Museum für Naturkunde

Schau „Beziehungskisten“: Ekel-Alarm in Küche und Bad

Schau mir in die Augen, Kleines! Charlotte trifft Ratte – nur einer von einigen Schockern im Museum in Münster.

Schau mir in die Augen, Kleines! Charlotte trifft Ratte – nur einer von einigen Schockern im Museum in Münster.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Münster.  Fruchtfliegen, Lebensmittelmotten, Silberfischchen, gar Mäuse und Ratten – was unter deutschen Decken steckt, will man gar nicht so genau wissen.

Wer hätte gedacht, dass so viel Leben in und um uns herum steckt? Es herrscht ein einziges Miteinander überall in unserer Umwelt, dem wir auf Gedeih und Verderb ausgesetzt sind. „Beziehungskisten – Formen des Zusammenlebens in der Natur“ hat das LWL-Museum für Naturkunde in Münster deshalb seine aktuelle Sonderschau genannt. Und wäre das Landesmuseum mit dem angeschlossenen Planetarium in den gerade angebrochenen Herbstferien nicht ohnehin schon einen Tagesausflug mit der Familie wert, dann müsste man noch extra betonen, dass die „Beziehungskisten“ einen besonderen Nervenkitzel bieten. Denn im Miteinander von Mensch und Tier, Tier und Tier, Tier und Pflanze sowie Mensch und Pflanze gibt es einige Konstellationen, die wenig erfreulich sind.

Fangen wir mal mit jener Küchenzeile an, die in Münster ausgestellt ist. Dort beginnt das etwas unangenehme Zusammenleben mit sehr kleinen, harmlosen Lebewesen, nämlich mit den lästigen Fruchtfliegen. Lebensmittelmotten, Silberfischchen, gar Mäuse oder Ratten kann es in Küchen geben – und einige weitere Schädlinge, die man dort besser selbst entdeckt. Ekel-Alarm!

Die Schau zeigt das Zusammenleben in Schwärmen, so hängt ein großer Schwarm Heringe unter der Decke, der den einzelnen Fischen das Überleben erleichtert, schließlich erscheint so ein Zusammenschluss von schwachen Fischen viel stärker, wenn ein Raubtier kommt – eine Strategie, die auch die Vögel kennen.

Grusel-Krebs steuert Strandkrabbe fremd

Es geht zudem um Paarbeziehungen im Tierreich. Und um unschöne Paarungen eher parasitärer Natur. So wird eindrucksvoll die unheimliche Geschichte des Sacculina-Krebses erzählt, der in der Nordsee lebt. Dieser kleine Krebs dringt durch eine schwache Stelle im Panzer etwa einer Strandkrabbe ein, injiziert einen Zellhaufen. Der breitet sich im Körper der Krabbe aus – und übernimmt schließlich komplett die Kontrolle. Der Körper der Strandkrabbe ist fremdgesteuert. Gruselig.

Weiter geht’s: „Das hier ist ein Rattenkloster“, erklärt Bianca Fialla, Öffentlichkeitsarbeiterin des Museums, angesichts eines gewaltigen Holzkastens, um den sich viele Ratten tummeln: eine Riesen-Falle, wie sie früher eingesetzt wurde. Ihren Ruf als Verbreiterin der Pest hat die Ratte ebenfalls durch ein Zusammenleben, denn die Seuche wurde durch die Flöhe im Fell übertragen.

Wer durch die Schau geht, erfährt auch mehr über Viren wie HIV – und wie sie andocken und sich im Körper verbreiten. Und er erhält Einsichten in unser schräges Verhältnis zu den Tieren. So werden Haustiere wie Hunde und Katzen oft bis zum Gehtnichtmehr verhätschelt. Im Gegensatz dazu gehen wir geradezu monströs mit unseren Nutztieren wie Schweinen und Hühnern um, die in Massentierhaltung oft unwürdig gehalten werden, nur um anschließend unterm Schlachtbeil zu landen.

Selbst im Schrebergarten, einer der letzten Stationen der Ausstellung, tun wir Dinge, um manche Tiere zu bekämpfen und andere zu erhalten. „Wir lieben und wir hassen sie“, beschreibt Bianca Fialla unsere Gefühlswelt. Wie das eben so ist in „Beziehungskisten“.

LWL-Museum für Naturkunde, Westf. Landesmuseum mit Planetarium, Sentruper Str. 285, Münster, 0251/59105, di-so 9-18 Uhr, Eintr. 7,50 € Erwachsene, Minderj. frei. Die „Beziehungskisten“ laufen bis 27. September 2020.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben