Studie

Geburtshilfe in NRW mit viel Aufwand verbunden

Wie schwierig ist es, in NRW eine Hebamme zu finden? Eine verlässliche Antwort auf diese Frage liefert das Forschungsprojekt „Geburtshilfliche Versorgung durch Hebammen in Nordrhein-Westfalen“ der Hochschule für Gesundheit in Bochum. An der NRW-weiten Studie zur geburtshilflichen Versorgung haben 1783 Mütter und 1924 Hebammen teilgenommen. Wissenschaftler der Hochschule für Gesundheit in Bochum haben sie mit Hilfe von Fragebögen interviewt. Das vom Landeszentrum Gesundheit NRW finanzierte Projekt läuft noch bis zum 30. Juni. Erste Ergebnisse liegen aber bereits vor und decken gravierende Missstände auf.

Die Suche nach einer Hebamme ist für Schwangere in NRW mit viel Aufwand verbunden. 81,5 Prozent der befragten Frauen mussten bis zu fünf Hebammen anrufen, um eine Betreuung für die Schwangerschaft und/oder das Wochenbett zu finden. 10,7 Prozent der Frauen fragten sogar sechs bis zehn Hebammen an und bei 7,8 Prozent der Frauen waren es mehr als zehn Hebammen.

Das Schicksal von Elin Saatjohann, keine Hebamme für die Versorgung im Wochenbett gefunden zu haben, teilen 3,2 Prozent der befragten Frauen in NRW. 6,8 Prozent fanden trotz Suche keine Hebamme für die Betreuung in der Schwangerschaft.

Wunsch nach fachkundiger Begleitung

Werdende Mütter, die sich eine Begleit-Hebamme für die Geburt wünschen, haben es noch schwerer. Bei 21,9 Prozent der befragten Frauen blieb die Suche erfolglos. Dabei ist der Wunsch nach einer persönlichen Begleitung mehr als verständlich. Denn von den befragten Frauen gab jede siebte (14,5 Prozent) an, dass sie sich während der Geburt mehr Betreuung durch die anwesende Hebamme gewünscht hätte.

Doch woran liegt es, dass Wunsch und Wirklichkeit bei der Hebammenversorgung so weit auseinanderliegen? Auch hierüber gibt die Studie Aufschluss. Die Befragung der Hebammen zeigt, dass diese im klinischen und ambulanten Bereich an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßen.

Jede zweite außerklinisch tätige Hebamme gab an, dass sie für die nächsten sechs Monate ausgelastet ist und keine neuen Schwangeren oder Wöchnerinnen mehr betreuen kann. Die Mehrzahl der freiberuflich tätigen Hebammen lehnt aufgrund fehlender Kapazitäten mehrmals pro Woche Anfragen von Frauen ab.

Hebammen schlagen Alarm

Die Ergebnisse zur klinischen Versorgung sind sogar teilweise noch besorgniserregender. 43,1 Prozent der befragten klinisch tätigen Hebammen haben im vergangenen Monat eine Gefahrenanzeige geschrieben und den Arbeitgeber so darüber informiert, dass aufgrund von massiver Arbeitsbelastung eine ordnungsgemäße Erfüllung der Arbeitsleistung gefährdet ist und Schäden für die Beteiligten zu befürchten sind. Von den befragten Hebammen arbeitet jede vierte (25,6 Prozent) in einem Kreißsaal, der im letzten Monat vorübergehend geschlossen werden musste. Als Gründe wurden dafür am häufigsten fehlendes Hebammenpersonal und fehlende Räume genannt.