Fälschungen

7000 Euro für einen Max Liebermann

Foto: privat

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Hagen. Jedes zweite Kunstwerk ist gefälscht, schätzen Kriminialisten. Picasso, Chagall, Dali sind bei Betrügern besonders beliebt. Nun soll ein Maler aus Niedersachsen sogar ganze Lebensläufe von Künstlern frei erfunden haben, um seine eigenen Werke besser zu verkaufen.

Cara Gano ist in Frankreich geboren, hat in Madrid Kunst studiert, lebt in Berlin, malt abstrakte Werke, Acryl auf Leinwand. Eine Kunst-Figur. Der Maler Tom Sack hat sie erfunden, um unter dieser Legende seine eigenen Bilder gut zu verkaufen. Erdichtet hat er angeblich auch die beiden Berliner Künstler Ernst Cuno und Joe Kapingo.

Das alles wirft ihm die Staatsanwaltschaft Bückeburg vor. Sie hat nun Anklage gegen den 27-Jährigen erhoben wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung. Insgesamt werden Tom Sack 201 Straftaten zur Last gelegt. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jahren, erklärt Oberstaatsanwalt Jochen Schmidt.

Bot selbst mit

Um den Preis für die Bilder von Cara Gano in die Höhe zu treiben, soll Tom Sack 2005 sogar ein von ihm selbst gemaltes Cara-Gano-Bild für 500 Euro ersteigert haben. Wert sei das Oeuvre eigentlich mehrere tausend Euro, eine „unschlagbare Geldanlage” - so pries Tom Sack die Werke bei E-Bay an. Die Käufer boten teils mehr als 700 Euro dafür.

Dass Cara Gano frei erfunden ist, bestreitet Tom Sack nicht einmal. Allerdings will er nicht seine eigenen Werke mithilfe dieses Decknamens verkauft haben. Vielmehr habe er als Galerist und Kunsthändler unter Pseudonym seine Lebensgefährtin als Künstlerin aufgebaut, um ihr Privatleben zu schützen.

Käufer erstattete Anzeige

Eine Ölstudie von Max Liebermann, angeblich signiert und wertvoll, hat Tom Sack ebenfalls im Internet versteigert. Eröffnungsgebot: ein Euro. Der Zuschlag erfolgte bei 7051 Euro. Der kunstinteressierte Laie ahnt, dass hier etwas nicht stimmen kann. Der Käufer kam offenbar auch irgendwann dahinter - und erstattete Anzeige.

Auch in diesem Fall nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass der 27-Jährige selbst den Pinsel geführt hat. Wie bereits vor einigen Jahren in Berlin: Damals verscherbelte Tom Sack eine frühe Studienzeichnung von Ce´zanne und eine „original Kohlezeichnung” von Kirchner.

Rechtfertigung

Ein Max Liebermann für einen Euro? Da hätte doch jedem klar sein müssen, dass es keine Echtheitsgarantie gibt, wehrt Tom Sack Vorwürfe ab. Zumal er im Internet darauf hingewiesen habe, dass es keine Gutachten zu dem Bild gebe und der Anbieter kein Experte sei.

Mitleid hat er offenbar nicht mit Käufern, die „vier- bis fünfstellige Summen bieten, ohne das Bild überhaupt gesehen zu haben”. Das seien offenbar Spekulanten, mutmaßt er, die mit dem Wiederverkauf Millionen verdienen wollten.

Er selbst versucht noch aus dem Strafverfahren Kapital zu schlagen. Tom Sack hat selbst die Medien darüber informiert. Vermutlich um bekannt zu werden - und vielleicht künftig unter eigenem Namen Bilder verkaufen zu können.

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