Interview

Erstklässler mit Englisch nicht überfordert

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Paderborn. Ab Montag steht in NRW der Englischunterricht auch für Erstklässler auf dem Stundenplan. Wir sprachen mit dem Sprachwissenschaftler Professor Manfred Pienemann von der Universität Paderborn über seine Einschätzung.

Ab Montag steht in NRW der Englischunterricht auch für Erstklässler auf dem Stundenplan. „Wegen der guten Erfahrungen”, sagt das Schulministerium. Und auch der Sprachwissenschaftler Professor Manfred Pienemann von der Universität Paderborn widerspricht der Einschätzung, dass Englischunterricht an Grundschulen überflüssig sei.

Frage: Sind Grundschüler mit dem Erlernen einer Fremdsprache nicht überfodert?

Pienemann: Absolut nicht. Es ist sogar eher schwierig, Kinder mit dem Lernen einer fremden Sprache zu überfordern. Unter dem Motto „Was in Köpfen von Kindern vorgeht” habe ich mit meinen Mitarbeitern untersucht, welche Prozesse im Kopf von Kindern ablaufen, wenn sie eine Sprache erlernen. Dies haben wir in einer Art Landkarte des Sprachlernens verortet und festgestellt, dass das Lernvermögen von Grundschülern dem von Gymnasiasten ähnelt. Das Potenzial, eine Fremdsprache zu lernen, ist bei Kindern definitiv vorhanden, und wir konnten zeigen, dass Grundschüler auch in den gegenwärtigen Gegebenheiten erfolgreich Englisch erwerben.

Also liegt es an den Lehrern, dass die bisherigen Ergebnisse kritisiert werden?

Pienemann: Nein, ich bin überzeugt, dass das Gros der Lehrer eine gute Arbeit leistet.

Wo liegen dann die Probleme begründet?

Pienemann: Wir können aus wissenschaftlicher Sicht nicht sagen, dass der Englischunterricht an Grundschulen nichts bringt. Für eine solche Aussage müssten sehr umfangreiche Studien erstellt werden, die es bis dato nicht gibt. Wenn es ein Problem in Bezug auf den Englischunterricht für Grundschüler gibt, dann besteht es darin, dass die Kinder keine homogene Masse sind. Stattdessen finden weiterführende Schulen Gruppen von Schülern vor, die zuvor auf unterschiedliche Art und Weise Englisch gelernt haben und einen unterschiedlichen Entwicklungsstand haben.

Wie kann man dieses Problem lösen?

Pienemann: Ein Rezeptbuch haben wir dafür nicht. Aber wir müssen uns in der Zukunft der Herausforderung stellen und konstruktiv auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder eingehen. Dabei kann die Wissenschaft helfen und die individuellen Profile der Schüler erstellen. Und diesen können Lehrer auch in einer üblichen Klassengrößen gerecht werden.

Was können Pädagogen langfristig tun, um Kindern erfolgreich eine Fremdsprache zu vermitteln?

Pienemann: Generell kann man sagen, dass es sinnvoll ist, Kinder bereits im Vorschulalter an die englische Sprache heranzuführen. Wichtig ist dabei, dass die Sprache nicht als Lerngegenstand betrachtet wird. Nicht das Pauken von Vokabeln steht im Vordergrund. Vielmehr sollte nach dem Prinzip des Immersionsunterrichts die fremde Sprache als normale Umgangssprache behandelt werden.

Mit Prof. Dr. Manfred Pienemann sprach Silke Wrona.

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