Besondere Museen

Knete, Kohle und Kröten: Ein Museum wie ein Geldspeicher

Währung im Wandel der Zeit: die Deutsche Mark.

Währung im Wandel der Zeit: die Deutsche Mark.

Foto: Fabian Strauch

Xanten.   Das Museum rund ums Geld in Xanten zeigt, dass Münzen keine seelenlosen Penunzen sind. Sie machen Geschichte greifbar. Wir waren drin!

Als Jugendlicher bekam Norbert Müller eine Zigarrenkiste voll mit Münzen geschenkt. Manche hatten ein Loch, andere waren sechseckig. Woher sie wohl kamen? Er erinnerte sich an seinen Schatz, fünf Jahre bevor am 1. Januar 2002 der Euro die Deutsche Mark ablöste. „Die Geschichte des Geldes müssen wir bewahren!“ Gesagt, getan: Heute ist der 60-Jährige Vorsitzender des „Geldgeschichtlichen Vereins Niederrhein“ und leitet das „Museum rund ums Geld“ in Xanten-Wardt.

30 Kauris für eine Frau, 10 für eine Kuh

Das Haus liegt unweit des bekannten Archäologischen Parks und des Römer-Museums. Doch schon vor den Römern haben die Menschen getauscht und mit „Geld“ bezahlt. Norbert Müller zeigt einen Pottwalzahn von den Fidschi-Inseln. In anderen Regionen galt Salz als vormünzliches Zahlungsmittel. Auf Müllers ausgestreckter Hand liegen drei „Kauris“.

Sie sehen aus wie polierte weiße Muscheln, sind aber in Wirklichkeit Gehäuse von Meeresschnecken. Auch damals wollte man nicht große Beträge umständlich mit „Kleingeld“ abzählen. So schlug man die Rücken der Schalen ab und fädelte sie auf, so dass sie wie ein „50-Euro-Schein“ waren. Mit Kauris wurde gezahlt in Indien, Ozeanien oder Afrika: „In Uganda zahlten Sie noch 1810 für eine Ehefrau 30 Kauris und zehn für eine Kuh.“

Als europäische Soldaten während des Boxeraufstands 1899 am Kaiserpalast in China eine Buddha-Statue zerstörten, entdeckten sie im Sockel die ältesten Banknoten überhaupt, von 1356. Müller holt einen der Scheine hervor. Er ist so groß wie ein Briefbogen und zeigt neben Schriftzeichen auch ein Piktogramm mit zehn Türmchen. „Jeder Turm bildet 100 Münzen ab.“ Damit hätte man ein steinernes Haus erwerben können.

Schon Marco Polo habe von diesem fliegenden Geld geschwärmt, das die Chinesen aus dem Rindenbast des Maulbeerbaumes hergestellt haben. Aber in Europa zweifelte man lange Zeit an der Sicherheit des Papiergeldes. Die Dänen waren 1695 die ersten, die damit zahlten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als man auf dem Schwarzmarkt mit Zigaretten tauschte, war man aber zu Papier gezwungen. Wegen des Krieges fehlte das Metall für Münzen. So gab es Scheine für „Eine Deutsche Mark“ oder „5 Pfennige“. Auch die „Schattenwährung“, wie Müller sie nennt, sind Papierscheine, die die Bundesrepublik bis 1993 für einen Ausnahmefall bereithielt: Die

Ostblockstaaten hätten die Deutsche Mark ja mit Falschgeld unterlaufen können. „Geld ist Geschichte pur“, betont Müller, der eine Krawatte trägt, auf der 5 Mark und 5 Pfennige zu sehen sind. Wandelt er noch gedanklich Euro in DM um, damit er den Wert eines Produkts beurteilen kann? „Ja“, gibt er schmunzelnd zu. „Teilweise rechne ich noch um.“

Müller tauscht die Heiermann-Krawatte gegen ein geschnürtes Hemd: Der gelernte Elektromechaniker verwandelt sich so in einen Münzmeister. Im Keller des Hauses fertigt er mit historischen Maschinen Medaillen an. In einem geplanten Tante-Emma-Laden soll man künftig mit dem dafür eigens geprägten Wardter Inselbrot-Taler Rabatt bekommen.

„Währung gestern – heute – morgen“ ist unter dem Museumsnamen an der Einfahrt zu lesen. Das Morgen bereitet den Museumsmachern Sorgen: Das Geld wird immer unsichtbarer. Schließlich wird bargeldloses Bezahlen auch hierzulande üblicher. „Wie soll man Kindern künftig das Sparen vermitteln?“, fragt sich Müller. Im Museum ist so manche alte Sparbüchse zu sehen: Neben dem Schweinchen auch eine Henkel-Spardose, die Müller früher selbst zur Sparkasse gebracht hat. Er hebt einen Groschen auf, der ihm aus Versehen heruntergefallen ist: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“

>> DAS LIEBSTE AUSSTELLUNGSSTÜCK

Der Besucher läuft fast vorbei an dieser auf den ersten Blick schmucklosen Kiste. Doch es gibt – soweit Museumsinitiator Norbert Müller weiß – nur noch drei solcher Holzbehälter in ganz Deutschland. Dabei kamen einst 23.000 dieser Kisten in Bremerhaven an. Müller öffnet seine und lüftet damit das Geheimnis: Darin liegen Hundert-Deutsche-Mark-Scheine. Ursprünglich enthielt diese Kiste insgesamt 3,2 Millionen DM. Nicht in – für die älteren Leser noch vertrautem – Blau, sondern in Rot. Es waren die ersten DM-Scheine nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das neue Geld der Deutschen, zur Währungsreform am 21. Juni 1948, kam aus den Vereinigten Staaten. Militärfahrzeuge brachten es zur Bank deutscher Länder nach Frankfurt. „Die Russen durften nicht mitkriegen, dass Westdeutschland neues Geld bekam“, erzählt Müller. Schließlich begann damals der Kalte Krieg. Daher waren die Kisten so unscheinbar. Lediglich zwei Aufkleber lassen noch „DM“ erkennen.

Der Name „Clay“ ist auf einer Seite zu lesen. „General Clay hat die Geheimoperation geleitet“, so Müller. Der gleiche Mann, der die Luftbrücke organisierte, bei der Rosinenbomber die Westberliner unter anderem mit Lebensmitteln und Kinder mit Süßem aus der Luft erfreuten.

„Glas, Porzellan“, ist zudem mit schwarzem Stift auf das Holz geschrieben: Menschen haben die Kiste später für einen Umzug genutzt. Andere Truhen werden wohl im Feuer gelandet sein. Müller: „Die Winter 48, 49, 50 waren sehr kalt.“

>> DER WEG ZUM MUSEUM

Das „Museum rund ums Geld“ ist in einem ehemaligen Gutshof untergebracht und liegt idyllisch im Grünen. Es ist an jedem zweiten, dritten und vierten Wochenende im Monat geöffnet: Sa. und So., 14 bis 17 Uhr, und auf Anfrage. In den Osterferien auf Anfrage in der zweiten Woche für Gruppen ab acht Personen.

Eintritt: 4 Euro, ermäßigt: 3 Euro. Jugendliche bis 18 Jahren: 1 Euro. Am Kerkend 7, Xanten. Info unter 02801/98 56 888. geldmuseum-xanten-wardt.de

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