Urlaub

Die Deutschen halten sich bei der Urlaubsbuchung zurück

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Hagen. In Zeiten der Finanzkrise geht für die Tourismusindustrie die Reise in eine sorgenvolle Zukunft. Weil die Nachfrage nach Urlaubsreisen spürbar nachgelassen hat, streichen die Airlines in der Sommersaison ungewöhnlich viele Ferienflüge.

„Bitte stellen Sie sich darauf ein, dass es in den nächsten Wochen verstärkt zu Umbuchungen kommt”, heißt es in einem Schreiben des Branchenprimus' TUI an Reisebüros, das der WESTFALENPOST vorliegt. Und weiter: „Wir wissen, dass die Situation für uns alle eine große Herausforderung darstellt.”

Flug- und Flugzeitenänderungen

In der TUI-Pressestelle will man nicht um den heißen Brei herumreden. Ja, bestätigt Mario Köpers, im Ferienflug drohten Umdisponierungen, sprich: Flug- und Flugzeitenänderungen in ungewöhnlich großem Ausmaß. Alle großen Reiseunternehmen reduzierten ihre Flugkapazitäten, das kann z.B. heißen: ein Reiseziel wird von einem Flughafen aus seltener oder mit Zwischenstopp angeflogen.

„In der Wintersaison haben wir unsere Flugkapazitäten bereits um 17 % reduziert, für den Sommer gehen wir von 14 % aus”, sagt Köpers und spricht von einer Maßnahme zur Marktberuhigung. Man wolle verhindern, Überkapazitäten „verramschen” zu müssen. „Bei uns gilt das Prinzip „Marge statt Menge”.

11 Prozent Buchungsrückgang für den Sommer befüchtet

Der Reise-Riese verzeichnet im Wintergeschäft einen Buchungsrückgang um 5 %. Für den Sommer werden 11 % befürchtet. Bislang gut laufen Ziele wie Türkei, Kapverden, Malediven, Nordamerika und Deutschland (Köpers: „Vielleicht liegt es an der Abwrackprämie. Die neuen Autos wollen auch bewegt werden”). Deutlich unter den Vorjahreszahlen liegen Griechenland und Spanien (auch Mallorca).

„Deutschland sitzt auf gepackten Koffern, aber zögert noch”, fasst der TUI-Sprecher die Zurückhaltung (vor allem Familien) zusammen. Deshalb hat man die Frühbucher-Rabatte bis Ende April verlängert - und offeriert zusätzliche Angebote. Wie neue Schnäppchen herangeholt werden, erklärt Nina Kreke von Thomas Cook und Condor, so: Manche Hoteliers (z.B. in Ägypten, Türkei) hätten auf neue Zielgebiete (z.B. Russland) gehofft und die Preise angehoben.

„Schrumpfen ist kein langfristiges Erfolgsrezept” Cord Schellenberg

Wegen der globalen Wirtschaftskrise bekämen sie jetzt aber nicht ihre Häuser voll. Also stießen Thomas-Cook-Vertreter bei ihren kürzlichen Besuchen auf offene Ohren - und auf offenbar deutliche Preisnachlässe. Nina Kreke, die für Condor nur „minimale” Flugstreichungen erwartet: „Die erfolgreichen Nachverhandlungen mit den Hotels machen den Kunden die Reiseentscheidung leichter.”

„Last Minute wird der Gewinner sein” Cord Schellenberg

Die Aussage von Reisekonzernen, durch eine verringerte Zahl an Flügen könnte es weniger Kurzfrist-Angebote geben, hält Tourismus-Experte Cord Schellenberg für unbegründet: „Last Minute wird der Gewinner sein. Die Leute warten auf Spätbucherrabatte. Es wird gute Preise geben.” Freilich: Nur billig locke die Menschen auch nicht in den Urlaub. „Wer bisher seine Affinität zu Afrika oder Osteuropa nicht entdeckt hat, wird in der Krise nicht plötzlich wegen günstiger Preise buchen.” Gerade jetzt vertrauten die Bundesbürger auf Bewährtes. Dabei würden sie zunehmend individueller buchen, sich häufiger Flug und Hotel im Internet suchen. „Für Reisebüros bedeutet das, dass es nicht reicht, nur einen Prospekt aus dem Regal zu holen.”

Trotz der Durststrecke macht Schellenberg, der ein ausuferndes Streichen von Flügen nicht nachvollziehen könnte („Schrumpfen ist kein langfristiges Erfolgsrezept”), der Branche Hoffnung. Die Entwicklung der Reiseindustrie verlaufe zyklisch. „Alle sieben bis zehn Jahre gibt es ein Tief. Aber im darauffolgenden Jahr ziehen die Buchungen wieder kräftig an.”

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