„Das Wahrste ist der Verlust“

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Der Hagener Künstler Ernst Meister.

Der Hagener Künstler Ernst Meister.

Foto: WR

Hagen.   Mit Veranstaltungen, Preisen, Ausstellungen und Veröffentlichungen wird an diesem Wochenende und darüber hinaus an den 100. Geburtstag des Hagener Künstlers Ernst Meister (1911-1979) erinnert.

Mit Veranstaltungen, Preisen, Ausstellungen und Veröffentlichungen wird an diesem Wochenende und darüber hinaus an den 100. Geburtstag des Hagener Künstlers Ernst Meister (1911-1979) erinnert.

Der renommierte Suhrkamp Verlag in Frankfurt hat es sich nicht nehmen lassen, zum Jahrhundertdatum einen Band mit Gedichten Ernst Meisters aufzulegen (150 S., 13,90 Euro). Ausgewählt hat die Sammlung der Schriftsteller Peter Handke, einer der ausgewiesen besten Kenner der Meister-Lyrik, die im übrigen bei Suhrkamp seit 1985 in insgesamt 17 Bänden komplett erschlossen worden ist.

In einem Vorwort rühmt Handke „das wilde Todes- und Sterbenmüssensbewusstein“ seines traurig-poesievollen Kollegen, das eben „das ganze Erdendasein des westfälischen Dichters bestimmt und getönt hat“.

Peter Handkes verkopfte Wortwahl zielt treffsicher auf die Gedankenwelt Ernst Meisters, dem, bei allem Respekt, eine heitere Leichtigkeit des Lebens nicht gerade nach gesagt werden kann. Dazu hier drei Meister-Kostproben:

Morgen

ist das Gewesene.

das Wahrste ist der Verlust.

Im Weltraum

zeugenlos Schmerz.


Und:

Malt

ein Grab

und ein Kind darin

und malt

eine Riesin, die

die Arme schwingt

über dem Grab.


Und:

Nimm die Dinge

als gegeben von seiten

bündiger Natur,

die aus dem,

was sie hat

Lebendiges zimmert.

O Mensch.


Fern, schier allzu fern scheinen solche Verse in unsere atemlose, vielfach auch oberflächliche Zeit kaum mehr zu passen; entsprechend ausgesucht und zumeist intellektuell ist der Kreis der Kenner und Liebhaber des Werkes von Ernst Meister.

Zu Lebzeiten u. a. ausgezeichnet mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis (1957), dem großen NRW-Kunstpreis (193, dem Petrarca-Preis (1976), dem Rainer-Maria-Rilke-Preis und posthum auch noch dem Georg-Büchner-Preis zählt Ernst Meister fraglos zu den bedeutendsten Dichtern unseres Landes nach 1945.

Weniger bekannt, gleichwohl ebenfalls hochtalentiert, war das malerische Schaffen des kreativen Hageners, das weit über 1000 Arbeiten umfasst. Dr. Barbara Rüschoff-Thale, die Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe urteilt darüber: „Die Bilder des Lyrikers sind keine Illustrationen zu den Gedichten, sondern stellen ein eigenständiges künstlerisches Werk da. Meister kann im Kreise der Doppelbegabungen in Literatur und bildender Kunst gesehen werden, wie etwa Günter Grass, Hermann Hesse oder Arthur Rimbaud“.

- In Anerkennung dieses Schaffens zeigt das Landesmuseum Münster ab heute bis zum 27. November eine Ausstellung zum grafischen Werk Ernst Meisters.

- Das Hagener Programmkino Babylon widmet am heutigen Freitag, 2. September dem Lyriker ab 20 Uhr einen Filmabend mit und über Ernst Meister und seine Heimat an der Volme.

- Am Samstag, 3. September, wird um 18 Uhr im Hagener Rathaus die diesjährige Verleihung des mit insgesamt 13 000 Euro dotierten Ernst-Meister-Preises an Marion Poschmann, sowie Förderpreise für Daniele Seel und Jan Skudlarek im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung vorgenommen.

- Ab 20.30 Uhr findet dann anschließend im Hagener Kunstquartier am Museumsplatz eine „Lange Nacht der Poesie“ mit Gedichten, Musik und Geschichten statt.

- Am 14. September gestalten ab 19 Uhr in der Fernuni Hagen Peter Schütze und Kriszt Kiss eine poetische Begegnung mit Ernst Meister und Gottfried Benn.

- Am 16. November schließlich werden die aktuellen Ernst-Meister-Preisträger um 20 Uhr im Westfälischen Landesmuseum in Münster aus ihren Werken lesen.

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