Wollfest

Duisburg feiert am Wochenende seine erste große Strick-Party

Hält alle Fäden in der Hand, nicht nur beim Strick-Fest: Mascha Dähne (32) färbt ihre Wolle sogar selbst.

Hält alle Fäden in der Hand, nicht nur beim Strick-Fest: Mascha Dähne (32) färbt ihre Wolle sogar selbst.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.  Duisburg-Ruhrort steht am Wochenende im Zeichen der gekreuzten Nadeln. Beim Strick-Fest „Kielgeholt“ will Mascha Dähne neue Woll-Lust machen.

Mascha Dähne hängt an der Nadel: Vor zehn Jahren strickte sie ihr erstes Paar Socken – eine Freundin brachte sie zum Handarbeiten. Beide machten Urlaub in Carolinensiel, es war „Schietwetter“, aber das Wollgeschäft zum Glück nicht weit. Alles begann mit dem Standard: Zwei rechts, zwei links, eine Masche fallen lassen. Als die Strümpfe fertig waren, war Mascha Dähne mächtig stolz und durchforstete prompt die Videoplattform Youtube nach weiteren Anleitungen. Es folgten erste Schals und Tücher mit Zopfmuster; ziemlich anspruchsvoll und eigentlich nichts für ungeduldige Menschen wie Mascha Dähne. Doch die heute 32-Jährige gab nicht auf. Inzwischen gehört sie zur Strick-Szene, ist bundesweit verstr..., pardon, vernetzt und färbt sogar ihr Garn selbst. Gemeinsam mit Andrea Lenz vom Label „Gewollt bunt“ organisiert sie das erste Strick-Fest „Kielgeholt“ in Duisburg-Ruhrort, das heute und morgen im Binnenschifffahrtsmuseum stattfindet. Neben Verkaufsständen, an denen sich Hobby-Handarbeiter mit neuer Wolle eindecken können, gibt es auch Workshops und sogar eine Strick-Hafenrundfahrt.

Eine Hafenrundfahrt im Zeichen der Stricknadel

In der Szene ist die gelernte Grafikdesignerin als „Lütt Marie“ bekannt. „Das klingt so schön nach Hafen. Ich bin in Ruhrort groß geworden, bin oft am Rhein und habe mich dort immer mit den Schiffern unterhalten. Da bekomme ich viel Inspiration.“ Ehrensache also, dass es eine Hafenrundfahrt gibt.

In ihrer Küche stehen nicht nur Nudeln, Gewürze und Gemüse, sondern auch dutzende Gläser und Tiegel, gefüllt mit Farbpigmenten und Kolorationen: „Waldgrün“, „Navy“, „strahlend Rot“ oder „Ballerina Pink“ steht darauf. Gerade köchelt in einem Suppentopf Merino-Nachschub, 100 Gramm pro Strang. Das Wasser ist 80 Grad warm, pechschwarz und riecht streng nach Essig. „Das muss sein, so wird die Farbe besser angenommen.“

Angefangen mit weißer Wolle und Eier-Malfarben

Mascha Dähne zuppelt an den Fäden. Die Wolle braucht ein wenig. Zwei Stellen hat sie abgeklemmt, dort wird sie später andere Farbe drauftupfen. Gesprenkelte Wolle ist ihre Spezialität. „Anfangs habe ich natürlich mit normalen, industriell hergestellten Materialien gearbeitet. Aber irgendwann wollte ich etwas Buntes, Besonderes haben. Leider gab es gesprenkelte Wolle nur in den USA und die war für mich als Studentin unbezahlbar“, erinnert sich Mascha Dähne. Die kreative Ruhrorterin experimentierte selbst. Zunächst mit weißer Wolle und Eier-Malfarben. „Kann man machen, wenn man es mal ausprobieren möchte“, lautet ihr Kommentar. Sie war auf Dauer allerdings nicht zufrieden, kaufte sich handelsübliche Spritzen, füllte diese mit Textil-Farben und kreierte neue Muster. Inzwischen hat sie ihren Stil perfektioniert, färbt in zahlreichen Nuancen. „Ich mache mir Notizen, wie ich etwas gemacht habe. Es wird zwar immer ein bisschen anders, aber annähernd ähnlich.“

