Allendorfer erwandern historische Route

Als Pferdeknecht durchs Sauerland

Foto: WP

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Sundern/Köln.Was mach' ich eigentlich hier? In historischer Kluft eines Pferdeknechtes vor etwa 200 Jahren neben dem nachgebauten Dreikönigsschrein von Allendorf (ein Ortsteil von Sundern) nach Attendorn zu gehen, ist enorm schweißtreibend im Spätsommer 2008. 25 Kilometer Sauerländer Rauf-und-Runter liegen vor uns.

Meinen schönen blauen Hut mit Pfauenfeder habe ich gleich wieder ins Auto gelegt, denn schon beim Warten auf die zwei Pferdefuhrwerke der Kutschen-Fahrgemeinschaft Endorf/Hagen schießt mir der Schweiß auf die Stirn. „Bestes Wetter, ich hab's gesagt”, raunt mir Anton Lübke, der Vorsitzende des Heimatvereins „Fickeltünnes” zu. Seit Monaten hat er mit dem SGV-Chef Johannes Sauer die Strecke geplant und die Übernachtungen auf den 110 Kilometern auf der historischen Route gebucht. Andere haben Teile der Strecke noch vor zwei Wochen abgelaufen. Dr. Manfred Gerhardt sorgt nicht nur für die Kranken im Tross, er hat auch die Entscheidungsgewalt an Kreuzungen, per GPS. Aber auch meine alte Wanderkarte, „Ebbegebirge” von 1968, zeigt den Weg bestens an. „Leider kommt das Auf-und-Ab da nicht so gut raus”, lacht Friedrich Freiburg, der das höllische Höhenprofil des Tages ausgearbeitet hat.

Nachdem Gemeindereferentin Barbara Fisch den Reisesegen erteilt hat, lösen die beiden Wagenführer die Bremse und das Abenteuer für 35 Allendorfer und die zehn Kutschenbegleiter beginnt. In sechs Etappen durch Sauerland und Bergisches Land führt der Weg auf der historischen Route des Fuhrmanns Friedrich Clute-Simon von 1803 Richtung Kölner Dom. Stationen sind Attendorn, Meinerzhagen, Lindlar, Herkenrath und Köln-Brück. Am Sonntag treffen sich schließlich Wanderer und Kutschen mit etwa 300 weiteren Allendorfern an der Deutzer Brücke, um unter Polizeischutz zum Dom zu ziehen. Vor 205 Jahren jubelten die Kölner - so ist es überliefert. Aber zurück auf die Strecke: Nach munterem Start im Sorpetal trennen sich Wagen und Wanderer erstmals in Hagen vor dem Hohen Lenscheid. Erst kurz vor Attendorn treffen sich beide Gruppen, um dann die erste Etappe auf dem Marktplatz gemeinsam zu beenden: „Wir müssen mit den Kräften haushalten”, meint Kutschenfahrer Alfred Schmalor. In Reitställen werden die vier Kaltblüter unterwegs versorgt, die Wanderer schlafen in Hotels.

Schweißtreibend wird dann der Aufstieg zum südlichsten Stück Sundern, der Hohen Wibbecke (542 Meter). Mit Schwung ins Tal und gleich hinter der Paseler Lennebrücke stellt sich der Bärenberg in den Weg: Von 221 Meter führt der Weg über 300 Höhenmeter nach Landemert und weiter zum „Höchsten”. Bei der Mittagsrast herrscht Schweigen, jeder geht seinen Gedanken nach und simuliert schon mal den weiteren Weg über Hückelkes, Hügel und echte Berge bis nach Köln. Unten im Tal wartet mein Taxi nach Sundern: „Leider”, denke ich, ich wäre gern dabei gewesen bis zum Dom.

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