PC-Spiel

Die ganze Welt steht auf das virtuelle Winterberg

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Flammen lodern aus dem Fenster des Wohnhauses. Überall Rauch. Die Winterberger Feuerwehr rückt aus. Ebenso Notarzt und Polizei. Sirenenlärm, überall blinkende Lichter. Zum Glück keine Realität. Alles spielt sich auf dem PC-Monitor von Danny Homm ab.

Der 32-Jährige ist Mitglied der Feuerwehr Winterberg und zudem begeisterter Fan des Computer-Spiels "Emergency 4". Der Spieler übernimmt hier die Kontrolle von Rettungseinsätze: Ob ein Hausbrand, ein Zugunglück oder eine Geiselnahme - der Spieler muss die Rettungsmaßnahmen koordinieren und die Situation lösen. Genau das richtige Spiel für den leidenschaftlichen Feuerwehrmann.

Nur eines störte ihn immer: Warum kann man nicht die originalen Fahrzeuge aus Winterberg und Umgebung steuern? Also machte er sich an die Arbeit und schuf die "Winterberg-Modifikation". In dieser ist nun alles auf Winterberg und Umgebung zugeschnitten. Die Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Polizei ähneln den Originalen bis ins Detail. Die Feuerwehrwache Winterberg ist ins Spiel integriert. Wenn ein Fahrzeug ausrückt, schallt aus den Boxen die Stimme: "Löschzug Winterberg rückt aus." Auch neue Einsatzarten integrierten Homm und sein Team, so dass jetzt virtuell die Schäden des Sturms Emma bekämpft werden können.

Unterstützt wurde Homm unter anderem von einem Arzt aus Trier, der in seiner Freizeit die komplizierten Programmierarbeiten übernahm, und einem Kripo-Beamten aus dem Land Brandenburg, der sich als Fachberater für die Polizei-Einsätze zur Verfügung stellte.

2005 begann er zunächst damit, einzelne Autos umzulackieren. "Ich hab mir gedacht, da muss ja auch noch mehr gehen", erklärt Homm. Mittlerweile kann sich jeder über das Internet die Winterberg-Erweiterung kostenlos herunterladen. Um diese zu spielen, wird jedoch das Original-Spiel "Emergency 4" benötigt.

Die Nachfrage und Reaktionen übertrafen alle Erwartungen von Danny Homm. In der ganzen Welt werden mittlerweile die Winterberger Einsatzfahrzeuge über den Computer-Bildschirm gesteuert. "Wir haben unter anderem Spieler aus Kanada, Australien und den USA", erklärt Homm. Auf der Seite www.winterberg-mod.com kann die Erweiterung heruntergeladen werden. Abgeschlossen ist das Projekt für Danny Homm noch nicht. Ständig bastelt er an Verbesserungen. Zu Pfingsten soll eine neue Version herauskommen, deshalb verbringt er momentan besonders viel Zeit vor dem Bildschirm.

Richtig böse sein kann ihm seine Frau dafür nicht, immerhin kommen seine Tüfteleien auch einem guten Zweck zugute. Die Spiel-Erweiterung ist zwar kostenlos, Homm hat aber ein Spendenkonto eingerichtet. Jeder Spieler kann für das Kinderhospiz Balthasar in Olpe spenden. Bisher sind über 10 000 Euro eingegangen, auch Spenden aus den USA, Belgien und den Niederlanden waren dabei.

Wie lange Danny Homm die zeitraubenden Arbeiten an der Winterberg-Erweiterung noch fortsetzt, weiß er nicht. "Ich bekomme jetzt fast täglich Bitten, weiterzumachen", sagt er. Immerhin wollen Spieler in der ganzen Welt mit den Winterberger Rettungsfahrzeugen Brände löschen und Menschen retten - zumindest am PC-Bildschirm.

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