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Die Sparkasse Menden vor der Notfusion

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Menden. Die Sparkasse Menden kämpft ums Überleben. Denn die Banker in der nordrhein-westfälischen Stadt haben einen ähnlichen Fehler begangen wie ihre Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks: Sie haben Baukredite an Menschen vergeben, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten.

Vorstandsvorsitzender ist Dr. Michael Düpmann erst seit dem 1. April. Und seine oberste Aufgabe ist es, dass er diesen Posten so schnell wie möglich wieder los wird. Er muss die 1842 gegründete Sparkasse Menden so schnell wie möglich in eine Fusion mit einer anderen Sparkasse führen. Gerade mal 37 Jahre ist Düpmann alt, in der Sparkasse Menden hat der Mann, der eigentlich aus dem Volksbankbereich kommt, aber eine Blitzkarriere hingelegt. Am 1. Januar diesen Jahres hatte er seinen Dienst bei der Sparkasse angetreten - zunächst als Nachfolger des bereits im vergangenen Jahr zurückgetretenen Vorstandsmitglieds Helmut Theobald.

Radikale Bestandsaufnahme

Nur knapp drei Monate später musste auch der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Ehrlich seinen Hut nehmen, Michael Düpmann rückte an die Spitze. Ihm wurde mit Rolf Harig ein weiterer erklärter Sanierer zur Seite gestellt. Und das Duo hat eine radikale Bestandsaufnahme vorgenommen, die eine Reihe von Problemfeldern ans Tageslicht gebracht hat. Das sind zum einen die 150 gescheiterten Baufinanzierungen von Spätaussiedlern, die externe Kreditvermittler an die Sparkasse herangetragen hatten.

Das Kreditinstitut hatte sie im Akkord genehmigt, obwohl - wie inzwischen klar ist - die meisten der Spätaussiedler nicht in der Lage waren, sie zu bedienen. Teilweise wurden gefälschte Unterlagen eingereicht. Die externen Kreditvermittler sind inzwischen wegen besonders schweren Betrugs angeklagt worden.

Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue

Die Staatsanwalstchaft ermittelt aber auch noch immer gegen Sparkassen-Mitarbeiter wegen des Verdachts der Untreue zum Schaden des Kreditinstituts. Und zwar auch gegen die beiden zurückgetretenen Vorstände. Zweimal ließ die Staatsanwaltschaft die Sparkasse durchsuchen.

Lange hat die Sparkasse mit der Information hinterm Berg gehalten, wie hoch der Schaden aus der „Kredit-Affäre” ist. Gestern erklärte der Sparkassen-Verwaltungsrat in einem Schreiben an die Mendener Ratsmitglieder, die sich gestern Abend zu einer eilig einberufenen Sitzung versammelten, dass mit einem Gesamtschaden von bis zu 30 Millionen Euro gerechnet wird.

Gescheitertes Großprojekt

Aber es gibt noch weitere Problemfelder, die die Sparkasse belasten. Ein von einer Sparkassen-Tochter vermarktetes und als gescheitert geltendes Luxus-Baugebiet in Mendens Innenstadt („Hönne-Insel”) gehört dazu. Darüber hinaus gelten aber auch weitere Kreditengagements der Mender Sparkasse als kritisch. Nicht zu vergessen Belastungen aus der allgemeinen Finanzkrise und der WestLB-Schwierigkeiten.

Unterm Strich hat die Sparkasse Menden schon für die 2008-er Bilanz die gesetzlichen Vorgaben nur geschafft, weil Reserven aufgelöst wurden und sogar das Sparkassen-Gebäude verkauft wurde. Für 2009 wird dies nicht noch einmal gelingen. Die Eigenkapitaldecke ist enorm geschrumpft, doch nur auf deren Basis dürfen Kredite vergeben werden.

Pläne verworfen

Ursprüngliche Pläne, dass die ohnehin schon klamme Stadt Menden das Trägerkapital erhöht oder eine stille Einlage leisten könnte, wurden verworfen - nach EU-Recht wäre das wohl eine unzulässige Beihilfe gewesen. Aber selbst mit diesem Schritt hätte es wohl den Zwang zu einer Fusion gegeben. Eine „eigenkapitalstarke Sparkasse” wird nun gesucht. Sondierungsgespräche hat es bereits gegeben. Doch von „natürlichen Kandiaten” wie den Nachbar-Sparkassen Arnsberg-Sundern, Hagen oder Iserlohn gab es gestern nichts zu hören. Man zeigt sich abwartend.

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