Dortmund

Im Brauerei-Museum gab’s einst Bier sogar am Arbeitsplatz

Auf einem alten Bierlaster saß Horst Duffe einst selbst, allerdings trug seiner das DAB-Logo.

Auf einem alten Bierlaster saß Horst Duffe einst selbst, allerdings trug seiner das DAB-Logo.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Im Brauerei-Museum taucht man ein in die Zeit, als Dortmund noch Bierhauptstadt Deutschlands war und abends die Theken dicht besetzt waren.

Was für ein Glück, mit jemandem in die Dortmunder Biergeschichte einzutauchen, dessen eigenes Lebenswerk schon Teil des Museums ist. DAB und Duffe, das gehört zusammen wie Hopfen und Malz, wie Theke und Zapfhahn. „Im März 1959 habe ich angefangen bei der DAB und dann ein paar Jahre als Kraftfahrer hier gearbeitet“, sagt Horst Duffe (82). Seit 60 Jahren schlägt sein Herz für die Brauerei, schon ganz zu Anfang: Wo auch immer er in Urlaub war, fotografierte er begeistert die Gaststätten, in denen DAB ausgeschenkt wurde. In Österreich, der Schweiz und so weiter.

Er ahnte ja noch nicht, dass ihn diese Leidenschaft fürs kühle Blonde um die Welt bringen sollte. Als die Brauerei jemanden suchte, der mit dem Werbe-Lkw durch die Lande fahren sollte, um das Bier bekannter zu machen, kam man schnell auf Duffe. Es wurde eine lange Reise: Spanien, Griechenland, Schottland, eigentlich hat Duffe ganz Europa bereist – und dann auch noch die USA. Sieben Monate war er dort mit einem Truck unterwegs als Botschafter des deutschen Biers. Als die Mauer fiel, brachte er das Dortmunder Bier nach Leipzig. Und als er in Rente war und 2006 hier das Brauereimuseum entstand, war Duffe wieder mit von der Partie. „Ich hab mir mal ne Ecke frei gehalten für den Notfall – da komme ich dann hin als Mumie…“, scherzt er. Aber vorerst führt er durchs Museum wie kein anderer.

Hauptsache ist, dass hier die Tradition bewahrt wird

Über die Dortmunder Brauereigeschichte allein könnte man ganze Bücher füllen. „Wir hatten mal 40 Brauereien in Dortmund“, sagt Duffe. Heute werden alle Dortmunder Marken an diesem Ort gebraut. Man schaut auf die ausgestellten Kisten und liest: DAB, Brinkhoff’’s, Kronen, Ritter, Hansa, First, Union, Stifts, Thier, Stades und Hövels. Dass sie alle nun zur Radeberger Gruppe gehören, die wiederum zum Bielefelder Oetker-Konzern gehört, kann niemandem wirklich die Biersuppe versalzen. Denn Hauptsache ist, dass die Tradition hier bewahrt wird – und weiter Dortmunder Bier gebraut wird.

Und wie es das wird: In der Brauerei neben dem Museum füllen die Maschinen bis zu 65.000 Flaschen pro Stunde. Zum Vergleich: Im unteren Geschoss der Ausstellung ist eine Original Abfüll-Station von ca. 1900 erhalten. Produktion mit Flaschenwaschen, abfüllen und etikettieren: 20 Stück pro Stunde.

„Alles, was Sie hier so sehen, räume ich selbst ein.“

Es waren bierselige Zeiten, von denen das Museum erzählt. Der Blick streift über unzählige Vitrinen mit Gläsern und Krügen (Duffe: „Alles, was Sie hier so sehen, räume ich selbst ein.“). Er streift über eine bilderbuchhafte Theke aus den 1920er-Jahren, die aus einer Kneipe in Lütgendortmund stammt, mit Hockern, Zapfhahn und einer Glasvitrine, in der man Soleier und Frikadellen aufbewahrte. Nur eins wurde daran verändert: Ein Automat lädt ein, mit Bier zu spielen. Man greift eine Bierflasche, zum Beispiel Hansa, setzt sie auf die zugehörige Fläche, und schon sieht man einen Werbespot aus den 70er-Jahren. Auf einem Segelschiff sieht man muskulöse Kerle und knapp bekleidete Frauen, Werbespruch: „Tatendurst und Hansa-Bier“. So einfach und klischeeverliebt konnte Werbung in voremanzipatorischer Zeit sein.

„Heute gibt’s fast keinen Thekenbetrieb mehr“, bedauert Duffe. „Früher ging man unter sechs, sieben, acht Bierchen nicht nach Hause, vielleicht noch mehr. Wir haben eine Gaststätte in Berghofen, da stehen noch 15 bis 20 Leute abends an der Theke. Aber sonst ist das alles vorbei.“

„Wer Bier im Keller hat, hat viele Freunde.“

Von den Zeiten, in denen man am Arbeitsplatz Bier trinken durfte, zeugen Zapfautomaten. „Da kriegte jeder seine Dollars, wenn er reinkam. So konnte er das Bier an den Arbeitsplatz holen.“ Waren die Mitarbeiter da nicht ständig betrunken? „Die konnten was vertragen, die Brauer“, erinnert sich Duffe. Haustrunk gibt’s heute immer noch, aber an die Tür geliefert. „Wer Bier im Keller hat, hat viele Freunde“, weiß der Rentner.

In der unteren Etage der ehemaligen Maschinenhalle steht das Holzschnitz-Modell einer Bierkutsche, die früher in Dortmund Bier ausfuhr. Und in der Küferei sieht man die Holzfässer, die – zurück vom Kunden – repariert werden mussten und berieselt, damit das Holz sich dehnte und das Fass dicht hielt.

An der Qualität des Produkts hat sich in all den Jahren nichts geändert, ist Duffe überzeugt. Vielleicht ist er parteiisch, aber nicht zu sehr: „Ich bin DAB-Mann. Aber ich trinke alle Dortmunder Biere. Und wenn ich woanders bin, trinke ich auch Stauder oder Fiege. Ein schlechtes deutsches Bier gibt es nicht.“

www.brauereierlebnis-dortmund.de

Das liebste Ausstellungsstück: „Bier von Weltruf“

Die Marke „DAB“ kennen viele, was es bedeutet, haben vielleicht einige vergessen: „Dortmunder Actien Bier“. Unter den zahlreichen Werbeschildern im Brauerei-Museum ist dieses Horst Duffes Lieblingsstück. „Das Bier von Weltruf“, liest er vom Werbeschild vor – und es schwingt ein wenig Stolz mit. „Kein anderes Bier darf das von sich behaupten, denn DAB hat sich den Satz um 1900 herum schützen lassen.“ Und das schon, bevor die Dortmunder mit ihrem Bier auch auf drei Weltausstellungen erfolgreich waren.

Die Schilder spiegeln auch den Zeitgeist: Es gibt ein schon angerostetes Emblem für „Dortmunder Victoria Bier“, auch ein DAB Schild aus den 60ern, auf dem ein Propeller-Flugzeug am Fernsehturm Florian vorbeifliegt – und der Pilot ergreift das vom Kellner angebotene Flugbier nur allzu gern. Was dazu wohl die Flugaufsicht gesagt hätte?

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