Das besondere Museum

Ein Paar zeigt Roy Blacks alte Wohnung in Aplerbeck

Erinnerungen über Erinnerungen: Roy Blacks alte Wohnung in Aplerbeck.

Erinnerungen über Erinnerungen: Roy Blacks alte Wohnung in Aplerbeck.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Das Ehepaar Tiemann hat die Wohnung des großen Schlagerstars Roy Black nicht verändert - und führt durch ihr Roy-Black-Archiv.

Man stelle sich vor, man sitzt bei Roy Black auf dem Sofa. Linkerhand die Hausbar mit einem rustikalen Dortmunder Bierfass. Rechterhand ein Tischchen, an dem er gern Tee trank. Im Bad: sein letzter Rasierpinsel. „Es ist so, als ob der Roy gestern hier rausgegangen ist“, sagt Irmgard Tiemann und es klingt ein wenig wie Seufzen.

Fast 20 Jahre hat Roy Black in Aplerbeck gewohnt, versteckt tief im Süden Dortmunds, nur ein Steinwurf bis zur Grenze von Schwerte. In einer Dachgeschosswohnung, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit. Die Geschichte klingt zu unglaublich, um wahr zu sein. Aber sie ist es.

Irmgard und Friedhelm Tiemann gewährten einem der größten deutschen Schlagerstars der späten 60er- bis frühen 90er-Jahre („Ganz in Weiß“) Unterschlupf. Sie haben seine Wohnung so gut wie möglich erhalten („Wir wollen das Andenken an Roy Black bewahren“) – und auf derselben Etage ihr „Roy Black Archiv“ eingerichtet, in dem sich die Löwen von Radio Luxemburg und die Ottos von der Bravo aneinanderreihen.

Zwei Stimmgabeln, ein Goldener Wum aus Wim Thoelkes „Der große Preis“, ein Bembel aus Heinz Schenks „Blauem Bock“. Und Fotos, Fotos, Fotos („30.000 bis 40.000“) des äußerst gutaussehenden Sängers und Schauspielers. Filmplakate erinnern auch an erste Rollen („Paradies der flotten Sünder“, „Immer Ärger mit dem Pauker“). Sein Gesicht zierte Plattencover und Arztromane („Ein Arzt floh aus der Einsamkeit“) und einen Fürstenroman („Der einsame junge Fürst“).

Roy Black verbeugte sich vor ihr

In Roy Blacks Wohnzimmer könnten Irmgard und Friedhelm Tiemann tagelang erzählen, was sie alles mit Roy Black erlebt haben.

Vom ersten Tag an: „Am 5. Mai 1971 hatte der WDR zur Eröffnung der Bundesgartenschau in Köln eine Abendveranstaltung: ,Blumen nach Noten’. Mittags sind wir nach einer WDR-Besichtigung schon in den Park gegangen. Da stand der Übertragungswagen. Auf einmal sang da der Roy ,Wo bist Du?’. In dem Moment war meine Frau weg. Hin zum Saal. Ich hinterher. Sie hat sich in die erste Reihe gesetzt bei der Probe. Als der Roy fertig war, ging er schnurstracks auf meine Frau zu, gab ihr die Hand, machte eine tiefe Verbeugung fast bis auf die Erde und sagte: ,Gestatten, mein Name ist Roy Black.’“, erzählt Friedhelm Tiemann. Seine Frau sagt: „Das hat mich natürlich umgehauen! Dann haben wir uns unterhalten. Am Ende sagte der Roy: Sehen wir uns mal wieder?“

Man sah sich. Die Tiemanns besuchten seine Auftritte, man lernte sich kennen. Und eines Sonntagsnachmittags ging bei Tiemanns die Klingel. „Wer steht vor der Tür? Roy Black! Und sagt: ,Ich wollte mit euch Kaffee trinken.’ Wir haben dann Kuchen geholt. Dann wurde es sechs Uhr, sieben, acht, neun, der ging nicht…“, berichtet Friedhelm Tiemann. Das Ende vom Lied: Der Roy übernachtete auf der Couch. Am Morgen ging’s zur Plattenfirma nach Hamburg. Das Verrückte: „Mittwochs war er schon wieder hier.“

Als Tiemanns 1974 von Wellinghofen in das hübsche Haus in Aplerbeck zogen, reichte Roy Black dem alten Schwiegervater Tiemann die Bretter an – und zog unters Dach.

Sie waren beim Dreh für „Ein Schloss am Wörthersee“

Auch an den letzten Tag mit dem Roy erinnert sich das Paar: Sie waren 1991 mit zum Dreh für „Ein Schloss am Wörthersee“ gefahren. „Wir hatten eine schöne Zeit in der ersten von drei Wochen. Dann brach er ein bisschen zusammen. Er sagte: ,Ich bin am Ende, ich brauche totale Erholung’“, so Irmgard Tiemann. „Als wir abfuhren, hat er die Verbeugung wiederholt, die er zwanzig Jahre nicht gemacht hatte. Uns sagte er: ,Bleibt gesund!’ Zum Hund sagte er: ,Lauf nicht weg!’ Er hat sich umgedreht und nicht zurückgeschaut. Weg war er.“

Ein paar Tage später klingelte in Dortmund um 3 Uhr nachts das Telefon mit der Todesnachricht.

Die Tiemanns bewahren seitdem das Andenken an Roy Black so lange sie können. 58 Ordner mit Zeitungsausschnitten, ein lebensgroßer Bravo-Starschnitt, die Japan-Pressung einer Single. Unter den tausenden Besuchern waren auch Wegbegleiter: Anita Hegerland („Schön ist es auf der Welt zu sein“) stand erst vor zwei Jahren im Wohnzimmer. Es ist also nicht nur so, als wäre der Roy gerade erst rausgegangen. Es ist fast, als könnte er jederzeit wiederkommen.

>> Mein liebstes Ausstellungsstück

Wenn ich mir ein liebstes Ausstellungsstück raussuchen soll, dann doch dieses Bandgerät“, sagt Friedhelm Tiemann und schaltet das große Gerät mit den zwei magnetischen Rollen an. Es erklingt Musik, die seit 30, 40 Jahren darauf gespeichert ist – und heute noch in erstaunlicher Klangqualität ertönt. „Es sind die Voll- und Halbplaybacks, die wir hier auf den sogenannten Mutterbändern haben“, sagt er. Wenn Roy Black im Fernsehen oder in einer ­Diskothek auftrat, hatte er nicht immer eine Band dabei. Dann kam die Musik eben vom Band.

Um ein Haar hätte Friedhelm Tiemann das Gerät an die Hitze verloren: „Die Keilriemen sind aus Gummi. Hier oben unterm Dach ist es im vorigen Sommer so warm gewesen, da war die Maschine im Eimer. Sie kriegen kein Ersatzteil mehr. Aber die richtigen Riemen hat mir jemand gebastelt. Ich bin froh, dass ich die Maschine noch habe.“

Roy Black Archiv, Führungen für maximal drei Fans nur nach Absprache, mo-sa, 0231/484046 und ­f-tiemann@t-online.de, Eintritt frei.

Hier gibt es noch mehr für: Schlagerfans.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben