Das besondere Museum

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

Zentrales Ausstellungsstück: Der edle Zuchthengst Polydor steht als Dermoplastik lebensgroß im Museum.

Zentrales Ausstellungsstück: Der edle Zuchthengst Polydor steht als Dermoplastik lebensgroß im Museum.

Foto: Lars Heidrich

Münster.   Der Liebe und Leidenschaft fürs edle Ross geht das Westfälische Pferdemuseum nach – vom Grubenpferd übers Polizeipferd bis hin zur Wunderstute.

Es ist die Geschichte einer echten, tiefen und sehr, sehr langen Zuneigung: Mensch und Pferd, das passt einfach zusammen. Die Verbindung geht zurück bis ins 3. Jahrtausend vor Christus, in die Bronzezeit, denn aus dieser Zeit stammen die ersten Felsenzeichnungen, die Reit- und Zugpferde zeigen. Warum nicht schon viel früher? Na, weil ein Pferd eben auch nicht immer aussah wie ein Pferd, sondern ursprünglich nur so groß war wie ein größerer Hund. Was das eindrucksvolle und niedliche Modell eines Pferdes zeigt, das vor ca. 50 Millionen Jahren lebte. „Man sieht, dass die Vorfahren unserer Pferde viele Hüfchen hatten und spitze Zähnchen“, sagt Museumsleiterin Sybill Ebers (53).

Eine ausgewiesene Pferdegegend

Wie kommt ein Pferdemuseum mitten nach Münster, in den Allwetterzoo? Um das zu verstehen, muss man sich nur rund um die Stadt umschauen, denn das Münsterland ist eine Region, in der sich vieles ums Pferd dreht – abgesehen davon, dass das Nordrhein-Westfälische Landgestüt im benachbarten Warendorf beheimatet ist. Und das Museum ist durchaus ein lebendiges: 20 Tiere gehören derzeit dazu. Es gibt die berühmten Dülmener Pferde, die gar nicht so wild sind, wie man allgemein annimmt. Außerdem Mongolen Ponys, Island-Pferde und Przewalski-Pferde, die letzten echten Wildpferde. Seit kurzem gehört eine Pasovina-Stute dazu, ein kroatisches Kaltblut. „In ein paar Wochen bekommen wir ein Museumspony, mit dem wir Kindern beibringen, was ein Pferd ist, Motto: ,Ran ans Pferd‘.“

Wo kommt denn bloß das Einhorn her?

Sogar ein Einhorn gibt es hier! Aber wer nun in den schillerndsten Regenbogenfarben frohlocken möchte, den muss man enttäuschen: Der vermeintliche Einhorn-Schädel im Foyer stammt aus einer älteren Sonderschau über „Tiermärchen und Märchentiere“, es handelt sich um das Geweih eines selten zu findenden Rehbocks, dem nur ein statt zwei Hörner gewachsen sind.

Ganz ernst hingegen sind die anderen Teile der Ausstellung, die von dutzenden Facetten des Pferdelebens erzählt: Von der Evolution des Rosses im Laufe der Jahrtausende über die körperliche Entwicklung im Leib der Stute. Von der Zucht, wie sie heute professionell betrieben wird, bis zu absurden mittelalterlichen Fehlzüchtungen mit meterlangen Mähnen und Schweifen, die zur Repräsentation dienten, für die Tiere aber eher eine Qual bedeuteten. Von den heimischen Emscherbrücher „Dickköppen“, denen die Cranger Kirmes ihren Ursprung verdankt, denn der dortige Pferdemarkt war der eigentliche Anlass, dort alljährlich im August zu feiern. Vom alljährlich wiederkehrenden Fang der Dülmener Pferde im Merfelder Bruch, wobei man die jungen Hengste aus den Herden zieht, weil es sonst Unruhen geben würde.

