Studie

Ernährungsdefizit bei 27 Prozent der Altenheimbewohner

Foto: ddp

Herdecke. Die Ernährungsmängel in Altenheimen sind erschreckend. 27 Prozent der Bewohner haben ein Ernährungsdefizit. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Uni Witten-Herdecke. Die Ursache liegt demnach in der geringen Nahrungsaufnahme der Senioren: Ihnen schmeckt das Essen nicht.

27 Prozent der Frauen und Männer, die in Altenheimen leben, haben ein Ernährungsdefizit. Dieses erschreckende Ergebnis förderte eine Untersuchung der Uni Witten-Herdecke zu Tage, die Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik und Sven Reuther vom Lehrstuhl für Pflegewissenschaft durchführten.

Begutachtung

Dabei begutachteten sie 65 Altenpflegeeinrichtungen mit 4779 Seniorinnen und Senioren in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. „Wir haben festgestellt”, so Sven Reuther, „dass es innerhalb Europas kaum Unterschiede gibt.” Obwohl sich alle beteiligten Altenheime intensiv um ihre Bewohner kümmern - sie wiegen die Senioren, ermitteln den Bodymaßindex - gebe es überall den Ernährungsmangel.

Appetitlos

Nach den Erkenntnissen von Prof. Dr. Sabine Bartholomeyczik und Sven Reuther liegt die Ursache in der geringen Nahrungsaufnahme der Senioren: Ihnen schmeckt das Essen nicht. Sie sind appetitlos. Den Speisen fehlt die Würze. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Geschmacks- und Geruchsempfunden bei älteren Menschen nachlässt. Ihre Folgerung: Die Speisen für Senioren müssen besonders aromatisch zubereitet sein. Sven Reuther: „Aber nicht überwürzt.”

Demenzkranke

Gerade bei Demenzkranken halten die Herdecker es für angebracht, das Essen zu nutzen, um auch die Erinnerung zu aktivieren: „Etwa zu Weihnachten bei Gebäck oder dem Dessert verstärkt das Gewürz Zimt einsetzen.” Das rufe Gedanken an die Kindheit wach und führe zu einem höheren Genuss. Aber Vorsicht: „Was ich als Kind nicht mochte, mag ich auch als alter Mensch nicht.” Um die Senioren individuell betreuen zu können, sollte interdisziplinär gearbeitet werden. Vor allem eine Diätassistentin könne hilfreich sein.

Forschung

Die Untersuchung gehen weiter: Jetzt stehen Forschungen über Druckgeschwüre, Inkontinenz und Stürze auf dem Programm. Pflegeheime, die sich beteiligen möchten, können sich an der Uni Herdecke melden, 02302 / 926 231.

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