Finanzen

Bankberatung: Neue Blamage für Institute

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Hagen. Auch ein Jahr nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers lässt die Finanzberatung deutscher Banken laut Stiftung Warentest zu wünschen übrig. Bei verdeckten Beratungsgesprächen erhielt keine der 21 Banken das Qualitätsurteil gut oder sehr gut.

Von den getesteten Großbanken, Sparkassen und Raiffeisenbanken seien lediglich drei mit knapp befriedigend bewertet worden, berichtet Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest.

Schlechtes Ergebnis

16 Banken erhielten die Note ausreichend, zwei Banken sogar ein mangelhaft. Das Ergebnis falle so schlecht aus, weil die Banken ihren Kunden in den meisten Fällen der Testgespräche gesetzlich vorgeschriebene Informationen vorenthalten hätten, bemängelt Finanztest .

Der Sparkassen- und Giroverband und der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken, in diesem Jahr Sprecher der deutschen Kreditwirtschaft, erklärten dazu gleichlautend: „Die Kreditwirtschaft nimmt die aktuelle Untersuchung von Finanztest zur Qualität der Anlageberatung ernst." Der Trend in der Kreditwirtschaft gehe aber zu „ganzheitlichen Beratungskonzepten", die offenbar noch nicht ganz und mit aller Konsequenz umgesetzt würden.

Katastrophale Beratung

Eine gute, umfassende Beratung erfordert laut dem Zentralen Kreditausschuss ein Miteinander von Banken und Kunden. Dorothea Mohn, Referentin für Geldanlage und Altersvorsorge beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, äußert sich aufgebracht über das Verhalten der Finanzberater: „Der aktuelle Test belegt, dass die Beratung immer noch katastrophal schlecht ist. Und das, obwohl die Banken immer wieder bekunden, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben."

Der Test führe vor Augen, dass immer noch gesetzlicher Handlungsbedarf bestehe. Die schlechte Bankberatung sei „kein Luxusproblem".

Kein Luxusproblem

„Ein gesetzlicher Rahmen muss sicher stellen, dass die Menschen richtig beraten werden. Es sollte eine aktive Kontrolle der Beratung geben", erklärt sie. Dorothea Mohn kann über die Stellungnahme der Banken nur den Kopf schütteln. „Ich finde das peinlich. Die Banken werden von sich aus nichts ändern. Der Gesetzgeber muss es tun." Die Banken würden sich nicht eingestehen, dass sich etwas ändern müsse.

Justiziar Hans-Joachim Albilt vom Bund der Bankkunden wünscht sich ein besseres Verhältnis zwischen Kunden und Banken. Er sieht beide Seiten: Der Kunde möchte eine renditestarke Anlage und überlässt dem Berater die Wahl. Der Bankberater kann allerdings nur Anlagen verkaufen, die seine Bank anbietet.

Banker haben leichtes Spiel

„Der Banker weiß häufig selber nicht, was er für eine Anlage vor sich hat, aber er muss sie verkaufen", erklärt der Jurist. „Der Kunde sollte sich nicht wie ein unmündiges Kind behandeln lassen. Er sollte eine unabhängige Beratung einholen. Sonst hat der Banker leichtes Spiel."

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