heute beim Besuch: Es bleibt friedlich… An den Wänden hängen Zitate von Zeitzeugen:

„Wenn der Bunkerwart die Tür zumachte, ließ der niemanden mehr rein. Wenn der das Gefühl hatte, es ist voll, es passt niemand mehr rein, dann mussten die draußen bleiben und woanders Schutz suchen.“
Johanna Sandberg, Oberhausen

Der Bunkerwart wurde oft zum Richter über Leben und Tod: Wer in den Augen der Nazis als „minderwertig“ galt, durfte nicht mit rein: Juden, Sinti und Roma, Behinderte, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene…

Am Eingang des Bunkermuseums liegt, beschienen von blauem Licht, wovor die Menschen sich zu Recht fürchteten eine „Amerikanische Sprengbombe GP 500-Lb“, gefüllt mit 121 Kilogramm TNT… Der explosive Kaventsmann lässt erahnen, warum die Wände der Bunker die enorme Stärke von 1,10 Metern, an der Decke und der Sohle von 1,40 Metern haben mussten…

„Eigentlich hatten wir großes Vertrauen in den Bunker.“

Ingrid Bärsch, Oberhausen

2300 Menschen fanden hier Schutz in den Bombennächten. Sie traten ein den blauen Schein des Bunkereingangs. „Weil dieses blaue Licht nicht so weit sichtbar ist. Die Bomberpiloten haben sich am Licht vom Boden orientiert. Deswegen gab es diese Verdunkelungsmaßnahmen, dass man abends das Licht ausmachte und Verdunkelungsrollos vor dem Fenster hatte“, sagt Karsten Leidiger, der Führungen durchs Bunkermuseum macht und Ausstellungen hier mitkonzipiert hat.

„Wir haben im Nachbarhaus im Keller gesessen, da hieß es noch, Gewölbe, das ist sicher. Nach den ersten Angriffen haben wir gesehen, wie die Häuser ausgesehen haben, wie die Bomben durchgeschlagen sind trotz Gewölbe. Und dann sind wir in den Bunker hier gegangen.“

Friedhelm Doht, Oberhausen

Der Luftkrieg richtete überall in Europa verheerende Zerstörungen an, kostete Millionen Leben. Was er in Oberhausen hinterließ, zeigt ein Fotoalbum mit Folgen von Bombenabwürfen, wo ein massives, dreistöckiges Haus an der Markt-, Frieden- und Styrumer Straße in einen einzigen Trümmerhaufen zerbombt wurde, 11 Tote, 22 Verletzte. Allein in dieser Stadt wurden von den Nationalsozialisten 17 Luftschutzbunker errichtet, Luftschutzstollen gab es auch in den Halden.

Das Bunkermuseum ist einzigartig in NRW, seit 2001 ein Teil des „Bürgerzentrums Alte Heid“. 1956 schrieb das „Echo der Arbeit“ zur damaligen Schließung des Bunkers: „Hoffentlich für immer“. Gut, dass es dieses Mahnmal trotzdem gibt.

>>> Mein liebstes Ausstellungsstück

Wenn Wände reden könnten… Im Bunkermuseum tun sie das allerdings. „Die Wände erzählen über mehrere Schichten die Geschichte des Bunkers. Vom Bau über die Nutzung als Luftschutzbunker, dann die Nachkriegsnutzung als Notunterkunft und die weitere Nachkriegsnutzung als Pilzzucht“, sagt Museumsführer Karsten Leidiger.

Teils sieht man noch den rohen Beton aus der Bauzeit, die unterste Schicht. Als der Bunker für den Luftschutz genutzt wurde, waren die Wände freundlich gelb gestrichen. „Die nächste Schicht stammt aus der Zeit als Notunterkunft: Da haben die Leute versucht, es sich gemütlich zu machen, indem sie die Wände mit Mustern bemalt oder zum Teil sogar tapeziert haben“, berichtet Leidinger. Ganz an der Oberfläche: die grüne Kalkfarbe, die „Pilzen Anton“, der Oberhausener Pilzhändler Anton Mayer hier auftragen ließ, wohl wegen der Desinfektion. Mayer züchtete hier Champignons bis 1967.

Mehr zum Thema: Auch in der Knappenhalde in Oberhausen gab es mal einen Luftschutzstollen.

Bunkermuseum Oberhausen, Alte Heid 13. Mi. + So. 11-18 Uhr, Eintritt frei

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