Sport- und Freizeitgerätehersteller

Bei Kettler soll es wieder aufwärts gehen

Kettler-Beschäftigte lassen nach einer Betriebsversammlung in Werl Luftballons mit bunten Dankkärtchen steigen.

Kettler-Beschäftigte lassen nach einer Betriebsversammlung in Werl Luftballons mit bunten Dankkärtchen steigen.

Foto: Funke Foto Services

Werl.   Unternehmen verbreitet bei einer Betriebsversammlung Aufbruchstimmung. Belegschaft und Gewerkschaft danken der Firmeninhaberin und der Politik. Neue Produkte

Rote Luftballons lassen sie zum Abschluss einer Betriebsversammlung vor der Stadthalle in Werl aufsteigen, die Mitarbeiter des Sport- und Gartenmöbelherstellers Kettler. Nach langen Jahren der Krise soll es wieder aufwärts gehen beim (noch) insolventen Kettcar-Hersteller aus Ense-Parsit. Die Mitarbeiter tragen diese Aufbruchstimmung mit, sie glauben wieder an die Zukunft des Unternehmens. „Wir haben alle die Hoffnung, dass es funktionieren könnte“, sagt etwa Thomas Lork, sichtlich gut gestimmt. Das ist auch Josef Wittkamp, der sich freut, „nachts endlich wieder schlafen zu können“.

Dank an Firmeninhaberin und Landespolitik

Zum 1. April beendet die Heinz Kettler GmbH & Co KG das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, wie das Unternehmen gestern Mittag mitteilte; der Geschäftsbetrieb laufe danach „uneingeschränkt weiter“. Eine Landesbürgschaft über 30 Millionen Euro, Ende Januar bewilligt, und der Rückgriff auf das Privatvermögen durch Firmeninhaberin Karin Kettler waren Grundlage dieser Rettung; die Einigung der Gläubiger am 29. Februar hatte endgültig den Weg frei gemacht. Den von der IG Metall spendierten Luftballons waren deshalb bunte, kleine Kärtchen angehängt. Unter der Überschrift „Wir haben es geschafft!“ wird darin „besonders Dr. Karin Kettler und den politischen Verantwortlichen“ gedankt.

Einige Luftballons allerdings schaffen es nicht nach oben, ihnen geht vorzeitig das Helium aus. Sinnbild dafür, dass 198 Mitarbeitern gekündigt werden musste – die entsprechenden Schreiben sind bereits verschickt. Einige der Betroffenen waren in die Stadthalle gekommen. „Kettler hat vielleicht eine Zukunft, ich hier aber nicht mehr“, klagt einer. Für ihn ist bereits Ende des Monats Schluss.

Ein erster Sanierungsplan hatte noch 400, also doppelt so viele Stellenstreichungen vorgesehen. Dass weniger Mitarbeiter gehen müssen, ist ein Erfolg, den sich auch die Arbeitnehmervertreter ans Revers heften dürfen. „Das hat viel Kraft gekostet“, blickt der IG-Metall-Bevollmächtigte Torsten Kasubke zurück, „aber es hat sich gelohnt“. Schließlich bleiben 750 Stellen erhalten, „wichtige und gute Arbeitsplätze für die Region“, sagt der Gewerkschafter mit Blick auf die gezahlten Tariflöhne und die guten Arbeitsbedingungen.

Für eine Gesundung räumt Kettler an seinen Standorten kräftig auf. Der Standort in Kamen wird geschlossen, Lager und Logistik gehen nach Werl. Das Werk in Ense-Parsit schließt und wird nach Werl verlagert. Konstruktion und Entwicklung werden auf Parsit konzentriert, so dass dort künftig mit Verwaltung insgesamt etwa 180 Beschäftigte für Kettler arbeiten. Alleiniger Produktionsstandort wird Werl. Bis April 2017 soll dieser Umbau abgeschlossen sein.

Komplett abgegeben wurde die Fahrradsparte mitsamt Namensrechten und Werk im saarländischen Hanweiler, an den Zweirad-Fachhandelsverband ZEG. Der langjährige Kettler-Vertriebspartner war gerade auf der Suche nach einem Produktionsstandort in Deutschland. „Das passt einfach“, freut sich Kasubke über diese Zusammenarbeit; für Kettler selbst war die Fahrradsparte am Ende „einfach zu klein“. Die ZEG führt die Produktion in Hanweiler fort und sichert auch den Erhalt der dortigen Arbeitsplätze zu. Lauf- und Dreiräder sowie Biketrainer übrigens gehören nicht zur Fahrradsparte und verbleiben bei Kettler. Erstere gehören (wie das legendäre Kettcar) zum Bereich Kettler Spiel und Kind; die Trainingsgeräte zählen zum Geschäftsbereich Kettler Sport. Die Freizeitmöbel bilden den dritten Geschäftsbereich.

Neue Produkte sollen Zukunft sichern

Für eine bessere Zukunft sollen auch neue Produkte sorgen, individualisierte Gartenmöbel etwa oder innovative Sportgeräte. „Der Kunde ist König“, sagt dazu der Werler Betriebsratsvorsitzende Michael Heierhoff. Sicherlich keine ganz neue Erkenntnis. Aber vielleicht eine, die Kettler wieder auf die Beine hilft.

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