Pokern mit Charles Bronson

TV-Star Horst Janson: „Es gibt Wichtigeres als Fernsehen“

Ui-ui-ui-ui! Die „Sesamstraße“ mit Lilo Pulver und Horst Janson (rechts).

Ui-ui-ui-ui! Die „Sesamstraße“ mit Lilo Pulver und Horst Janson (rechts).

Foto: Thorsten Ahlf

Hagen.  Von Bär Samson bis Charles Bronson, aus der Sesamstraße zum Pokern mit den Hollywoodstars: Horst Janson spricht über seine verrückte Karriere.

Er zählte zu den bekanntesten TV-Gesichtern der Republik und steht immer noch auf der Bühne. Bevor Schauspieler Horst Janson (84) diese Woche in Hagen den Preis des Kurzfilmfestivals „Eat My Shorts“ für sein Lebenswerk bekommt, spricht er im Interview über seine verrückte Karriere, Charles Bronson, Enkel und Netflix.

Pokern mit Charles Bronson

Lieber Herr Janson, was trifft einen eigentlich härter: der Preis für das Lebenswerk oder die irgendwann unvermeidbare „Was macht eigentlich...“-Frage?

Ich verstehe, worauf Sie hinauswollen. Solche Auszeichnungen gibt es meist kurz vor dem Tod, das hat einen gewissen Beigeschmack. Aber ich freue mich trotzdem – das ist ein toller Preis und meine Fans sind mir immer treu geblieben.

Und, was machen Sie eigentlich so?

Ich habe gerade eine Theater-Tournee abgeschlossen, die mich mit Proben und Auftritten seit September quer durch das ganze Land führte. „Bis zum Horizont, dann links“, das gab es ja auch schon als Kinofilm. Damit habe ich mein Jahr abgeschlossen, was die Arbeit anbetrifft.

Nochmal zum Lebenswerk. Ich bin wie so viele mit Ihnen in der „Sesamstraße“ aufgewachsen, Sie waren für alle Deutschen „Der Bastian“, spielten aber auch mit Hollywood-Stars. Zuletzt hörte man indes von Schulden und Privatinsolvenz – an was soll man sich später bei Horst Janson erinnern?

Es gibt natürlich nicht nur Höhenflüge im Leben, aber auch die Tiefpunkte sind Gott sei Dank überstanden. Ich bin ein prinzipiell positiver Mensch und erinnere mich selbst gerne lieber an die schönen Dinge.

Was waren denn die schönsten?

Meine Hauptrollen im englischen Fernsehen, wie „Captain Kronos – der Vampirjäger“, ein Kultfilm, der meines Wissens nach leider nie bei uns gelaufen ist. Aber kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht immer noch Briefe aus aller Welt kriege.

Sie hatten ja auch Partner von Peter O’Toole bis Bär Samson, von Tony Curtis bis Charles Bronson...

Ja, mit Curtis und Bronson hatte ich meinen internationalen Einstieg: „Zwei Kerle aus Granit“. Gedreht wurde in Italien. Anders als heute, wo immer alles schnell gehen muss, hatten wir sehr viel Zeit, ein Viertel Jahr. Wir haben dann Poker gespielt. Weil die aber ohne Limit spielten, konnte ich nicht mithalten. Da hatten sie ein Einsehen und haben extra für mich ein Limit vereinbart.

Nette Geste.

Überhaupt muss ich sagen, dass gerade die sogenannten großen internationalen Stars anders als manche Möchtegerns meist sehr umgänglich, freundlich und kollegial waren.

In Hagen ist ja alles eine Nummer kleiner. Sie dürfen sich immerhin auch ins Goldene Buch eintragen.

In Hagen habe ich schon Stadttheater gespielt, bevor wenig später der Boden zusammengebrochen ist. Das muss weit über 30 Jahre her sein; ich erinnere mich aber gut, weil wir in einem Hotel gewohnt haben, das „Wasserloses Tal“ geheißen hat.

Träumen Sie eigentlich noch von dieser einen letzten großen Rolle?

Für große Rollen bin ich immer offen. Es ist nur so, dass die großen Rollen leider nicht alltäglich sind.

Verfolgen Sie denn die neuen Fernseh-Möglichkeiten wie Streaming?

Hin und wieder, wenn ich im Öffentlich-Rechtlichen nichts finde. Aber ich sehe nicht jeden Tag fern, allein die Sucherei nach einem gescheiten Programm… – so wichtig ist mir das auch nicht mehr! Ich beschäftige mich lieber mit anderen Dingen. So ist das wohl, wenn man älter wird.

Womit denn, wenn ich fragen darf?

Ich interessiere mich sehr für Politik und Weltgeschichte, habe alle möglichen Zeitungen auf meinem Tablet oder recherchiere im Internet. Außerdem freue ich mich seit zwei Wochen über meine erste Enkelin, was ein Grund mehr ist, weniger Fernsehen zu schauen. Und ich gehe gerne auf Festivals. Wie jetzt in Hagen. Da freue ich mich drauf.

„Eat My Shorts“ heißt es – frei nach Bart Simpsons Spruch – zum 7. Mal in Hagen. „Shorts“ steht hierbei aber für Kurzfilme . Zum Eröffnungsfilm „Momella – eine Farm in Afrika“ am Freitag, 28. November, um 19.30 Uhr im CineStar (Springe 1) sind die Hauptdarsteller Christine Neubauer und Horst Janson anwesend – beide sitzen auch in der Jury, genau wie u.a. Claude-Oliver Rudolph und Bernd Herzsprung. Weitere Gäste: Martin Semmelrogge, Uwe Fellensiek, Klein-Hape Julius Weckauf u.v.m. Der Rote Teppich für das Festival am Samstag, 29. November, beginnt um 17.30 Uhr – diesmal am Stadttheater Hagen (Elberfelder-Str. 65). Es gibt noch Restkarten (13 Euro). Ein filmischer Austausch bildet Sonntag den Abschluss.

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