Öffentlicher Personennahverkehr

Die Jungen steigen aus, die Alten auch

Immer weniger Fahrgäste steigen in die Busse ein. Die Verkehrsgesellschaften verlieren auch bei Jugendlichen und Senioren. ( Foto: Hayrettin Özcan )

Immer weniger Fahrgäste steigen in die Busse ein. Die Verkehrsgesellschaften verlieren auch bei Jugendlichen und Senioren. ( Foto: Hayrettin Özcan )

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Hagen.Schüler und Senioren - das waren bisher die besten Gäste im öffentlichen Personennahverkehr. Doch jetzt steigen die guten Kunden aus.

Um vier Prozent wird die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2020 im Kreis Soest und im Hochsauerland sinken. Die Zahl der Schüler wird im gleichen Zeitraum um 20 Prozent schwinden. Eine Statistik, die Uwe Rennspieß vom Regionalverkehr Ruhr-Lippe (RLG) Kopfzerbrechen bereitet. Sein Unternehmen bringt im Hochsauerland und Raum Soest die Fahrgäste an ihr Ziel.

Im Jahr 2010 waren das insgesamt 1,8 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Die Zahl der Schüler, die befördert wurden, ist sogar um 3,9 Prozent gesunken, rechnet Rennspieß vor. Die Schüler seien aber von großer wirtschaftlicher Bedeutung für das Unternehmen, heißt im Geschäftsbericht.

Um 1,7 Millionen ist im Jahr 2010 die Zahl der beförderten Fahrgäste bei der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) gesunken. 85 Prozent davon waren Schüler, 1,4 Millionen junge Fahrgäste weniger, zieht Pressesprecher Jochen Sulies Bilanz.

Grund ist vor allem der demografische Wandel und der Rückgang der Schülerzahlen. „Der Negativtrend wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken“, so die MVG in ihrem Geschäftsbericht. Insgesamt sank die Zahl der Fahrgäste im Linienverkehr um 5,3 Prozent.

Dafür wird die Zahl der Senioren in der Region in den kommenden Jahren deutlich wachsen: im Hochsauerland und im Kreis Soest um 16 Prozent in den nächsten zehn Jahren, sagt Uwe Rennspieß. „Darin sehen wir als Verkehrsunternehmen ein großes wirtschaftliches Potenzial.“

Eine Hoffnung, die man allerdings bei der benachbarten Märkischen Verkehrsgesellschaft enttäuscht sieht. Dort hat man nämlich im vergangenen Jahr auch bei den Seniorenkarten einen Abwärtstrend: ein Minus von rund 14 Prozent.

Denn die Zahl der Senioren nimmt zwar zu. Doch die rüstigen Rentner steigen lieber in das eigene Auto als den Bus. Früher war meist nur der Ehemann mit dem Auto unterwegs. Heute hätten auch die Frauen einen Führerschein und Pkw. Und sie seien damit bis ins hohe Alter mobil, erklärt Jochen Sulies.

Ein Trend, dem man beim Regionalverkehr Ruhr-Lippe entgegenzuwirken versucht. „Wir haben unsere Busfahrer sensibilisiert“, sagt Uwe Rennspieß. In einer Umfrage unter den Senioren hat das Unternehmen nämlich erfahren, was die Älteren vom Busfahren abhält. Beim Ein- und Aussteigen zum Beispiel ein zu großer Abstand zwischen Bus und Bordstein. Oder die Angst davor zu stürzen, weil der Fahrer zu rasant losfährt.

Um die Älteren dazu zu bringen, ihre Gewohnheiten aufzugeben, das Auto also zu stehen zu lassen und den Bus zu nehmen, wirbt die RLG zudem mit einem 60plus-Aktionstag, um die Senioren wieder auf die Vorzüge des Nahverkehrs aufmerksam zu machen. In dieser Altersgruppe gewinne man nun sogar Kunden hinzu, so Uwe Rennspieß.

Dennoch wird sich mancher Linienbus in Zukunft wohl nicht mehr rechnen, das Angebot mithin dünner werden. Daher setzt man im Märkischen Kreis auf alternative Angebote. ALF zum Beispiel, die Anruf-Linien-Fahrt. Ein kleiner Bus kommt nur zur Haltestelle, wenn der Gast die Fahrt eine Stunde zuvor anmeldet. Bürgerbusse sind ein zweites Beispiel : Das Land NRW bezahlt den Bus, der Fahrer arbeitet ehrenamtlich und die MVG kümmert sich um dessen Schulung, die Technik, den Fahrplan.

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