Auslaufmodell

Die Postbank räumt Sparbücher von Kunden leer

„Postsparbuch. Ein Taschenbuch das Zinsen bringt" - eine Werbebroschüre aus dem Jahr 1974

Foto: WP

„Postsparbuch. Ein Taschenbuch das Zinsen bringt" - eine Werbebroschüre aus dem Jahr 1974 Foto: WP

Münster. 
Was passiert, wenn man ein lange nicht genutztes Sparbuch findet? Bei der Postbank muss man damit rechnen, dass das Guthaben geschrumpft ist: Die Bank kassiert - einen Euro pro Monat. Wenn ein Sparbuch lange nicht aktiv genutzt wird.

„Das Postsparbuch - der Schlüssel zum Wohlstand, jeder Groschen wird gespart“, so steht es auf den Plakaten, mit der die Post ihre Kunden zum Sparen
animieren wollte. Diese Zeiten sind vorbei. Das Postsparbuch, einst hochgelobt und vielgepriesen, ist ein Auslaufmodell. Das musste jetzt auch unser Leser Georg Schiffer erfahren.

Mal sehen, was daraus geworden ist...

Bei Aufräumarbeiten in seiner Wohnung entdeckte der 59-Jährige ein Postsparbuch. Nach der letzten Zinsgutschrift aus dem Jahr 2002 wies dieses Sparbuch ein Guthaben von 23,91 Euro aus. „Na, mal sehen, was daraus geworden ist“, sagte sich Georg Schiffer und ging zum nächsten Postamt. Die Rechnung, die ihm hier präsentiert wurde, fiel aber konträr zu dem aus, was er sich eigentlich vorgestellt hatte. Sein - zugegeben geringes - Kapital war nicht durch Zins und Zinseszins angewachsen, sondern auf sage und schreibe 0,21 Euro geschrumpft. Mehr als zwanzig Euro waren schlichtweg futsch.

Für Georg Schiffer eine böse Überraschung. Für Ralf Palm, bei der Postbank für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, ein normales Alltags­geschäft. Seine einfache und zugleich verblüffende Erklärung: „Die Postbank hat zum 1. Januar 2008 ein Entgelt für lange nicht aktiv genutzt Sparkonten eingeführt.“ Danach erhebt die Postbank auf alle Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist „ein Entgelt von einem Euro pro Monat“.

Es gibt Ausnahmen - für ,gute’ Kunden

Ausgenommen sind Konten, auf denen Bewegungen zu verzeichnen sind; bei denen die Kontoinhaber minderjährig sind oder mehrere Konten bei der Postbank unterhalten werden bzw. das Guthaben über 60 Euro liegt.

Wer aber sein Postsparbuch in der Schublade liegen lässt und nur ein Guthaben von 50 Euro hat, wird erleben, wie sein eingezahltes Geld Jahr für Jahr um 12 Euro abschmilzt. Ralf Palm: „Das Entgelt wird jeweils rückwirkend für das Jahr erhoben und vom Sparkonto abgebucht. Sparkonten, die dann zum Jahresende ein Guthaben von Null Euro aufweisen, löst die Postbank auf.“

Die Frage, wofür das Entgelt erhoben wird, wenn keine Konto-Bewegung stattfindet, bleibt unbeantwortet. Es folgt nur der Hinweis von Postbank-Sprecher Ralf Palm: „Das lohnt sich nicht. Wir müssen wirtschaftlich arbeiten.“

Die Postbank möchte sich der kleinen Sparer entledigen

Genau hier sieht auch Annabel Oelmann, Expertin für Finanzfragen bei der Verbraucherzentrale NRW, die Motivation zur Einführung des Entgeltes: „Die Postbank möchte sich der kleinen Sparer ent­ledigen. Anders ist dieses kundenunfreundliche Verhalten nicht zu erklären.“

Dabei sei die Postbank rein faktisch auch im Recht. Es sei kein Betrug und auch keine Unterschlagung, wenn das kleine Guthaben der Postbank-Kunden langsam aber sicher durch das Entgelt aufgefressen würde. Annabel Oelmann: „Die Postbank kann eine Monats- oder auch eine Jahresgebühr einführen.“ Notwendige Voraussetzung: Der Kunde muss über die Einführung und die damit zusammenhängenden Konditionen informiert werden. Danach könne er sich entscheiden, ob er weiter bei der Postbank bleiben möchte - oder nicht.

Ralf Palm stellt fest: „Alle Kunden sind persönlich angeschrieben und über die Einführung des Entgeltes informiert worden.“ Georg Schiffer: „Ich habe kein Schreiben bekommen.“ Ralf Palm: „Dann erstatten wir das gezahlte Entgelt formlos zurück.“

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