Familie

Eine Anwältin für Trennungskinder

Foto: ddp

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Hagen. Miriam Peltzers Arbeitsplatz liegt zwischen den Fronten. Sie geht dahin, wo es vor allem Kindern richtig weh tut. Offiziell nennt sich das, was die gelernte Heilpraktikerin für Psychotherapie macht, Verfahrensbeistand fürs Gericht. Sie selbst nennt das anders. Sie identifiziert sich als Anwältin von Trennungskindern. Und als solche hat sie gut zu tun.

Nach Miriam Peltzer ruft das Gericht immer dann, wenn ein Elternteil nach einer Trennung beim Amtsgericht Hagen einen Antrag auf Umgang mit dem eigenen Kind stellt. Oder, und so definiert Peltzer selbst den Start ihres Einsatzes, „wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“. Natürlich nicht buchstäblich, aber fast. Und überhaupt gibt es in Miriam Peltzers Berufsalltag sehr oft zwei Lesarten. Einmal die amtliche und dann die emotionale. Hier der nächste Auszug aus dem Wörterbuch einer „Anwältin für Trennungskinder“: Offiziell regelt sie bei Verdachtsfällen von Teilvorenthaltung des Sorgerechts den Umgang des Kindes mit beiden Elternteilen. Emotional formuliert, ist sie so etwas wie ein Rettungsanker für Kinder, deren Eltern die Trennung in aller Regel unbewusst auf ihrem Rücken austragen.

„Bei einer Trennung nehmen die Mütter ihre Kinder mit“

„Mein beruflicher Alltag führt mich in tief zerstrittene Familien“, sagt Miriam Peltzer. Und um hier überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen, muss sie sehr behutsam vorgehen. „Der erste Kontakt ist schriftlich. Dann lerne ich das Kind kennen und frage, ob es sich Kontakt zum anderen Elternteil wünscht“, so die Heilpraktikerin. Der „andere Elternteil“ war bisher immer der Vater. In Peltzers Laufbahn war es bisher immer er, der einen Zugang zu seinem Kind einforderte. „Bei einer Trennung nehmen die Mütter die Kinder mit. Und mit ihnen das Aufenthaltsbestimmungsrecht“, erklärt Peltzer.

Stichwort „Mütter“: Die empfangen Miriam Peltzer, den gefühlten verlängerten Arm des Ex-Partners, natürlich nicht mit einem freund­lichen Händedruck. „Da geht es darum, Vertrauen herzustellen. Schließlich soll die Mutter mir ja irgendwann ihr Kind mitgeben“, schildert die Heilpraktikerin. Ist diese Hürde genommen, beginnt die Arbeit mit dem Kind. Es gilt herauszufinden, ob das Kind tatsächlich Kontakt zum Vater wünscht. Und auch hier sind Barrieren zu überwinden. „Oft verhalten sich Kinder aus Pflichtgefühl loyal zu ihrer Mutter“, so Peltzer. Der tatsächliche Wunsch des Kindes ist also nur selten an der Oberfläche zu finden. Ihn zu ermitteln ist aber Miriam Peltzers wichtigste Aufgabe. Deshalb beschäftigt sie sich oft auch alleine mit den Kindern. „Wir spielen oder malen“, sagt sie.

Alle sozialen Milieus

Ihr Beruf führt Miriam Peltzer in die verschiedensten sozialen Milieus. „Das geht vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Arzt und sogar zum Pädagogen“, so die Therapeutin. Alle Fälle haben eines gemein: Die Trennung ist nicht kind­gerecht abgelaufen. „Bei Trennungen setzt der Verstand häufig aus. Da geht es nur noch um Emotionen“, beschreibt Peltzer. Dafür bringt sie allerdings Verständnis auf. Und zwar für beide Elternteile: „Für mich gibt es keine Schuld, die emotionale Situation hat keine andere Handlung zugelassen.“

Abseits jeder Schulzuweisung steht jedoch fest: Den Kindern bleibt die Opferrolle. Nicht selten sind sie traumatisiert. Und deshalb ist Behutsamkeit Miriam Peltzers oberstes Gebot. Die Mittel, die ihr von Amts wegen zur Verfügung stehen, möchte sie daher nicht ausschöpfen. „Ich bin befugt, das Kind zum Umgang mit dem Vater mitzunehmen“, sagt sie „aber dieses Szenario auch nur verbal aufzuzeichnen, wäre kontraproduktiv“.

Aktuell ist Miriam Peltzer in 15 Familien aktiv. Ihre Mission ist abgeschlossen, wenn die Eltern in der Lage sind, den Umgang selbst zu regeln. Das kann dauern. „In manchen Fällen wirkt das fast aussichtslos“, sagt Peltzer und möchte auch das keinesfalls als Vorwurf verstanden wissen. „Diese Familien leiden - alle“, betont sie. Dennoch: Oft ist kein Ende in Sicht, bei der Mediation zwischen Mutter und Vater. Oder besser: Beim Einsatz zwischen den Fronten

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