Kolumne: Geschenkt

Wer bremst die E-Bikes? Das Leben auf der Überholt!-Spur

 

 

Foto: Funkemedien

Radeln war mal ein netter Sitz-Sport. Jetzt sind einigen Bikern die PS zu Kopf gestiegen. Bald regiert auch auf deutschen Radwegen die Lichthupe.

Die Welt ist mir insgesamt zu schnell. Schon regen sich alle über E-Scooter auf, da hadere ich noch mit den E-Bikes. Die offiziell Pedelecs heißen, was aber keiner sagt. Wenn es nach mir ginge, hießen sie B-Bikes. B wie Biester.

Radfahren war mal eine freundliche Form der Fortbewegung. Sitzend! Sozusagen der Mittagsschlaf unter den Sportarten. Dann wurden Drahtesel zu Hightech-Männerfantasien und Fahrräder so teuer wie Autos. Typen in bunten, blickdichten Ganzkörper-Strumpfhosen schafften 50 km/h.

Ich trödelte weiter auf zwei Rädern und genoss hartnäckig die Landschaft... bis hinter mir dieses „Ssssurrrr!“ ertönte. Anfangs dachte ich, da näherte sich eine Kehrmaschine oder ein Tesla. Es waren allerdings Menschen, die noch ein paar Jahre älter waren als ich – auf pfeilschnellen Fahrrädern.

E-Bike-Motoren sind wie Toupets

Mit der Zeit wurmte mich das Leben auf der Überholt!-Spur. Wenn diese Midlife-Crisis-Kerle hier Zweirad-Porsche spielen müssen, bitteschön. Aber dass man am Rhein alle 300 Meter von surrenden Senioren abgehängt wird, nagt am Selbstvertrauen. Erst voriges Jahr in Österreich erlöste mich meine Familie aus der Unwissenheit.

Es ging steil bergauf, da hängte uns eine radelnde Rentner-Gruppe mit erstaunlichem Tempo ab. Ich erstarrte wieder in Ehrfurcht, philosophierte über die Zähigkeit alpenländischer Bergvölker – als Mann und Tochter mich unterhakten: „Ach Mutti, das waren E-Bikes!“ Endlich surrte es auch in meinem Schnecken-Hirn: Wie konnte ich das übersehen?

Ganz einfach. E-Bike-Motoren sind wie Toupets – am liebsten diskret. Ich fühlte mich wie der ewige Loser der Tour de France, der Jahre später erfährt, dass alle anderen gedopt waren. Gut, schalten wir einen Gang runter: Ist ja in Ordnung, dass ältere Menschen (oder Zum-Beruf-Radler) sich das Leben erleichtern. Doch kann es sein, dass manche was verwechseln? Motor mit Muskelkraft? Dass sie die geborgten PS plötzlich persönlich nehmen?

Freie Fahrt für freie E-gomanen!

Ich sehe oft klitzekleine Formel-1-Pokale im Auge der Herren und Damen aufblitzen. Und es gibt E-dioten, die trotz breiter Radwege dicht auffahren und beim Überholen grinsen, als führe ich mit Stützrädern. Bald werden Bikes mit Lichthupe angeboten.

Wäre eine gute Gelegenheit, den Verkehrsminister Scheuer von der Straße zu holen und mit einem Detail-Gesetz zu beschäftigen (während die großen Verkehrsfragen von erwachsenen Grünen gelöst werden): Ich fordere die Enttarnung der E-Bikes, Motoren in Leuchtfarben, entlarvendes Knattern und das Verbot, rechts zu überholen, links auch. Alternativ könnte man sich einen E-Scooter leihen und die Verfolgung aufnehmen. Nach der unverwüstlichen ADAC-Philosophie: Freie Fahrt für freie E-gomanen!

E-Bike, Fahrradladen, ca. 3000 €

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