Körperdysmorphe Störung

Lisa (28) traute sich nicht mehr auf die Straße

"Spieglein, Spieglein an der "Wand"! Schönheit liegt im Auge des Betrachters – manche betrachten sich selbst aber als hässlich. Ein Foto von Leser Manfred Kressin aus Wetter an der Ruhr

"Spieglein, Spieglein an der "Wand"! Schönheit liegt im Auge des Betrachters – manche betrachten sich selbst aber als hässlich. Ein Foto von Leser Manfred Kressin aus Wetter an der Ruhr

Foto: manfred kressin / WP

Lisa, 28, Studentin aus Münster, ist Patientin an der Psychotherapieambulanz der Universität Münster. Wir fragten Sie nach ihren Erfahrungen.

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Lisa, 28 Jahre, Studentin aus Münster, ist Patientin in der Spezialambulanz für Körperdysmorphe Störungen an der Psychotherapieambulanz der Universität Münster. Wir fragten Sie nach ihren Erfahrungen der Störung und der Therapie.

Wann und woran haben Sie bemerkt, dass Sie unter einer psychischen Störung leiden könnten?

Ich habe es gar nicht bemerkt, ich dachte, ich sei völlig normal. Ich dachte, kein Mensch ist mit sich und seinem Aussehen zufrieden, und ich selbst sei einfach empfindlicher als andere.

„Ich habe mich unter Kleidung und Haaren versteckt“

Wie hat sich die Beschäftigung mit Ihrem Aussehen im Alltag bemerkbar gemacht?

Ich habe mich vor allem unter Kleidung, unter meinen Haaren versteckt. Weite, fließende Stoffe, am besten mehrere Schichten. So dunkel wie möglich, weil man überall zu lesen bekommt, das würde kaschieren. Ich habe darauf geachtet, meine vermeintlichen Makel zu bedecken oder mit etwas Anderem von ihnen abzulenken. Ich habe oft Verabredungen abgesagt, weil ich überzeugt war, anderen nicht unter die Augen treten zu können. Ich habe mich oft eine halbe Stunde ständig aus- und wieder angezogen, weil ich nichts fand, in dem ich mich hinaus getraut hätte. Oft bin ich zu spät gekommen oder habe letztendlich abgesagt. Ich bin nur im Dunkeln joggen gegangen. Unternehmungen mit Freunden im Sommer waren kaum möglich. Es war eine Qual, die Freunde meiner Partner kennenzulernen. Ich war immer sicher, insgeheim würden mich alle wegen meines Aussehens auslachen und meinen Partner dafür verurteilen, dass er ausgerechnet mit mir zusammen ist. Ich habe immer Angst, meinen Partner zu verlieren. Die KDS sagt mir, dass ich hässlich bin und jeder andere Mensch besser aussieht und für meinen Partner wertvoller ist als ich.

Welche Situationen fallen Ihnen besonders schwer?

Sport, Treffen mit Freunden außerhalb meiner Wohnung, Ausgehen, Unternehmungen draußen, wenn es warm ist, neue Menschen kennenzulernen.

An welchem Punkt haben Sie psychotherapeutische Hilfe gesucht?

Ich habe einen Aufruf der Uni Münster zu einer Studie im Zusammenhang mit der KDS entdeckt. Ich habe an der Studie teilgenommen und gemerkt, dass ich hier richtig bin. Obwohl ich erleichtert war und nun viel besser informiert, brauchte es noch eine 2. Studie, bis ich bereit war, mich in Behandlung zu geben.

Was hat sich geändert, seitdem Sie die Therapie machen?

Ich kann jetzt Sportkurse besuchen oder joggen gehen, wenn es hell ist und ich Menschen begegne. Das gibt mir viel Lebensqualität zurück. Es ist nicht immer einfach und es funktionieren nicht alle Sportarten oder Sportkurse. Bis ich schwimmen gehen kann, wird es noch lange dauern. Aber ein Anfang ist gemacht.

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