Ein wertvoller Kollege: das Grubenpferd

Das Pferd als Nutztier, das Pflüge zog und Kutschen, das sogar im Krieg oftmals eine sehr wichtige Rolle spielte – bis in den Zweiten Weltkrieg hinein. Es gab an den Fronten sogar Pferde-Lazarette. Unter den Gräueln des Ersten Weltkriegs hatten die Pferde ebenso zu leiden wie die Menschen. Ein bizarrer Anblick: Gasmasken für Pferde.

Auch bei der Polizei leisten die Huftiere treue Dienste – und nicht zu vergessen für unsere Region: das gute, alte Grubenpferd. Das letzte seiner Art ging 1966 in Rente auf Zeche „General Blumenthal“ in Recklinghausen, es hieß Tobias und hatte zuvor zwölf Jahre unter Tage gearbeitet – natürlich nicht ununterbrochen, denn die Grubenpferde waren wertvoll für die Arbeit. Im Museum ist unter anderem zu sehen, wie sie in frühen Zeiten wohlverschnürt in die Tiefe gelassen wurden, sicherlich kein Zuckerschlecken.

Eine Ruhmeshalle für den Pferdesport

Und nicht zuletzt spielt auch der Pferdesport eine zentrale Rolle in der Ausstellung, Dressur, Springen, Voltigieren, Westernreiten, Galopprennen und, und, und… Natürlich blieb das in einer pferdeverrückten Region wie Westfalen nicht ohne Erfolge. „Hier haben wir unseren ,Westfälischen Olymp‘ eingerichtet“, sagt Sybill Ebers, eine Ruhmeshalle des Pferdesports. Man findet sie alle abgebildet: Hans Günter Winkler aus Wuppertal mit Wunderstute Halla, 1956 bei den Olympischen Spielen in Stockholm zur Legende geworden; Reiner Klimke aus Münster, der erfolgreichste Dressurreiter aller Zeiten, mit Wallach Ahlerich; Ludger Beerbaum aus Detmold, der im Springreiten alle erdenklichen Preise bis zum olympischen Gold holte.

Wer dies sieht, der versteht ganz genau, wie das Pferdemuseum nach Münster kam – und wird sich fast zwangsläufig selbst ein bisschen mehr für die Schönheit der edlen Rösser begeistern.

  • Westfälisches Pferdemuseum im Allwetterzoo, Sentruper Str. 311, Münster, 0251/484270, pferdemuseum.de. Der Eintritt ist im Zooeintritt (Erw. 18,90 €/Kinder 10,90 € im Sommer) enthalten. Pferdevorführungen gibt es ab September wieder an den Wochenenden. Sonderschau: Urmel, Jim Knopf & Co. zur Augsburger Puppenkiste (bis 6.10.).

>>> Das liebste Ausstellungsstück: Zuchthengst Polydor

Er ist der Inbegriff eines athletischen Zuchthengstes – und seine Schönheit wurde für die Nachwelt erhalten: „Polydor stellt sehr gut die Vision des Menschen dar, das perfekte Pferd zu züchten“, sagt Museumsleiterin Sybill Ebers. Über 1000 Nachkommen hat dieses stolze Ross in die Welt gesetzt. „Viele davon sind bis heute teils noch sehr erfolgreich im Sport und in der Zucht.“

Es ist nicht nur ein Modell, sondern eine Dermoplastik des 1972 geborenen und im Jahr 2000 verstorbenen Pferdes im Museum zu sehen, gezüchtet vom Recklinghäuser Werner Münch und lange im Besitz des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts in Warendorf.

Sybill Ebers erinnert sich an den Tag, als das Museum 2002 mit Polydor als zentralem Ausstellungsstück und Blickfang eröffnet wurde: „Der damalige Landstallmeister, schon ein älterer Herr, hatte eine sehr enge Beziehung zu dem Pferd. Er sagte, dass er ein Problem damit hätte, Polydor derartig präpariert zu sehen. Dann war er bei der Eröffnung aber doch hier. Er kam zu mir und sagte: ,Sie haben ihm ein Denkmal gesetzt!’ Und dann war alles gut.“

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