Erst in den Kochtopf, dann in den Backofen

Ihren alten Job in einem Spieleverlag hängte sie an den Nagel, macht seitdem nun nur noch „in Wolle“. Flauschig ist das Geschäft nicht immer, „aber es macht mir großen Spaß, auch wenn alte weiße Männer sich kaum vorstellen können, dass man davon leben kann.“ Sie steht in Kontakt mit Händlern in Peru oder Italien, die ihr die Alpaca-, Merino- oder Baumwollfasern in der Naturfarbe liefern. Merino ist der Klassiker und besonders beliebt, weil das Garn im Winter wärmt, im Sommer kühlt und schmutzunempfindlich ist. Doch mittlerweile ist die Massenproduktion auch bei den Schafen in Australien angekommen. Deshalb bevorzugt Mascha Dähne kleine Farmen aus Mittelamerika. „Einige Händler haben zig verschiedene Sachen im Angebot, aber bei mir geht es eher um den Stil, wie ich färbe.“ Wenn das Garn vom Produzenten ankommt, muss es jedoch erst eingeweicht werden, bevor es weiter verarbeitet werden kann. So öffnen sich die Fasern und nehmen die Farbe besser an. Anschließend kommt alles in den Kochtopf und später noch einmal in den Backofen, um das Ergebnis zu fixieren. Nach einer weiteren Wäsche und Trocken-Phase können die Hobby-Strickerinnen übernehmen.

Das Würfel-Muster ist vom „Schwarzen Auge“ inspiriert

Ihre Kunden findet Mascha Dähne bundesweit online, etwa über Facebook. Sie ist in vielen Online-Strickgruppen, tauscht sich mit anderen über ihre Ufos, die „unfertigen Projekte“ aus und entwirft auch Anleitungen für neue Kleidungsstücke – wie etwa für den Schal mit Würfelmuster. „Ich bin Rollenspielerin, wir spielen ,Das Schwarze Auge’.“ Als sie mal wieder auf ihren nächsten Einsatz als Magierin warten musste, strickte sie einfach an einem Paar Socken weiter, und beobachtete die anderen. „Da kam mir die Idee, einfach per Würfel zu entscheiden, welche Farbe ich als nächstes nehme und nach wie vielen Reihen ich wechsel’.“ Die Idee kommt gut an, mittlerweile laufen bundesweit Menschen mit Würfel-Muster-Schals herum. „Es gibt viele ältere Frauen, für die Stricken ein schöner Zeitvertreib ist oder kranke Menschen, die sich bei der Handarbeit ablenken“, weiß Mascha Dähne. Hinzu kamen in den vergangenen Jahren individuelle, junge Frauen, die gerne Unikate tragen. Die Zeiten, in denen man nur verschämt vom Hobby erzählen konnte, sind längst vorbei.

Was Sie schon immer über das Häkeln wissen wollten

Das soll sich auch beim Woll-Fest niederschlagen. Die ersten 100 Tickets waren nach 20 Minuten verkauft. „Samstag ist der typische Einkaufstag. Da kommen die Mädels und bummeln. Sonntags sind oft die Männer dabei. Da wird dann eher diskutiert, ob frau das neue Knäuel wirklich braucht“, wissen Mascha Dähne und Andrea Lenz aus Erfahrung. Gut für die Händler: Meist setzen sich die Damen durch. 27 Aussteller haben die Organisatorinnen eingeladen. Alle haben ihren Stil und sich bei der kreativen Namenswahl viel Mühe gegeben: Sie heißen etwa „Inwollviert“ oder „Frau Wöllfchen“. Parallel werden Workshops angeboten. Helmut Neumeier, „Handarbeiter aus Berufung“ bietet an: „Was Sie schon immer über das Häkeln wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten.“ Oder Utlinde Gradowski gibt einen Lochmuster-Kurs und Mona Wagner hat Tipps parat für „Oben mit – Brustanpassung stricken!“

„Lütt Marie“ freut sich auf ihr erstes selbst organisierte Fest, und ist auch ein bisschen aufgeregt. Der Freundin, die ihr das Stricken beibrachte, ist sie ziemlich dankbar.

>>> Die wichtigen Infos rund ums Woll- und Strickfest

Das Woll- und Strickfest „Kielgeholt“ findet am Samstag, 25. Mai, und am Sonntag, 26. Mai, jeweils von 10 Uhr bis 17 Uhr statt (kielgeholt.de).

Der Eintritt kostet 4,50 Euro und geht komplett ans Ruhrorter Binnenschifffahrtsmuseum (Apostelstraße 84). Dafür kann man nicht nur den Markt besuchen, sondern auch die Ausstellung anschauen. Da es im Umkreis des Museums nur recht wenige Parkplätze gibt, empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Haltestelle Thyssen Tor 30).

Die Strick-Hafenrundfahrten sind mittlerweile ausgebucht.

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